Das sind die neuen Zugpferde bei den Nebenwerten

Der cash Insider über Temenos, Sika und andere Überflieger bei den Aktien kleiner und mittelgrosser Unternehmen aus der Schweiz.
14.02.2017 12:30
cash Insider
Das sind die neuen Zugpferde bei den Nebenwerten
Bild: fotolia.com

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Die Rekordjagd am amerikanischen Aktienmarkt lässt auch die hiesigen Anleger neuen Mut schöpfen. Anders als die Aktienindizes in New York konnte der breit gefasste Swiss Performance Index (SPI) bei uns allerdings noch immer nicht an die Rekorde aus dem letzten Sommer anknüpfen.

Als bremsend erweisen sich - wie könnte es auch anders sein - die drei Indexschwergewichte Nestlé, Roche und Novartis. Angesicht der sich aufhellenden wirtschaftlichen Rahmenbedingungen bleiben ihre defensiven Qualitäten ungefragt. Auch die bestenfalls durchwachsenen Jahresergebnisse brachten nicht die erhofften Kursimpulse.

Goldgräberstimmung herrscht hingegen bei den Nebenwerten. Es vergeht kaum ein Tag, ohne dass die beiden Unterindizes für kleine und mittelgrosse Unternehmen frische Höchststände erklimmen. Schon seit Wochen herrscht in diesem Titelsegment wieder Goldgräberstimmung.

Die Zugpferde sind jedoch nicht mehr dieselben wie noch vor wenigen Wochen.

Geld liess sich in den vergangenen Tagen vor allem mit den Aktien des Sensorenherstellers AMS verdienen. Zwar kann der am Montag vor einer Woche veröffentlichte Zahlenkranz die Analystenerwartungen nur knapp erfüllen. Den Aussagen zur Absatzentwicklung bei Heptagon wird allerdings ein grösseres Gewicht beigemessen. Mit der verstummenden Kritik an der teuer erkauften Übernahme fällt ein wichtiges Argument der Leerverkäufer weg, weshalb diese reihenweise das Handtuch werfen. Händlern zufolge laufen mittlerweile kaum noch Wetten gegen AMS (siehe Kolumne vom 9. Februar).

Auch die Inhaberaktien von Sika treffen den Nerv der Zeit. Der Baustoffhersteller aus Baar hat in den letzten Jahren so ziemlich alles richtig gemacht. In die Negativschlagzeilen geriet das Unternehmen, weil die Familienaktionäre ihre Mehrheitsbeteiligung an Saint Gobain verkaufen will. Dem versucht der Verwaltungsrat mit einer Stimmrechtsbeschränkung entgegenzuhalten, was vor Gericht angefochten wird. Allerdings glauben immer weniger Beobachter an einen Verkauf der Mehrheitsbeteiligung nach Frankreich.

Die Aktien von Temenos (rot), Sika (grün) und Partners Group (violett) im Höhenflug; Quelle: www.cash.ch

Wie Sika im letzten Jahr beim Umsatz abgeschnitten hat, ist bereits bekannt. Am übernächsten Freitag informieren die Zentralschweizer dann auch noch über die Gewinnentwicklung. Im Vorfeld davon sorgte jüngst der Vontobel-Analyst für Aufsehen. Er hob das Kursziel auf 6100 (bisher 5550) Franken an und bekräftigte seine Kaufempfehlung. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 22 für das laufende Jahr sind die auf dem höchsten Stand in der Firmengeschichte stehenden Aktien kein Schnäppchen mehr.

Grund zur Freude haben in diesen Tagen auch die Blochers: Ihre Ems-Chemie schnitt im letzten Jahr deutlich besser ab als Analysten erwartet hatten. Und als ob das nicht schon genug Schmach für die Zweifler wäre, legte der Spezialitätenchemiehersteller gleich noch mit einem überzeugenden Ausblick nach. Wie mir Händler berichten, stehen die stolz bewerteten Aktien der Ems-Chemie gerade bei hiesigen Fondsmanagern hoch im Kurs.

Ähnliches wird Temenos nachgesagt. Obwohl sich der Börsenwert des Bankensoftwareherstellers aus Genf in den letzten fünf Jahren nahezu versiebenfacht hat, kratzen dessen Papiere schon seit Tagen an den bisherigen Bestmarken. Heute nach Handelsende wird Temenos den Zahlenkranz vorlegen. Analysten sind sich einig: Das Schlussquartal kann sich sehen lassen.

Seit wenigen Tagen wird Temenos gerüchteweise eine milliardenschwere Firmenübernahme in Übersee nachgesagt (siehe Kolumne vom 10. Februar). Ohne eine Kapitalerhöhung wäre ein solches Abenteuer finanziell aber kaum zu stemmen.

Genauso beliebt und nicht weniger erfolgreich ist die Partners Group. Der Renditedruck institutioneller Grossinvestoren lässt beim Anbieter von Private-Equity-Gefässen kräftig die Kasse klingeln. Sollten die Aktien ausserplanmässig für jene von Actelion in den Swiss Leaders Index (SLI) aufsteigen, wird indexorientierten Marktakteuren die stolze Bewertung ziemlich egal sein (siehe Kolumne vom 26. Januar).

Neue Höchstkurse erklimmen im Zuge überzeugender Jahresergebnisse auch die Papiere der beiden Schraubenhersteller Bossard und SFS Group sowie jene des Halbleiterzulieferers Comet. Von ihrer Grösse her darf hier allerdings nicht von Zugpferden gesprochen werden.

Mir ist durchaus bewusst, dass Trends an den Aktienmärkten für gewöhnlich länger als gedacht dauern. Dennoch lässt sich das Kurs- und Bewertungsniveau vieler Nebenwerte nach dem Höhenflug der letzten Jahre kaum noch rechtfertigen. Einer meiner Leser verglich das Börsengeschehen einst mit einer guten Party: Kommen Sie nicht zu spät und verabschieden Sie sich rechtzeitig!
 

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