Die begehrtesten Firmen der Schweiz

Mit Aktien von Übernahmekandidaten lässt sich mitunter gutes Geld verdienen. Der cash Insider verrät, um welche Unternehmen in der Schweiz angeblich gebuhlt wird.
17.11.2015 14:30
cash Insider
Die begehrtesten Firmen der Schweiz

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Aus Unternehmersicht gleicht die Welt einem Haifischbecken. Fressen oder gefressen werden, so lautet die Devise. Vor wenigen Wochen legte Dell Computer den Aktionären des Datenspeicher-Spezialisten EMC ein 67 Milliarden Dollar schweres und grösstenteils fremdfinanziertes Übernahmeangebot vor. Übertroffen werden könnte diese Hochzeit höchstens noch von Pfizer und Allergan. Angeblich befinden sich die beiden amerikanischen Pharmaunternehmen in fortgeschrittenen Verhandlungen. Werden sich die Verhandlungsführer einig, entstünde ein neuer Weltmarktführer mit einem Börsenwert von 333 Milliarden Dollar.

Durch die geballte Marketingkraft von Pfizer und Allergan würden die Karten in der Pharmaindustrie grundlegend neu gemischt und andere mächtige Mitspieler ebenfalls zu Zusammenschlüssen gezwungen.

Als attraktive Braut gilt das in Allschwil beheimatete Biotechnologieunternehmen Actelion. Im Hinblick auf den Patentablauf des umsatzstarken Medikaments Tracleer hat es mit Opsumit und Selexipag zwei vielversprechende Pfeile im Köcher.

Bislang bissen sich Interessenten aus dem Ausland bei Firmengründer Jean-Paul Clozel allerdings die Zähne aus. Selbst mit tatkräftiger Unterstützung des Hedgefonds Elliott gelang es dem finanzstarken amerikanischen Rivalen Amgen vor wenigen Jahren nicht, das um Actelion errichtete Bollwerk zu überrennen. Diese Erfahrung musste im Frühsommer dieses Jahres auch Shire machen. Damals machten Spekulationen rund um eine 18 Milliarden Franken schwere Barofferte seitens des britischen Pharmaherstellers die Runde.

Gesprächsbereitschaft signalisiert man hingegen bei Basilea. Beim ebenfalls in Basel angesiedelten Unternehmen wird unter Hochdruck an einer Zweitkotierung an der Börse in New York gearbeitet. Das erleichtert nicht nur den Zugang zu frischem Kapital, sondern auch die Suche nach neuen Vertriebspartnern. Diese Suche könnte früher oder später ein Übernahmeangebot nach sich ziehen, so sind sich Branchenkenner sicher.

Von einer "Perle" sprechen dieselben Experten auch bei Santhera. Erst kürzlich legte der kleine Pharmahersteller vielversprechende Studienergebnisse für das Schlüsselmedikament Raxone vor. Nach erfolgtem Verkaufsstart in Europa dürfte Santhera ab dem kommenden Jahr erstmals schwarze Zahlen schreiben. In einer Studie aus dem Hause RBC Capital Markets werden die Aktien mit einem Kursziel von 340 Franken zum Kauf empfohlen. Im Falle eines Übernahmeangebots aus dem Ausland hält der Verfasser sogar Kurse von über 420 Franken für möglich.

Dass selbst vor Weltmarktführern nicht haltgemacht wird, zeigt Sonova. Den in Stäfa beheimateten Hörgerätehersteller könnte dasselbe Schicksal wie zuvor Nobel Biocare ereilen, so lauteten die Spekulationen.

Allerdings ist der Traum vom Wachstum aus eigener Kraft vorerst ausgeträumt. Der Vorstoss von Sonova in den Markt für Hörimplantate ist aus Sicht der Aktionäre längst zum Albtraum geworden. Erst heute früh strich der für die UBS tätige Experte seine Schätzungen für den zukünftigen Umsatzbeitrag aus diesem Geschäftszweig um bis zu 80 Prozent zusammen.

Die Wahrscheinlichkeit, dass Sonova zu einem Teil eines grossen Firmenimperiums wie Nobel Biocare bei Danaher werden könnte, hat spürbar nachgelassen.

Angst vor einem Verkauf ins Ausland muss hingegen Syngenta haben. Nachdem der Basler Agrarchemiehersteller erst vor wenigen Wochen einen Übernahmeversuch des Rivalen Monsanto abwehren konnte, versucht nun die staatliche China National Chemical ihr Glück. Bislang nicht bestätigten Medienberichten zufolge liegt dem Verwaltungsrat ein Barangebot in Höhe von 449 Franken je Aktie vor. Darf man der Berenberg Bank Glauben schenken, dann hegt man am Hauptsitz von Syngenta in Basel aber Preisvorstellungen von mindestens 600 Franken je Aktie.

Alle Wege führen nach Rom - oder in diesen Tagen besser gesagt ins österreichische Unterpremstätten. Dort ist das Halbleiterunternehmen AMS zu Hause. Während Texas Instruments und Analog Devices in Übersee um Maxim Integrated Products buhlen, befindet sich der Rivale Dialog Semiconductor in Übernahmeverhandlungen mit dem Sensorhersteller Atmel. Diese gestalten sich allerdings schwierig, leisten doch einige Aktionäre um den Hedgefonds Elliott erbitterten Widerstand gegen die Hochzeit.

Sollte Dialog Semiconductor bei Atmel abblitzen, könnte der Rivale auf AMS ausweichen, so entnehme ich einem Kommentar aus dem Handel der MainFirst Bank. Schon einmal führten die beiden Unternehmen Sondierungsgespräche rund um einen Zusammenschluss. Diese scheiterten damals allerdings an zu unterschiedlichen Preisvorstellungen. Doch auch Analog Devices oder Texas Instruments kämen als Käufer für AMS in Frage.

Wie Syngenta droht auch Kuoni in chinesische Hände zu fallen. Schon seit Wochen wird auf ein Angebot aus der Volksrepublik spekuliert. In Folge dessen, dass der traditionsreiche Reiseanbieter die statutarische Stimmrechtsbeschränkung abschaffen will, präsentiert es sich ausländischen Interessenten quasi auf dem Silbertablett.

Bei der MainFirst Bank wird die Summe der einzelnen Unternehmensteile auf bis zu 330 Franken je Aktie geschätzt, was gut 40 Prozent über dem aktuellen Kurs liegt. Gut möglich, dass früher oder später Private Equity Unternehmen auf Kuoni aufmerksam werden.

Nicht mehr länger als Übernahmekandidaten müssen Lindt & Sprüngli oder Temenos herhalten. Beide Unternehmen haben in den letzten Jahren eine grundlegende Neubeurteilung durchlaufen und sind heute so stolz bewertet wie nie. Mit anderen Worten: Interessenten müssten mittlerweile wohl zu tief in die Tasche greifen.

Für die Aktienmärkte kommen die Übernahmefantasien nicht ungelegen, sind sie nach Jahren steigender Kurse doch dringend auf frische Impulse angewiesen. Ganz ohne warnende Worte möchte ich meine Kolumne allerdings nicht abschliessen. Denn die milliardenschwere Übernahme von AOL durch Time Warner läutete genauso das Ende einer langjährigen Börsen-Hausse ein wie der Kauf von ABN Amro durch die Royal Bank of Scotland. Gewisse Parallelen von damals zu heute sind nicht von der Hand zu weisen.
 

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