Credit Suisse wird auch 2017 Aktionärswerte vernichten

Ein Analyst geht hart mit der Credit Suisse ins Gericht und sieht den Aktienkurs auf 9 Franken tauchen - Und: Der cash Insider erklärt, weshalb Anleger bei Nestlé nicht voreilig das Handtuch werfen sollten.
17.02.2017 12:30
cash Insider
Credit Suisse wird auch 2017 Aktionärswerte vernichten
Bild: fotolia.com

Der cash Insider ist unter @cashInsider auch auf Twitter aktiv. Lesen Sie börsentäglich von weiteren brandaktuellen Beobachtungen am Schweizer Aktienmarkt.

***

Die Angelsachsen kaufen wieder Aktien der Credit Suisse, so berichten mir Händler schon seit Tagen. Zuerst schienen nur die Analysten von Goldman Sachs und Citigroup einen Narren an der kleineren der beiden Schweizer Grossbanken gefressen zu haben. Dann folgte der Berufskollege von Merrill Lynch und seit heute preist auch jener von Morgan Stanley seiner gutbetuchten Kundschaft die Valoren mit einem Kursziel von 18,50 Franken zum Kauf an.

Dem hält der für die Berenberg Bank tätige Analyst allerdings mit aller Kraft dagegen. Auf Basis des am vergangenen Dienstag von der Credit Suisse vorgelegten Zahlenkranzes und der ermutigenden Aussagen zur Geschäftsentwicklung im Januar nimmt er seine Gewinnschätzungen zwar leicht nach oben. Nichtsdestotrotz hält der profunde Branchenkenner sowohl an seiner Verkaufsempfehlung als auch am 9 Franken lautenden Kursziel fest.

Schon seit Tagen stossen die CS-Aktien auf angelsächsisches Kaufinteresse; Quelle: www.cash.ch

Er kann die Zuversicht anderer Experten für den Turnaround nicht teilen und findet keine guten Worte für die Credit Suisse. Die Grossbank habe im vergangenen Jahr abermals Aktionärswerte vernichtet, so sein ziemlich ernüchterndes Urteil. Und der um 12 Prozent rückläufige, bereinigte Buchwert scheint dem Analysten Recht geben zu wollen.

Doch damit nicht genug: Er geht sogar noch einen Schritt weiter und prognostiziert selbst für das laufende Jahr einen rückläufigen bereinigten Buchwert.

Inwiefern der schon seit Wochen heiss diskutierte Börsengang der Universalbank Schweiz mit hineinspielt, lässt man bei der Berenberg Bank offen. Fakt bleibt aber: Es handelt sich dabei um eine den zukünftigen Gruppengewinn schmälernde Kapitalbeschaffungsmassnahme. Ein Dividendenverzicht oder eine Kapitalerhöhung wäre sehr viel ehrlicher...

***

Als sich der Verwaltungsrat von Nestlé vergangenen Sommer für Mark Schneider und damit gegen einen Nachfolger für Konzernchef Paul Bulcke aus dem eigenen Hause entschied, waren viele Beobachter erst einmal sprachlos.

Die Überraschung dürfte damals auch bei Wang Ling Martello und bei Laurent Freixe gross gewesen sein, galten die Verantwortlichen für Asien beziehungsweise Nord- und Südamerika doch lange Zeit als die einzigen Anwärter auf den freiwerdenden Chefsessel.

Spätestens seit gestern ist allerdings klar, weshalb sich der Verwaltungsrat für einen externen Nachfolger für Paul Bulcke entschied: Denn Mark Schneider tritt kein einfaches Erbe an.

Aus eigener Kraft zu wachsen, fällt seinem neuen Arbeitgeber immer schwieriger. Im Schlussquartal hat sich das organische Umsatzwachstum auf 2,9 Prozent verlangsamt. Das ist für ein Unternehmen von der Grösse von Nestlé zwar immer noch beachtlich und braucht den Vergleich mit anderen Rivalen wie Danone oder Unilever nicht zu scheuen. Dennoch gehören Wachstumsraten von 5 oder mehr Prozent wohl der Vergangenheit an.

Diese Vermutung weckt auch der vorsichtige Ausblick, suggeriert letzterer doch gar eine weitere Wachstumsverlangsamung. Und auch wer sich an der gestrigen Jahresergebnispräsentation Anhaltspunkte für eine strategische Neuausrichtung oder für Veränderungen im Beteiligungsportfolio erhoffte, wurde bitter enttäuscht.

Mark Schneider macht kein Geheimnis daraus, dass das Tagesgeschäft ganz klar Priorität geniesst. Alles andere kann werden, muss aber nicht.

Sowieso wäre es zum jetzigen Zeitpunkt ungeschickt, die Belegschaft mit Verkaufsplänen "tubetänzig" zu machen und sich gegenüber potenziellen Interessenten auch gleich noch in eine ungünstige Verhandlungsposition hineinzumanövrieren. Den besten Preis erzielt man schliesslich immer noch aus einer Position der Stärke heraus.

Man merke: Mark Schneider managt nicht nur einen Weltkonzern, sondern auch die Erwartungen. Das verstand er übrigens schon bei seinem früheren Arbeitgeber Fresenius stets bestens.

Allerdings sei der neue Konzernchef zur Wachsamkeit angehalten. Die Nahrungsmittelindustrie ist zu einem Tummelfeld für aggressive Finanzinvestoren geworden. Nestlé muss sich schnellstmöglich neu erfinden, wollen die Firmenvertreter in Vevey nachts auch weiterhin ruhig schlafen.
 

Der cash Insider nimmt Marktgerüchte sowie Strategie-, Branchen- oder Unternehmensstudien auf und interpretiert diese. Marktgerüchte werden bewusst nicht auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft. Gerüchte, Spekulationen und alles, was Händler und Marktteilnehmer interessiert, sollen rasch an die Leser weitergegeben werden. Für die Richtigkeit der Inhalte wird keine Verantwortung übernommen. Die persönliche Meinung des cash Insiders muss sich nicht mit derjenigen der cash-Redaktion decken. Der cash Insider ist selber an der Börse aktiv. Nur so kann er die für diese Art von Nachrichten notwendige Marktnähe erreichen. Die geäusserten Meinungen stellen keine Kauf- oder Verkaufsempfehlungen an die Leserschaft dar.