CS-Strategen: Kein Börsenrücksetzer mehr zu erwarten

Der cash Insider über den plötzlichen Stimmungsumschwung bei den Aktienstrategen der Credit Suisse und die geradezu euphorischen Kaufempfehlungen für die beliebtesten Schweizer Nebenwerte.
21.03.2017 12:30
cash Insider
CS-Strategen: Kein Börsenrücksetzer mehr zu erwarten
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Die Stimmung an den Aktienmärkten ist ausgelassen wie schon seit Jahren nicht mehr. "La Hausse amène la Hausse", wie die Franzosen so schön sagen.

Noch sind die vor einem Rückschlag warnenden Stimmen zwar nicht verstummt. Aber sie werden immer leiser.

Jüngstes Beispiel sind die Strategen der Credit Suisse. Die amerikanische Leitbörse werde im Frühsommer ihren Höhepunkt erreichen und ab dann in eine Korrektur übergehen, so liess man die eigene Anlagekundschaft bisweilen wissen.

In einem mir aus London zugespielten Strategiepapier schlagen die Autoren neuerdings versöhnliche Töne an. Sie trauen dem breit gefassten S&P-500-Index in den nächsten Wochen einen Anstieg bis auf 2'400 (bisher: 2'350) Punkte zu. Im weiteren Jahresverlauf rechnen die Strategen dann sogar mit einem Vorstoss bis auf 2'500 Punkte und nicht mehr länger mit einem Rückschlag auf 2'300 Punkte.

Der amerikanische S&P-500-Index ist nicht zu bremsen (Quelle: www.cash.ch)

Den viel beachteten Euro Stoxx 50 Index sieht man bei der kleineren der beiden Schweizer Grossbanken bis Ende Dezember auf 3'700 (bisher: 3'450) Punkte klettern.

Mangels vernünftiger Alternativen spielt die Musik bei uns vor allem in den Nebenwerten. Schliesslich sind die drei als "langweilig" verschrieenen Indexschwergewichte Nestlé, Roche und Novartis beim Swiss Performance Index (SPI) für nicht weniger als die Hälfte der Gesamtkapitalisierung verantwortlich.

Den Anlegern besonders angetan haben es die hiesigen Vertreter aus der Halbleiterindustrie. Schon seit Wochen hangeln sich Aktien wie jene von Comet oder der VAT Group von einem Rekordhoch zum nächsten. Beide Papiere haben alleine seit Jahresbeginn um je rund 25 Prozent zugelegt.

Einige Analysten sind geradezu ausser Rand und Band. So sieht der für die MainFirst Bank tätige Experte das Ende der Fahnenstange bei Comet noch immer nicht erreicht. Er bekräftigt seine Kaufempfehlung und rechtfertigt diese mit einem neu 1'400 (bisher: 1'200) Franken lautenden Kursziel.

Bei den Aktien von Comet gilt: Der Himmel ist das Limit (Quelle: www.cash.ch)

Nicht minder abenteuerlich ist die Heraufstufung der Valoren des Apple-Zulieferers AMS von "Neutral" auf "Outperform" durch BNP Paribas. Nachdem die französische Grossbank die seit Jahresbeginn beobachtete Kurverdoppelung verschlafen hat, beziffert er das Kursziel neu auf 70 (bisher: 46) Franken (siehe Kolumne vom 14. März).

In eine ähnliche Kerbe haut der Berufskollege von Helvea mit seiner Kaufempfehlung für Huber + Suhner. Nachdem die Aktien bereits kräftig gestiegen sind, macht der bekannte Industrieanalyst noch einmal auf die attraktiven Wachstumsaussichten aufmerksam. Darüber hinaus rechnet er mit weiteren Margenverbesserungen.

Selbst bei Valoren von mit hausgemachten Problemen kämpfenden Unternehmen geraten unterdurchschnittlich oder gar falsch positionierte Marktakteure in Erklärungsnot - oder besser gesagt in Zugzwang.

Seit sich der RBR Strategic Fund bei GAM eingenistet hat, sind die Leerverkäufer beim Fondanbieter aus Zürich auf dem Rückzug. Liefen dem Beratungsunternehmen Markit zufolge Ende Februar noch Wetten im Umfang von 6,6 Prozent der ausstehenden Aktien gegen die ehemalige Julius-Bär-Tochter, sind es mittlerweile angeblich nicht einmal mehr die Hälfte.

Dass der für seine aktive Einflussnahme bekannte Hedgefonds mit seinen Plänen auf andere Grossaktionäre angewiesen ist, scheint nur beiläufig zu interessieren. Mit 3,28 Prozent der Stimmen lässt sich jedenfalls keine Palastrevolution anzetteln.

Mit Leonteq hat sich auch der ehemalige UBS-Verwaltungsrat und Hedgefonds-Pionier Rainer-Marc Frey bei einem "Prügelknaben" ausländischer Leerverkäufer mit 7,46 Prozent der Stimmen in Stellung gebracht. Alleine seit dem Bekanntwerden seines Einstiegs sind die Aktien des angeschlagenen Anbieters strukturierter Produkte um mehr als 40 Prozent gestiegen.

Ebenfalls auf die zahlreichen Leerverkäufer abgesehen hat es der für die Berenberg Bank tätige Analyst. In einer gestern veröffentlichten Unternehmensstudie zu Aryzta streicht er seine Gewinnschätzungen doch um bis zu 15 Prozent zusammen. Das hält den Studienautor allerdings nicht davon ab, die Aktien mit einem neu 45 (bisher: 33) Franken lautenden Kursziel von "Hold" auf "Buy" heraufzustufen. Seither sind die vorwiegend ausländischen Leerverkäufer auch beim Backwarenhersteller auf dem Rückzug.

Es ist diese explosive Kombination ausgelassener Marktakteure, reihenweise kapitulierender Leerverkäufer und teils euphorischer, teils aggressiver Kaufempfehlungen, welche in mir böse Erinnerungen an frühere Übertreibungen hochkommen lässt - sei es die Technologieblase von Ende der Neunzigerjahre, der Solarboom oder der Höhenflug der Bankaktien unmittelbar vor Ausbruch der Finanzkrise. Eines haben diese Übertreibungen gemeinsam: Sie alle endeten aus Anlegersicht in Tränen.

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