Credit Suisse: Die wahren Gründe für das Kursdebakel

Der cash Insider ist den wahren Gründen für das Kursdebakel bei den Aktien der Credit Suisse auf der Spur - Novartis vor Verstärkung des Generikageschäfts - Und: Die Börse ignoriert die mächtigste Bank der Welt.
14.06.2016 12:30
cash Insider
Credit Suisse: Die wahren Gründe für das Kursdebakel
Bild: fotolia.com

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Den Vorwurf der aktiven Beihilfe zur Steuerhinterziehung, diverse Manipulationsskandale und Millionensaläre - die Presse hat sich in den letzten Jahren so richtig auf die beiden Schweizer Grossbanken eingeschossen.

Dennoch ging gestern ein Aufschrei durch unser kleines Land. Der Grund: Die Aktien der Credit Suisse tauchten im frühen Handel auf den vermeintlich tiefsten Stand in der Firmengeschichte.

So sehr die kleinere der beiden Schweizer Grossbanken auch kritisiert wird, so sehr bereitet der Kurszerfall ihrer Valoren der breiten Öffentlichkeit Sorgen. Schliesslich zählt die Credit Suisse hierzulande noch immer zu den wichtigsten Arbeitgebern. Daran ändert auch der schleichende Abbau tausender Stellen nichts.

In der hiesigen Presse wird der kürzliche Handtuchwurf des für Barclays Capital tätigen Bankenanalysten für das jüngste Kursdebakel verantwortlich gemacht (siehe Kolumne vom 9. Juni). Auch von einem ominösen Verkäufer aus dem Ausland ist unter Berufung auf gut informierte Marktkreise zu lesen.

Bislang kein Thema sind die sogenannten "Level 3"-Verbindlichkeiten. Dabei handelt es sich um Bilanzpositionen, welchen weder ein Marktwert zugrunde liegt, noch über ein Bewertungsmodell ein wirklich zuverlässiger Wert ermittelt werden kann. Per Definition sind diese Verbindlichkeiten so gut wie nicht handelbar, was einen raschen Abbau von Risiken nahezu unmöglich macht.

Wie sich einer Erhebung des Office of Financial Research (OFR) vom vergangenen August entnehmen lässt, hatte die Credit Suisse diesbezüglich Verbindlichkeiten in dreistelliger Milliardenhöhe ausstehend. Nur J.P. Morgan, Goldman Sachs, Barclays sowie die Citigroup hatten auf den Zeitpunkt der Erhebung bezogen noch höhere Bestände in der Bilanz.

Interessant ist, dass auch die Deutsche Bank in der Erhebung eher schlecht wegkam. Wie die Aktien der Credit Suisse leiden auch jene der deutschen Grossbank schon seit Monaten unter einem ähnlich mysteriösen Kursschwund, was womöglich mehr als nur ein Zufall ist. Wie mir berichtet wird, sind diese "Level 3"-Verbindlichkeiten gerade bei ausländischen Grossinvestoren durchaus ein Thema.

Aufhorchen lässt auch eine heute bekannt gewordene Herunterstufung der Aktien von "Outperform" auf "Market Perform" durch Keefe, Bruyette & Woods. Dass die auf Finanzwerte spezialisierte Investment-Boutique trotz dem beachtlichen Aufwärtspotenzial zum neu 15 (28) Franken lautenden Kursziel das Handtuch wirft, ist an Signalwirkung nur schwer zu übertreffen.

Bleibt nicht nur aus Sicht der Aktionäre, sondern auch der Kunden sowie der Mitarbeiter der Credit Suisse zu hoffen, dass Konzernchef Tidjane Thiam das Ruder möglichst rasch wieder in den Griff bekommt. Denn die Gewässer rund um die kleinere der beiden Schweizer Grossbanken sind voller gefährlicher Untiefen.

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Im Geschäft mit Nachahmermedikamenten ist Novartis eine richtig grosse Nummer. Kaum ein vom Patentablauf bedrohtes Präparat, bei welchem der Gesundheitskonzern aus Basel über Sandoz keine eigene Version in petto hätte. Doch obwohl das Tochterunternehmen dabei auf das jahrzehntelange Wissen des Mutterhauses zurückgreifen kann, verfehlte es in den letzten Jahren regelmässig die konzerninternen Vorgaben.

Der Grund: Nachahmermedikamente lassen sich kommerziell nicht von Konkurrenzprodukten abheben. Noch hat Sandoz nicht die kritische Grösse erreicht, um sich in diesem Massengeschäft behaupten zu können.

Darf man aus Frankfurt eintreffenden Börsenspekulationen Glauben schenken, dann will sich Stada Arzneimittel in zwei voneinander unabhängige Unternehmen aufspalten. In eines davon soll das Geschäft mit Nachahmermedikamenten eingebracht werden.

Neben dem Marktführer Teva Pharmaceuticals wird auch Novartis ein Interesse an diesem Geschäftszweig nachgesagt. Für die Basler wäre das eine sehr willkommene Gelegenheit.

Denn wie mein verstorbener Grossvater stets zu sagen pflegte: Die beste Konkurrenz ist immer noch die unter dem eigenen Dach.

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Spricht Goldman Sachs eine Empfehlung aus, sind den betroffenen Aktien grössere Kursbewegungen so gut wie sicher. Das wiederum ruft zahlreiche am schnellen Geld interessierte Trittbrettfahrer auf den Plan. Meist werden diese für ihre eigene Ideenlosigkeit fürstlich belohnt.

Gestern warteten die hiesigen Trittbrettfahrer allerdings vergeblich auf steigende Kurse, als die amerikanische Investmentbank die zuvor geprügelten Aktien von EFG International mit einem 12-Monats-Kursziel von 6,10 Franken von "Sell" auf "Neutral" heraufstufte.

Die erhofften Deckungskäufe blieben nämlich aus. Bei Börsenschluss resultierte sogar ein Minus von knapp 5 Prozent. Damit hat der Vermögensverwalter aus Zürich seit Jahresbeginn mehr als 60 Prozent seines Börsenwerts eingebüsst.

Schuld ist nicht zuletzt die umstrittene Übernahme der Banca della Svizzera Italiana (BSI). Spätestens seit die Finma vor wenigen Wochen den Einzug unrechtmässig erzielter Gewinne im Umfang von 95 Millionen Franken in Zusammenhang mit der Korruptionsaffäre rund um den malaysischen Staatsfonds gegen die BSI verfügte, fällt dieser Milliardenkauf an der Börse durch.

Das Nachsehen haben die bekannten Schweizer Substanzinvestoren Braun, von Wyss & Müller. Erst kürzlich wurde bekannt, dass diese sich mit gut 3 Prozent an EFG International beteiligt haben (siehe Kolumne vom 26. Mai).
 

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