CS-Aktie im Visier der Leerverkäufer

Der cash Insider berichtet von merkwürdigen Wetten gegen die Aktie der Credit Suisse - Und: Die Charttechniker einer Zürcher Traditionsbank brechen eine Lanze für Schweizer Aktien.
12.11.2015 12:30
cash Insider
CS-Aktie im Visier der Leerverkäufer

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Bei den bedeutendsten Aktionären der Credit Suisse gibt sich das "Wer ist wer" der amerikanischen Hochfinanz die Ehre. Der weltweit grösste Vermögensverwalter Blackrock ist ebenso mit 3 Prozent an der in Zürich beheimateten Grossbank beteiligt wie die Capital Group.

Dodge & Cos, Franklin Resources und Harris Associates halten sogar Beteiligungen von bis zu 4,2 Prozent. Eines haben diese drei Fondsanbieter übrigens gemeinsam: Sie alle teilen eine Vorliebe für unterbewertete Substanzaktien.

Das grosse Geld blieb den Grossaktionären bislang jedoch verwehrt. Sorgen rund um die dünne Eigenkapitaldecke liessen die Valoren der Credit Suisse vor drei Jahren bis auf 16 Franken einbrechen. Seither hat sich der Aktienkurs zwar um 50 Prozent erholt. Mit den Aktien der Erzrivalin UBS liess sich allerdings mehr als doppelt so viel verdienen.

Nun ist die kleinere der beiden Schweizer Grossbanken gezwungen, die Aktionäre erneut um Geld zu bitten. Am nächsten Mittwoch soll an einer ausserordentlichen Generalversammlung über ein milliardenschweres Massnahmenpaket zur Stärkung der Eigenkapitalbasis abgestimmt werden. Langjährige Aktionäre dürfte spätestens dann ein Déja-Vu-Moment erschleichen.

So beliebt die Aktien bei amerikanischen Grossinvestoren auch immer zu sein scheinen, es gibt in New York auch andersdenkende Marktkräfte. Denn nur so lässt sich erklären, weshalb dort die Anzahl leerverkaufter Aktien innerhalb von gerade einmal zwei Wochen um einen Drittel gestiegen ist.

Über die Hintergründe dieses merkwürdigen Anstiegs lässt sich bloss spekulieren. Fakt ist: Er kommt einem Misstrauensvotum an die Adresse des neuen starken Mannes bei der Credit Suisse, Tidjane Thiam, gleich.

Vermutlich stehen die Wetten gegen die in Übersee gehandelten Aktien der Schweizer Grossbank in Zusammenhang mit der geplanten Bezugsrechtsemission. Falls nicht, hiesse das nichts anderes, als dass sie der zukünftigen strategischen Stossrichtung der Grossbank gelten.

Bei uns haben es die Leerverkäufer interessanterweise nicht annähernd so sehr auf die Aktien der Credit Suisse abgesehen. Wie es aus dem Berufshandel heisst, wird nur gerade mit 3,7 Prozent aller ausstehenden Titel auf rückläufige Kurse spekuliert. Das entspricht in etwa einem Zehntel der im Rahmen der Wertpapierleihe angebotenen Menge und damit dem Durchschnitt vergangener Monate.

Ich erachte die Wetten amerikanischer Marktakteure gegen die Papiere der Credit Suisse als äusserst mutig. Es müsste bei der Umsetzung der zukünftigen Strategie einiges schief gehen, damit sich mit diesen Geld verdienen liesse. Einige Branchenexperten, darunter auch jener der Erzrivalin UBS, trauen den Aktien über die nächsten Jahre sogar einen Anstieg auf 40 und mehr Franken zu.

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Die Charttechnikexperten von Julius Bär waren in den letzten Monaten immer mal wieder für eine Schlagzeile gut. Neuerdings brechen sie nun auch eine Lanze für den Schweizer Aktienmarkt und stufen diesen von "Neutral" auf "Positiv" herauf. Der Grund: In Erwartung einer Jahresendrally wähnen sie ihn vor einer mehrmonatigen Aufwärtsbewegung.

Bei den Einzelaktien ersetzen sie die ausscheidenden Inhaberaktien der Swatch Group durch die Namenaktien von Ems-Chemie. Darüber hinaus setzt sich die charttechnisch motivierte Empfehlungsliste aus den Valoren von Lindt & Sprüngli, Lonza, Straumann, Swiss Re, Swiss Life, Temenos, Actelion, Nestlé, Logitech, Barry Callebaut, Geberit, Givaudan, Clariant und Kühne + Nagel zusammen. Seit der Einführung dieser Liste im Juli 2013 liess sich mit den Empfehlungen ziemlich genau 16 Prozent verdienen, die ausbezahlten Dividenden miteinbezogen. Allerdings schnitt der breit gefasste Swiss Performance Index in dieser Zeit mit einem Plus von knapp 21 Prozent um einiges besser ab.

In die Hände spielen dürfte den Experten die jüngste Dollarstärke. Einer alten Faustregel zufolge fällt bei den grosskapitalisierten Schweizer Unternehmen gut ein Drittel des Jahresumsatzes in Dollar an. Sollte der Greenback nach dem Sprung über die Parität zum Franken weiter steigen, stünde der bei Julius Bär erwarteten Jahresendrally wohl nichts mehr im Wege.
 

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