Das sagen US-Grossinvestoren zum Kursrückschlag

US-Grossinvestoren äussern sich erstmals zum Einbruch an den Weltbörsen – Julius Bär rechnet mit einem gegenüber dem Franken höheren Euro - Und: Barry Callebaut im Stimmungstief.
25.06.2013 12:30
cash Insider
Das sagen US-Grossinvestoren zum Kursrückschlag

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Wie nach jeder Feier ist an den Aktienmärkten rund um den Globus Ernüchterung eingekehrt. Für Nervosität sorgt die von der US-Notenbank signalisierte Drosselung des Rückkaufprogramms für amerikanische Staatsanleihen und verbriefte Hypotheken einerseits und die Angst vor einer harten Landung der chinesischen Wirtschaft andererseits. Weltweit fassen sich die Marktakteure deshalb fassungslos an den Hinterkopf.

Umso überraschender ist, was mir aus Übersee berichtet wird. Allem Anschein nach nehmen amerikanische Institutionelle den jüngsten Einbruch an den Weltbörsen bisher ziemlich gelassen.

Bestätigt werden die Berichte von einem mir zugespielten Kommentar aus dem Handel von Merrill Lynch. Dem Kommentar entnehme ich, dass einige der grössten Institutionellen in Übersee über die kommenden Wochen mit einer Stabilisierung am Heimmarkt rechnen. Am breit gefassten S&P-500-Index gemessen werde sich der amerikanische Aktienmarkt zwischen 1575 und 1650 Punkten einpendeln und bis Ende Jahr auf neue Höchststände ansteigen.

Das Hauptaugenmerk verlagere sich immer mehr auf die anlaufende Berichterstattung amerikanischer Unternehmen für das zweite Quartal. Dem für Merrill Lynch tätigen Verfasser zufolge rechnen die befragten Grosskunden bei der Gewinnentwicklung mit einer wenn auch nur geringfügig positiven Überraschung.

Zudem werde China als der grössere Unsicherheitsfaktor als eine weniger expansive US-Notenbank beurteilt. Dasselbe gelte für die noch immer besorgniserregende Situation in Europa. Mit dem jüngsten Rückgang nehme der S&P-500-Index nicht nur ein vorzeitiges Ende des Rückkaufprogramms für amerikanische Staatsanleihen und verbriefte Hypotheken, sondern auch eine Zinserhöhung noch in diesem Jahr vorweg.

Den institutionellen Grosskunden von Merrill Lynch zufolge werde die Situation am Heimmarkt erst dann ungemütlich, wenn die Rendite der 10-jährigen Staatsanleihen auf 3,5 Prozent steige. Selbst nach dem jüngsten Anstieg auf 2,5 Prozent decke sich die Rendite mit den Konjunkturmodellen. Der Zinsanstieg werde daher aufgebauscht, so der Tenor.

Dass die amerikanischen Institutionellen so besonnen reagieren, ist aus Schweizer Sicht zu begrüssen. Allerdings lässt sich nicht abschliessend sagen, ob die Grosskunden von Merrill Lynch das Gesagte auch wirklich leben. Denn auch gestern Nachmittag wurde mir aus dem Handel wieder davon berichtet, dass angelsächsische Grossinvestoren hierzulande als Verkäufer in Erscheinung traten. Dies insbesondere bei Aktien von Unternehmen mit einem hohen Ergebnisbeitrag aus den Schwellenländern. Um mehr als ein reines Lippenbekenntnis handelt es sich bei den gegenüber Merrill Lynch gemachten Aussagen deshalb wohl nicht.

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Der Hauptsitz der Schweizerischen Nationalbank in Bern befindet sich schon seit Tagen im Ausnahmezustand. Sorge bereiten unseren Währungshütern vor allem die jüngsten Ereignisse in China. Das exzessive Kreditwachstum der letzten Jahre fordert vom dortigen Bankensystem zunehmend Tribut.

Zwar versuchten die Vertreter der Bank of China heute morgen die Gemüter zu beruhigen und die Situation herunter zu reden. Allerdings mit eher mässigem Erfolg: Die Berichte von faulen Krediten in dreistelliger Milliardenhöhe und die damit verbundene Angst wollen nicht abreissen.

Den Verantwortlichen der Schweizerischen Nationalbank dürften die Probleme im Reich der Mitte so gar nicht ins Konzept passen, hat sich der Franken zuletzt doch wieder deutlich gefestigt.

Entwarnung geben allerdings die Strategen von Julius Bär. In einem Kommentar halten sie an ihrer Prognose fest, wonach der Euro sich längerfristig in Richtung von 1,30 Franken bewegen sollte. Solange sich die Situation in China nicht entspannt, bleibt diese Prognose jedoch vor allem eines: Reines Wunschdenken.

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Selten wurde in unseren Landen eine Firmentransaktion kritischer beurteilt als die Übernahme des Schokoladegeschäfts von Petra Foods durch Barry Callebaut. Mittlerweile beschränkt sich die Kritik nicht nur mehr auf den stolzen Kaufpreis von 950 Millionen Dollar.

Auch die Refinanzierung der Firmentransaktion wirft zahlreiche Fragen auf. Zwar partizipierte die Jacobs Holding als Mehrheitsaktionärin an der vor wenigen Wochen durchgeführten Kapitalerhöhung im Gegenwert von umgerechnet 300 Millionen Dollar. Einer Offenlegungsmeldung an die Schweizer Börse SIX lässt sich allerdings entnehmen, dass die beiden Grossaktionäre Nicolas Jacobs und Nathalie Jacobs kein zusätzliches Kapital nachschiessen wollten.

Und auch die parallel dazu platzierte Anleihe in der Grössenordnung von 400 Millionen Dollar kommt Barry Callebaut teurer als befürchtet zu stehen, lag der Zinscoupons doch deutlich über dem, was in Analystenkreisen erwartet wurde.

Kommende Woche wird das in Zürich niedergelassene Unternehmen die Umsatzzahlen für die ersten neun Monate des Geschäftsjahres 2012/13 veröffentlichen. Aufgrund der in Zukunft höheren Finanzierungskosten und der schon seit Monaten eher verhaltenen Entwicklung der von Petra Foods übernommenen Geschäftsaktivitäten könnten die Firmenverantwortlichen bei den Prognosen zu Anpassungen gezwungen sein.