CS auf der Jagd nach dividendenstarken Aktien

Die CS in einer Studie auf der Jagd nach dividendenstarken Schweizer Aktien – Clariant wird auf die europäische M&A-Liste gesetzt – Und: Einer der letzten Baissiers wirft bei Syngenta das Handtuch.
05.02.2013 14:00
cash Insider
CS auf der Jagd nach dividendenstarken Aktien
Bild: cash

In einer am späten gestrigen Nachmittag veröffentlichten Studie eröffnet die Credit Suisse hierzulande die Jagd nach dividendenstarken Aktien.

Hierfür ziehen die Studienverfasser ein Punktesystem hinzu. Punkte gibt es für eine jährliche Dividendenerhöhung von mindestens 8 Prozent, für eine Dividendenrendite von mindestens 3 Prozent, eine Ausschüttungsquote von maximal 60 Prozent des Jahresgewinns, einem Verhältnis der Nettoverschuldung zum EBITDA von unter 1,5, einer Eigenkapitalrendite von mindestens 12 Prozent und einem jährlichen Gewinnwachstum von mindestens 8 Prozent.

Das Maximum von 6 Punkten erhalten Adecco und Roche sowie das nicht von der Credit Suisse abgedeckte Industrieunternehmen Belimo. Auf immerhin 5 Punkte kommen Aryzta, Ascom, Burckhardt Compression, DKSH, Geberit, Givaudan, Lindt & Sprüngli, Nobel Biocare, Partners Group, Richemont, Schindler, Sonova, Starrag Group, Straumann, Swatch Group und u-blox. Übrigens werden auch die Aktien von Ascom, Burckhardt Compression und Starrag Group nicht offiziell von der Credit Suisse mitverfolgt.

In meinen Augen machen die Auswahlkriterien der Credit Suisse durchaus Sinn, berücksichtigen sie doch nicht nur die derzeitige Dividendenrendite sondern auch die Nachhaltigkeit letzterer sowie die Möglichkeit zukünftiger Erhöhungen. Die mir vorliegende Studie ist deshalb die erste wirklich vernünftige, die mir unter die Augen kommt.

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In einer Strategiestudie schreibt BNP Paribas, dass in Europa schon seit drei Jahren mit einer Belebung der Übernahme- und Fusionstätigkeit gerechnet werde. Aufgrund der soliden Bilanzen seien europäische Unternehmen zunehmend unter Druck, ihre rekordhohen Barmittelbestände möglichst sinnvoll einzusetzen. Zudem seien die organischen Wachstumsmöglichkeiten gerade in der westlichen Hemisphäre dünn gesät.

In den letzten Wochen und Monaten schaffte es mit Temenos nur ein einziges Schweizer Unternehmen auf die «M&A-Liste» der Franzosen. Neu nehmen die verantwortlichen Strategen nun aber auch Clariant in die Liste auf.

Die starke Fragmentierung spreche bei den Spezialiätenchemieherstellern für eine Konzentrationsbewegung. Vielen Anbietern würde die kritische Grösse fehlen. Darüber hinaus seien mit Übernahmen oder Fusionen in diesem Bereich sowohl Kosten- als auch Umsatzsynergien zu erzielen.

Clariant habe in den letzten Jahren eine strategische Neuausrichtung und eine Anpassung im Firmenportfolio vorgenommen. Anders als bei anderen europäischen Mitbewerbern wie Lanxess oder Arkema sei dieser Prozess allerdings noch nicht abgeschlossen. Mit einer Free-Cash-Flow-Rendite für 2014 von geschätzten 8,2 Prozent zählen die Franzosen das Basler Unternehmen zu den attraktiveren Übernahmezielen. Als potenzielle Käufer werden BASF, SABIC, DuPont oder Dow Chemical genannt. Auch Interesse aus der Private Equity Industrie halten die Verfasser der Strategiestudie für möglich.

Ich kann die Argumente von BNP Paribas nur bedingt nachvollziehen. Der in den vergangenen 12 Monaten vollzogene Konzernumbau lässt bei Clariant keinen unmittelbaren Verkauf des Unternehmens erwarten. Ein potenzieller Interessent hätte sich meines Erachtens schon lange zu erkennen gegeben und im vergangenen Jahr zugeschlagen.

Über die kommenden Tage spricht bei den Aktien von Clariant einiges für tiefere Kursnotierungen. Einem Kommentar von Kepler Capital Markets entnehme ich, dass das Unternehmen schon bald die 300 Millionen Franken schwere Wandelanleihe ausüben könnte. Den Verwässerungseffekt beziffert der von mir geschätzte Experte auf 8 Prozent.

Sobald die Wandelanleihe ausgeübt wird, steht dem Experten zufolge einer weiteren Neubewertung und -beurteilung der Aktien von Clariant durch den Markt nichts mehr im Wege. Bei Kepler Capital Markets zählen die mit einem Kursziel von 16,50 Franken eingestuften Papiere zu den Favoriten für 2013. Dies nicht ohne Grund, zeigte der Experte doch schon während seiner Zeit bei UniCredit sichtlich Gefallen am Basler Spezialitätenchemiehersteller.

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Bei den Namenaktien von Syngenta wirft einer der letzten Baissiers das Handtuch: In einer Unternehmensstudie aus dem Hause Morgan Stanley stuft die verantwortliche Verfasserin die Papiere von «Underweight» auf «Equal-weight» hoch. Das Kursziel wird weiterhin mit 406 Franken angegeben.

Bisher argumentierte die Analystin vor allem mit der von chinesischen Billiganbietern ausgehenden Gefahr einer Wettbewerbsintensivierung im Pflanzenschutzbereich. Darüber hinaus befürchtete sie negative Auswirkungen der trockenen Witterungsverhältnisse vom vergangenen Jahr auf die Lagerbestände.

Nach Abklärungen in den Vertriebskanälen rechnet die Analystin gerade im Pflanzenschutzbereich mit einem weiteren soliden Geschäftsjahr. Deshalb lasse sich ihre bisherige Baisseempfehlung nicht mehr länger rechtfertigen.

Die weniger als 24 Stunden vor der morgigen Veröffentlichung des Jahresergebnisses eintreffende Hochstufung könnte durchaus Signalwirkung haben. Denn an einen reinen Zufall will ich nicht so recht glauben. Ich vermute, dass Morgan Stanley im Vorfeld der morgigen Ergebnispräsentation durchaus über Anhaltspunkte für ein solides Ergebnis oder zumindest einen ermutigenden Ausblick für 2013 verfügt. Ansonsten hätte die Analystin den morgigen Tag wohl erst noch abgewartet.