An der Börse in New York - Auf diese Schweizer Firmen haben es Leerverkäufer abgesehen

Der cash Insider verrät, gegen welche Schweizer Unternehmen in New York grosse Wetten laufen. Ausserdem berichtet er von auffälligen Deckungskäufen im Vorfeld des Einstiegs von Third Point bei Nestlé.
28.06.2017 12:30
cash Insider
Auf diese Schweizer Firmen haben es Leerverkäufer abgesehen
Bild: fotolia.com

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Das Bankgeheimnis ist gefallen - und doch gelten wir Schweizer im Ausland noch immer als verschwiegen. Insbesondere den ausländischen Leerverkäufern spielt diese Verschwiegenheit ziemlich in die Hände.

Denn während die Börsenbetreiber in New York die Öffentlichkeit alle zwei Wochen über die laufenden Wetten gegen die dort gehandelten Aktien informieren, will die Schweizer Börse SIX partout nichts von solchen Leerverkaufsstatistiken wissen.

Längst sind findige Beratungsunternehmen wie Markit in diese Lücke vorgestossen. Diese Anbieter wollen für ihre von der Wertpapierleihe abgeleiteten Erhebungen allerdings Geld sehen - und das nicht zu knapp. So bleiben die Statistiken den gutbetuchten Grossinvestoren vorbehalten. Das Nachsehen haben einmal mehr kleinere Privatanleger.

Ihnen bleibt gar nicht viel anderes übrig, als alle zwei Wochen über den grossen Teich zu schauen. Schliesslich gehört es auch für Schweizer Grosskonzerne zum guten Ton, an der Börse in New York mit einem sogenannten American Deposit Receipt vertreten zu sein.

Wie die jüngsten Statistiken verraten, haben es amerikanische Leerverkäufer insbesondere auf Swatch Group und Logitech abgesehen. Innerhalb von gerademal zwei Wochen wurden die Wetten gegen den bekannten Luxusgüterhersteller aus Biel um 13 Prozent auf fast 1,8 Millionen Aktien erhöht. Das wiederum entspricht dort ziemlich genau zehn durchschnittlichen Tagesvolumen. Mit 8 Millionen American Deposit Receipts laufen gegen den in Lausanne beheimateten Erfinder der Computermaus gar Wetten im Umfang von 17 durchschnittlichen Tagesvolumen, was gegenüber der letzten Erhebung vor zwei Wochen einer Zunahme um 8 Prozent entspricht.

Mit 9 Millionen Aktien setzen amerikanische Leerverkäufer bei der Credit Suisse auf eine rückläufige Kursentwicklung. Das sind satte 30 Prozent mehr als noch vor vierzehn Tagen. Wer nun denkt, dass es die Marktakteure in New York auch auf die UBS abgesehen haben, der irrt. Den Statistiken zufolge gingen die Wetten gegen die grössere der beiden Schweizer Grossbanken um 4 Prozent auf gut 3,5 Millionen American Deposit Receipts zurück.

Aktien der Credit Suisse (rot) im Vergleich mit den ADRs (grün) (Quelle: www.cash.ch)

Angetan haben es den Leerverkäufern die Genussscheine von Roche. Nach dem jüngsten Rückschlag mit dem Brustkrebsmedikament Perjeta (siehe Artikel vom 6. Juni) scheint man in New York Blut zu wittern. Innerhalb von gerademal zwei Wochen schwollen die Wetten gegen den Pharma- und Diagnostikkonzern aus Basel von 850'000 auf 2,15 Millionen American Deposit Receipts an.

Austoben können sich die Marktakteure auch bei ABB. Dem Industriekonzern aus Zürich droht ein Übernahmekampf um die indische Larsen & Toubro. Angeblich buhlen auch die Rivalen Siemens, Schneider Electric und Eaton um die zum Verkauf stehenden Geschäftsaktivitäten.

Genussscheine von Roche (rot) im Gleichschritt mit den ADRs (grün) (Quelle: www.cash.ch)

Dass in New York mit 4,8 Millionen Aktien gegen ABB spekuliert wird, lässt sich aber auch damit erklären, dass den bei uns gehandelten Papieren der Ausbruch aus dem mehrjährigen Seitwärtstrend noch nicht abschliessend gelungen ist.

Erwähnenswert sind an dieser Stelle die aggressiven Deckungskäufe im Vorfeld des Einstiegs von Third Point bei Nestlé (siehe gestrige Kolumne). Innerhalb von vierzehn Tagen wurden nicht weniger als 80 Prozent der Wetten gegen die in New York gehandelten Aktien des Nahrungsmittelkonzerns geschlossen. Es macht ganz den Anschein, als ob für die dortigen Marktakteure die Beteiligungsnahme durch den für seine aktive Einflussnahme bei Unternehmen bekannte Hedgefonds des amerikanischen Milliardärs Dan Loeb nicht überraschend kommt. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

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