Credit Suisse warnt bei Dividenden-Perlen

Die Strategen der Credit Suisse rechnen kurzfristig mit höheren Zinsen und warnen vor Folgen für dividendenstarke Aktien - Und: Ein Schuss vor den Bug der Straumann-Aktionäre.
27.07.2016 12:30
cash Insider
Credit Suisse warnt bei Dividenden-Perlen
Bild: fotolia.com

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Kaum ein Anlagestratege, der über die letzten Jahre nicht vor steigenden Zinsen warnte. Wer hätte allerdings auch gedacht, dass Schuldner im Zuge der "Politik des billigen Geldes" von ihren Gläubigern eines Tages sogar bezahlt werden müssen, damit diese ihr mühselig Erspartes entgegennehmen.

Sämtliche wirtschaftlichen Gepflogenheiten, wie wir sie kennen, haben ihre Gültigkeit verloren. Es scheint, als müssten die Lehrbücher umgeschrieben werden.

Nicht nur unsere Pensionskassen, auch immer mehr Privatanleger werden von den Zentralbanken regelrecht zum Kauf von Aktien gezwungen. Viele Anleihen weisen heute eine negative Rendite auf Verfall auf. Werden diese zur Rückzahlung fällig, gibt es weniger Geld zurück, als ursprünglich bezahlt wurde. Während Pensionskassen von Gesetzes wegen zu solchen Verlustgeschäften quasi gezwungen sind, lassen sie sich für Privatanleger bisweilen noch umgehen.

Es überrascht deshalb nicht, dass sich in so manchem Wertschriftenportfolio dividendenstarke Valoren wie jene von Nestlé, Roche und Novartis befinden. Denn diese führen ein weitestgehend von der konjunkturellen Entwicklung unabhängiges Eigenleben und gelten daher als sicher.

In einer Strategiestudie warten die für die Credit Suisse tätigen Autoren gleich im doppelten Sinne mit einer Warnung auf. Einerseits rechnen sie auf kurze Sicht mit steigenden Zinsen und andererseits erachten sie Rendite-Perlen wie Nestlé als anfällig. Den mittlerweile bei rund 25 Prozent liegenden Bewertungsaufschlag gegenüber dem breiten Markt halten die Strategen nicht für nachhaltig.

Eine überdurchschnittliche Kursentwicklung trauen sie in einem von steigenden Zinsen geprägten Umfeld den Finanzwerten sowie den konjunkturabhängigen Aktien zu.

Die Frage ist, ob höhere Zinsen in Anbetracht der aggressiven Zentralbankinterventionen überhaupt möglich sind. Mir liegen jedenfalls keine anderen auch nur annähernd mit jenen der Credit Suisse vergleichbaren Zinsprognosen vor. Aber wer weiss: Vielleicht kommt wieder einmal alles anders als man denkt.

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An der Schweizer Börse ist Straumann eine der Erfolgsgeschichten der letzten Jahre - und das zu Recht. Anfänglich für den Vorstoss in den Markt für Billigimplantate belächelt, hat der Hersteller von Dentalimplantaten aus Basel eindrucksvoll auf den Wachstumspfad zurückgefunden. Zu verdanken hat er dies seinem Konzernchef Marco Gadola, der den Vorschusslorbeeren rückblickend mehr als gerecht wurde.

Innerhalb von gerade mal vier Jahren hat sich der Wert von Straumann an der Börse nahezu vervierfacht. Der Dentalimplantatehersteller ist nicht nur der Liebling der Anleger, sondern auch der Analysten. Vontobel, Credit Suisse und Kepler Cheuvreux - sie alle empfehlen die Aktien ihrer Anlagekundschaft wärmstens zum Kauf.

Dem widerspricht seit gestern die für Merrill Lynch tätige Medizinaltechnikanalystin. Sie stuft die Valoren von Straumann von "Neutral" auf "Underperform" herunter.

Das zunehmend schwierige Wirtschaftsumfeld und der erstarkte Franken lassen die Expertin zur Vorsicht mahnen. Sollte sich die Umsatzentwicklung nach wachstumsreichen Jahren verlangsamen, rechnet sie mit einer schmerzhaften Bewertungskorrektur. Ungemach droht der Analystin zufolge auch aufgrund der hohen Diskrepanz zwischen den in Franken anfallenden Kosten und dem Umsatzbeitrag in Franken.

Eine überzeugte Verkaufsempfehlung sieht allerdings anders aus, lässt sich vom 354 Franken lautenden Kursziel doch gerade mal ein Abwärtspotenzial von etwas mehr als 5 Prozent ableiten - zu wenig für eine lukrative Wette gegen die Aktien.

Letztere zählen übrigens zu den Schweizer Nebenwerten, die schon seit Monaten von einem Rekordhoch zum nächsten klettern (siehe Kolumne vom 13. Juli). Der tiefe Fall einst ebenfalls frenetisch gefeierter Börsen-Stars wie AMS oder Leonteq zeigt, wie schmal der Grat zwischen Erfolg und Misserfolg sein kann. Bleibt der Belegschaft und den Aktionären von Straumann selbstverständlich bloss zu wünschen, dass das Unternehmen an die letzten Jahre anknüpfen kann.

 

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