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Die Botschaft der für die Credit Suisse tätigen Strategen ist unmissverständlich: Anleger sollten den Börsenturbulenzen mit Gelassenheit entgegenblicken und die Nerven bewahren.

Es sei zwar richtig, dass sich das Konsumwachstum in den Schwellenländern über die vergangenen drei Jahre halbiert habe. In Folge dessen habe sich das Wachstum amerikanischer Exporte in diese Länder auf jährlich 3 Prozent verlangsamt. Die Folgen für die dortige Wirtschaft hielten sich allerdings in Grenzen, so die Experten. Denn Berechnungen der Credit Suisse zufolge schlage ein Rückgang von 3,5 Prozent bei den Exporten in die Schwellenländer gerade mal mit 0,2 Prozent auf das amerikanische Bruttoinlandprodukt durch. Das Wirtschaftswachstum in China müsste schon unter den Schwellenwert von 5 Prozent fallen, um zu einer Gefahr für die Aktienmärkte zu werden.

Auch im Zusammenhang mit dem in den USA zuletzt wieder schwachen Einkaufsmanager-Index geben die Strategen Entwarnung. Der Frühindikator sei im Januar tatsächlich ziemlich deutlich hinter den Erwartungen zurückgeblieben. In Europa und Japan, wo die Abhängigkeit von den Schwellenländern grösser ist, sei die Auftragskomponente dieser Indikatoren allerdings auf ein neues Zyklushoch geklettert. Davon leiten die Experten eine Beschleunigung des Weltwirtschaftswachstums auf bis zu 4 Prozent ab.

Zudem werde das Geschehen an den Aktienmärkten derzeit von den Unsicherheiten rund um die Schuldenobergrenze der USA überschattet. Gerade der Kongress zeige sich mittlerweile allerdings sehr viel kompromissbereiter als in der Vergangenheit.

Darüber hinaus nennen die Strategen der Credit Suisse weiterer Gründe, weshalb Aktien in den Kundenportfolios weiterhin übergewichtet werden. Einerseits errechne sich auf Basis der bankeigenen Gewinnschätzungen eine Risikoprämie für die Aktien von 5,5 Prozent. Gerechtfertigt sei sogar eine Risikoprämie von 4,7 Prozent, wenn nicht gar eine von 4 Prozent. Bei den Gewinnschätzungen gebe es erst noch erste Aufwärtsrevisionen, was die Statistik noch besser aussehen lasse. Andererseits weise die Überschussliquidität noch immer ein Wachstum von 5 Prozent auf, was für eine weitere Neubewertung der Aktienmärkte spreche.

Seit Ausbruch der Finanzkrise im Jahr 2008 seien unter dem Strich 100 Milliarden Dollar aus Aktienfonds abgezogen worden. Und das, obschon Unternehmen und Finanzinvestoren Übernahmen und Aktienrückkäufe im Gegenwert von 3,4 Billionen Dollar stemmen könnten.

Auch in Bezug auf die zukünftige Geldpolitik führender Zentralbanken gibt man sich bei der Credit Suisse zuversichtlich. In Japan bleibe die Teuerung weit hinter der Zielgrösse der Bank of Japan von 2 Prozent zurück. Und auch im Euroraum bleibe die Teuerung gering. Die Bank of Japan werde deshalb an ihrer quantitativen geldpolitischen Lockerung festhalten und die Europäische Zentralbank auf einen aggressiveren geldpolitischen Kurs umschwenken, was den Aktienmärkten helfen sollte.

Die Aussagen der Strategen der Credit Suisse decken sich mit jenen zahlreicher anderer Berufskollegen. Schon seit Tagen gehen nahezu ausschliesslich beruhigende Kommentare zu den Aktienmärkten bei mir ein. Bleibt bloss zu hoffen, dass es sich dabei nicht um leere und von Zweckoptimismus geprägte Worte handelt.

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Zu Wochenbeginn sah sich AMS an der Jahresergebnispräsentation zu einer Umsatzwarnung veranlasst. Da sich die Einführung neuer Smartphones und Tablet-PC bei Grossabnehmern aus dem asiatischen Raum verzögert, rechnen die Firmenverantwortlichen im laufenden Quartal mit einem Umsatz zwischen 80 bis 85 Millionen Euro.

Durch die Umsatzwarnung waren viele Banken dazu gezwungen, ihre diesjährigen Schätzungen mit dem Rotstift zu überarbeiten. Während es bei den meisten Instituten bei einer Anpassung der Kursziele blieb, stuft Kepler Cheuvreux heute die Aktien des Börsenlieblings mit einem 105 Franken lautenden Kursziel von "Buy" auf "Hold" zurück.

Der Experte hält die langfristigen Aussichten zwar für intakt. Auf kurze Sicht seien die Risiken allerdings gestiegen. Das nächste Mal schaue er sich die Papiere im Vorfeld der Ergebnispräsentation für das zweite Quartal von Mitte Juli an.

Völlig unerwartet kam die Umsatzwarnung für mich nicht. Denn das erste Quartal gilt bei AMS seit je her als das saisonal schwächste des ganzen Jahres. Dem Unternehmen ist eine kontinuierliche Absatzbelebung im weiteren Jahresverlauf so gut wie sicher. Sollten die Aktien in zweistelliges Kursterrain zurückfallen, bieten sich meines Erachtens günstige Kaufgelegenheiten.

Denn wie Kepler Cheuvreux richtig schreibt, bleiben die langfristigen Aussichten gut. AMS verfügt über vielversprechende neue Produkte. Ausserdem werden die Smartphones und Tablet-PC der Abnehmer technisch immer ausgeklügelter, weshalb die Geräte mit immer mehr Sensoren ausgestattet werden. Das Halbleiterunternehmen profitiert deshalb gleich in zweifacher Hinsicht.