Brexit: Sind die Finanzwerte nun eine «kleine Sünde» wert?

Der cash Insider verrät, ob Anleger den heutigen Kursrückschlag bei Credit Suisse, UBS & Co für eine kleine Wette nutzen sollten - Und: Ein weiterer Grossaktionär trennt sich von Meyer-Burger-Aktien.
24.06.2016 12:30
cash Insider
Brexit: Sind die Finanzwerte nun eine «kleine Sünde» wert?
Bild: fotolia.com

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Entgegen den meisten Erwartungen hat sich Grossbritannien zum Austritt aus der Europäischen Union (EU) entschlossen. An den Finanzmärkten sorgt diese Absage des Vereinigten Königreichs an ein vereinigtes Europa heute für Verwerfungen. Prominente Marktakteure seien vom Ausgang des Volksreferendums in Grossbritannien eiskalt auf dem falschen Fuss erwischt worden, so lasse ich mir sagen.

Nur dem beherzten Eingreifen der Schweizerischen Nationalbank (SNB) ist es zu verdanken, dass der Franken nicht noch stärker wird. Wie mir aus Singapur zugetragen wird, traten unsere Währungshüter heute früh schon im asiatischen Handel in Erscheinung.

Obschon der breit gefasste Swiss Performance Index (SPI) zur Stunde nur noch 2,5 Prozent verliert, müssen insbesondere die Aktien von Credit Suisse, UBS und Julius Bär Federn lassen. Sie alle haben überdurchschnittlich hohe Kursverluste zu beklagen. Doch auch die Valoren von Swiss Re und Zurich Insurance Group stehen noch immer unter starkem Verkaufsdruck.

Die Angst vor finanziellen Folgen der heutigen Börsen- und Währungsturbulenzen sowie vor Kreditausfällen oder schmerzhaften Bilanzbereinigungen sitzt im ersten Moment verständlicherweise tief.

Doch gerade bei der UBS scheinen mir diese Risiken überblickbar. Zugutehalten muss man der grösseren der beiden Schweizer Grossbanken auch die solide Eigenkapitaldecke.

Ähnliches gilt für die ehemalige Julius-Bär-Tochter GAM. Im Zuge wegbrechender erfolgsabhängiger Gebühren sah sich der Fondsanbieter kürzlich zu einer einschneidenden Gewinnwarnung gezwungen, was den Aktien ziemlich zusetzte.

Da die Valoren der UBS bereits Bestandteil meiner Schweizer Aktienfavoriten für das Börsenjahr 2016 sind, nehme ich jene von GAM auf. Dabei kann ich auf eine taktische Barmittelquote von rund 35 Prozent zurückgreifen. Kann der Fondsanbieter die Dividende trotz wegbrechender erfolgsabhängiger Gebühren aufrecht behalten, errechnet sich immerhin eine jährliche Rendite von 6,7 Prozent.

Eine Alternative bleiben meines Erachtens auch die beiden Versicherungswerte Swiss Re und Zurich Insurance Group, obschon Grossbritannien bei beiden Unternehmen für gut 10 Prozent der jährlichen Prämieneinnahmen verantwortlich ist.

Von einer Umsetzung über Call-Warrants rate ich an dieser Stelle übrigens entschieden ab. Der Grund: Bei solchen Kursausschlägen wie den heutigen überzahlt man solche Derivate für gewöhnlich.

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Unter starkem Verkaufsdruck stehen heute auch die Aktien von Meyer Burger. Allerdings hat das auch noch einen anderen Grund als der konkret gewordene Austritt Grossbritanniens aus der EU.

Erst am Dienstag berichtete ich von einem grösseren Verkaufsauftrag, welche in den vergangenen Wochen auf den Valoren des Solarzulieferunternehmens aus dem bernischen Gwatt gelastet habe (siehe Kolumne vom 21. Juni).

Nun hat der Auftraggeber endlich einen prominenten Namen: Wie ich einer Offenlegungsmeldung an die Schweizer Börse SIX entnehmen kann, hat die Capital Group ihren Stimmenanteil von 10,16 auf 4,94 Prozent mehr als halbiert. Als Herr über 1‘390 Milliarden Dollar ist der amerikanische Fondsanbieter kein unbeschriebenes Blatt.

Nach Franklin Resources, BlackRock und Platinum International ist die Capital Group der vierte Grossaktionär, welcher seine Beteiligung substanziell zurückgefahren hat.

Meyer Burger bleibt hierzulande eines der Sorgenkinder. Es gibt mittlerweile zwar Anhaltspunkte, wonach sich die Auftragslage des Solarzulieferers aufzuhellen beginnt. Finanziell betrachtet bleibt das Unternehmen jedoch schwach auf der Lunge. Und um die Produktion hochzufahren, bedarf es bekannterweise Geld - unter anderem in Form einer höheren Kapitalbindung beim Umlaufvermögen.
 

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