«Die Aktien-Hausse gewinnt an Breite»

Ein viel beachteter Stratege sieht die Aktienmärkte rund um den Globus Fahrt aufnehmen - Und: Syngenta rücken ins Zentrum abenteuerlich anmutender Spekulationen.
20.07.2016 12:30
cash Insider
«Die Aktien-Hausse gewinnt an Breite»
Bild: fotolia.com

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Unzählige Tote nach einem feigen Terroranschlag in Nizza, noch mehr Tote und tausende Verhaftungen nach einem vereitelten Putschversuch in der Türkei - die Schreckensmeldungen wollen nicht abreissen.

Ähnlich verhält es sich in diesen Tagen bei uns auf dem Schweizer Börsenparkett. Allerdings geht es hier nicht um Menschenleben, sondern bloss um Zahlen. Ergebnisenttäuschungen wie die des Genfer Warenprüfkonzerns SGS oder die überraschende Reduktion der diesjährigen Gewinnprognose beim ehrwürdigen Basler Pharmakonzern Novartis führen uns eindrücklich vor Augen, dass die Welt auch abseits der Politik ein wenig aus den Fugen geraten ist. Darüber kann auch der ansprechende weil künstlich aufgeblähte Zahlenkranz des ebenfalls in Genf beheimateten Aromen- und Riechstoffherstellers Givaudan nicht hinwegtäuschen.

Einzig über der Börse in New York strahlt der Himmel noch in hellem Blau. Beinahe täglich erklimmt der breit gefasste S&P-500-Index wieder ein Rekordhoch, wenn auch nur in kleinen und äusserst überschaubaren Schritten. Diese zeugen denn auch von einem erbitterten Schlagabtausch zwischen den Haussiers und ihren Widersachern, den Baissiers.

Da mutet es schon fast ein bisschen komisch an, dass man bei Kepler Cheuvreux von einer "an Breite gewinnenden Aktien-Hausse" wissen will. Das zumindest schreibt der für das Cross Asset Research der Bank tätige Stratege mit Blick auf die Rekordjagd in Übersee. Seine Schlüsselbotschaft: Nur ein voll investiertes Aktienportfolio ist ein gutes Aktienportfolio.

Um dieser Meinung Nachdruck zu verleihen, reduziert er die taktischen Barmittel in seinem Musterportfolio von 3 auf 2 Prozent. Wäre das Börsengeschehen ein Pokerspiel, der Experte hätte damit quasi seinen gesamten Einsatz auf dem Tisch.

Das wiederum hat seine Gründe, erwartet er nach dem Ausbruch des S&P-500-Index einen raschen Vorstoss bis auf 2300 Punkte. Im Windschatten davon sieht er den Stoxx Europe 600 Index bis auf 360 Zähler klettern. In beiden Fällen sieht der Stratege die Börsenindizes schon gegen Ende des dritten Quartals auf die Jahresendziele steigen.

Hierzulande dürfte sich die Freude allerdings in Grenzen halten, wird der Schweizer Aktienmarkt doch nur mit "Neutral" eingestuft. Das überrascht, rät der Experte gleichzeitig nämlich zu einem Übergewicht bei den Aktien aus dem Pharma- und dem Nahrungsmittelsektor. Immerhin sind diese beim Swiss Market Index (SMI) für nicht weniger als 60 Prozent der Gesamtkapitalisierung verantwortlich.

Von einer angeblichen Börsen-Hausse ist bei uns nicht viel zu verspüren. Viele der im SMI vertretenen Standardwerte liegen um 20 oder mehr Prozent unter ihren Höchstständen, womit sie sich per Definition sogar in einer Baisse befinden. Oder um es mit anderen Worten zu sagen: Eine Rekordjagd in ein paar wenigen Nebenwerten (siehe Kolumne vom 13. Juli) macht noch lange keine Börsen-Hausse.

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Erst gestern schrieb ich an dieser Stelle von einer überraschenden Kaufempfehlung für die Aktien von Syngenta. Der für Raymond James tätige Experte bewies Mut und stufte die Valoren des Agrarchemiekonzerns aus Basel mit einem Kursziel von 453 Franken von "Market Perform" auf "Outperform" herauf (siehe gestrige Kolumne).

Die Tinte meiner Kolumne war noch nicht trocken, da wies Monsanto auch das nachgebesserte Übernahmeangebot des Rivalen Bayer als unzureichend zurück. Die Hartnäckigkeit der Amerikaner lässt Erinnerungen an den Sommer vergangenen Jahres aufkommen, als sie vergeblich um die Gunst der Basler buhlten. Auch Monsanto scheint dieses Katz- und Mausspiel bis zur Perfektion zu beherrschen. Man merke: Wenn zwei dasselbe tun, ist es noch lange nicht dasselbe.

So abenteuerlich es auch anmuten mag: Es wird im hiesigen Berufshandel nicht ausgeschlossen, dass Monsanto zu einem strategischen Befreiungsschlag ausholen und eine Gegenofferte für Syngenta vorlegen könnte. Eine solche Hochzeit hätte bei den amerikanischen Regulatoren bestimmt bessere Erfolgsaussichten. Allerdings würde damit eine sogenannte Break-Up-Fee in Höhe von 848 Millionen Dollar an ChemChina fällig.

Erst vor wenigen Wochen haben die Chinesen die Angebotsfrist verlängert. Neu läuft sie bis zum 13. September. Ob und wie viele Aktien ChemChina bislang definitiv angedient worden sind, darüber schweigt man sich aus. Eines steht dennoch fest: Das letzte Kapitel in Sachen Syngenta ist wohl noch nicht geschrieben.

 

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