Dank Frankenschwäche - Anfang vom Ende der Negativzinsen in der Schweiz?

Geht es nach einem bekannten Anlagestrategen, gehören die Negativzinsen schon bald der Vergangenheit an. Was der Franken damit zu tun hat - Und: Die Credit Suisse verrät ihre Schweizer Nebenwertefavoriten.
17.05.2017 12:30
cash Insider
Anfang vom Ende der Negativzinsen in der Schweiz?
Bild: fotolia.com

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Thomas Jordan und seine Direktoriumskollegen bei der Schweizerischen Nationalbank (SNB) werden nicht müde, den Einsatz von Negativzinsen zu rechtfertigen. Die davon ausgehenden Kollateralschäden seien das kleinere Übel als ein stärkerer Franken, so lassen sie die Öffentlichkeit bei jeder sich bietenden Gelegenheit wissen.

Egal wie sehr unser Vorsorgewesen und die Banken unter der Last der Negativzinsen auch ächzen - die Verantwortlichen halten unbeirrt an ihrem geldpolitischen Experiment fest.

Nach dem versöhnlichen Ausgang der Präsidentschaftswahlen im Nachbarland Frankreich und den jüngsten Wahlerfolgen der deutschen Regierungspartei hat sich die Lage an den Devisenmärkten spürbar entspannt.

So sehr, dass man bei Kepler Cheuvreux neuerdings sogar zum Leerverkauf unseres Franken rät. Was wie Musik in den Ohren unserer Währungshüter klingen dürfte, birgt allerdings ordentlich Zündstoff.

Denn der für das Cross Asset Research tätige Stratege sieht in der die jüngste Frankenschwäche gar den Anfang vom Ende der Negativzinspolitik in Europa.

In den letzten Tagen stieg der EUR/CHF zeitweise in die Nähe von 1,10 Franken (Quelle: www.cash.ch)

Im Zuge der freundlicheren wirtschaftlichen Rahmenbedingungen rechnet er schon in der zweiten Jahreshälfte mit einem weiteren Teuerungsschub. Noch seien nur die Devisenmärkte, bald aber auch die Anleihenmärkte davon betroffen, so der Stratege.

Hoffen wir mal, dass er Recht bekommt. Denn ich bleibe dabei: Negativzinsen widersprechen jeglichem gesundem wirtschaftlichem Verständnis. Dass Schuldner - darunter die hochverschuldete öffentliche Hand - von den Gläubigern sogar noch fürs Geldaufnehmen bezahlt werden, sorgt für verheerende Fehlanreize. Auch bei der Vorsorge zahlen die zukünftigen Generationen die Zeche. Après moi le déluge - etwas anderes kennt man von der Politik ja auch gar nicht.

Je früher die SNB und andere Zentralbanken ihr selbstmörderisches geldpolitisches Experiment beenden, desto besser.

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Ausgerechnet in einem mir aus London zugespielten Strategiepapier kommunizieren die für Schweizer Nebenwerte verantwortlichen Autoren der Credit Suisse ihre Schlüsselempfehlungen.

Was gleich auf den ersten Blick auffällt: Mit Bucher ringen sich die Analysten zu gerademal einer Verkaufsempfehlung durch. In Erwartung zukünftiger Enttäuschungen werden die Aktien des Herstellers von Landmaschinen und Gemeindefahrzeugen mit "Underperform" eingestuft. Selbst nach der Erhöhung des Kursziels auf 270 (bisher: 240) Franken errechnet sich ein Abwärtspotenzial von 15 Prozent.

Platz machen müssen die Valoren von Leonteq und Flughafen Zürich. In beiden Fällen lautet das Anlageurteil zwar noch immer "Underperform". So richtig viel Überzeugung lässt sich allerdings nicht dahinter vermuten, haben zuletzt doch beide Aktien gut im Markt gelegen. Beim Flughafen Zürich half das stark wachsende Passagieraufkommen, bei Leonteq liess der Einstieg des Hedgefonds-Pioniers Rainer-Marc Frey die Leerverkäufer zum Rückzug blasen.

Doch auch bei den Kaufempfehlungen bleibt kein Stein auf dem anderen. Für Beobachter überraschend werden die Aktien der SFS Group von "Neutral" auf "Outperform" heraufgestuft und mit einem Kursziel von 120 (bisher: 79) Franken auf die Empfehlungsliste gesetzt. Die klare Ausrichtung auf schnell wachsende Absatzmärkte lassen die Autoren des Strategiepapiers ihre Gewinnschätzungen um bis zu 20 Prozent nach oben nehmen.

Die SFS-Aktien (rot) lassen den SPI (grün) im 12-Monats-Vergleich weit hinter sich zurück (Quelle: www.cash.ch)

Wieder auf der Liste zu finden sind die Valoren von Ypsomed. Die stolze Bewertung des Herstellers von Insulinpumpen hält die Analysten jedoch nicht davon ab, das Kursziel auf 245 (bisher: 215) Franken nachzuziehen. Auch bei den dividendenstarken Aktien der Cembra Money Bank wird das Kursziel erhöht. Es lautet neu 98 (bisher: 95) Franken.

Die Papiere des Sensorenherstellers AMS, des Vermögensverwalters EFG International, des Industriekonzerns OC Oerlikon sowie jene des Hörgeräteherstellers Sonova werden von der Liste gestrichen. EFG International musste erst kürzlich Probleme mit den italienischen Behörden einräumen. Sonova wiederum wartete gestern mit eher vorsichtigen Zielvorgaben für die nächsten 12 Monate auf.

Gut zwei Wochen ist es her, dass die in London niedergelassenen Aktienstrategen der Credit Suisse ihre finanzkräftige Kundschaft zum Zukauf europäischer Nebenwerte anhielten. Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen seien geradezu ideal für kleine und mittelgrosse Unternehmen, so die Begründung (siehe Kolumne vom 4. Mai).

Meines Erachtens ist die Frage ist nicht ob, sondern viel eher wann die Nebenwerteblase platzt und für viele Anleger in Tränen endet. Vermutlich haben sich bis dahin aber die meisten ausländischen Grossinvestoren bereits wieder durch die Hintertür verabschiedet...

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