«Die SNB hat keinen Grund mehr zu intervenieren»

ABN Amro, eine der führenden Banken im Devisenhandel, stellt die Devisenkäufe der Schweizerischen Nationalbank in Frage - Und: Ist die strategische Neuausrichtung der UBS bloss ein Lippenbekenntnis?
12.09.2016 12:30
cash Insider
«Die SNB hat keinen Grund mehr zu intervenieren»
Bild: fotolia.com

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Am vergangenen Mittwoch musste die Schweizerische Nationalbank (SNB) einräumen, dass die Fremdwährungsreserven im August noch einmal kräftig gestiegen sind. Mittlerweile türmen sich umgerechnet knapp 627 Milliarden Franken in ihrer Bilanz - 11 Milliarden Franken mehr als noch ein Monat zuvor.

Man kann von Glück reden, dass tags darauf nicht noch etliche Milliarden hinzukamen. Denn wer weiss was gewesen wäre, hätte die Europäische Zentralbank (EZB) am Donnerstag ein weiteres Kapitel in der Politik des billigen Geldes geöffnet. Für einmal scheint die Vernunft gesiegt zu haben. Es bleibt alles wie gehabt - fürs erste jedenfalls.

Geizten in der Vergangenheit vor allem die Währungsstrategen der Commerzbank nicht mit Kritik an der SNB, so stellt nun auch die für ABN Amro tätige Kollegin die hiesige Geldpolitik in Frage. Das wiederum hat insofern Gewicht, als dass ihre Arbeitgeberin zu den führenden Banken im Devisenhandel zählt.

Eigentlich habe die SNB gar keinen Grund mehr zu intervenieren, so schreibt die Strategin unverblümt in einem Kommentar. Nachdem die Wirtschaftsleistung in der Schweiz im zweiten Quartal im Jahresvergleich um 2 Prozent gestiegen ist, sieht sie kaum noch Argumente für weitere Devisenkäufe - nicht zuletzt auch aufgrund der starken Entwicklung bei den Exporten. Mit anderen Worten: Die SNB sollte den Dingen freien Lauf lassen.

Vor diesem Hintergrund überrascht die Erhöhung der Euro-Prognosen auf 1,10 (bisher: 1,09) Franken per Ende 2016 und von 1,14 (bisher 1,12) Franken per Ende 2017 allerdings ein bisschen. Denn ohne Bereitschaft zu weiteren Interventionen seitens der SNB scheinen diese gar hoch gegriffen.

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Die Aktionäre der UBS dürfen aufatmen: Nachdem die Valoren der Platzrivalin Credit Suisse noch vor wenigen Wochen für weniger als 10 Franken zu haben waren, herrschte auch in der Führungsetage der grösseren der beiden Schweizer Grossbanken ziemliche Anspannung. Rückblickend erweisen sich diese Ängste glücklicherweise als unbegründet. Der Aktienkurs bewegt sich mittlerweile in einem komfortablen Abstand zum einstelligen Kursbereich.

Doch obschon den Hauptsitz der UBS nur wenige Schritte von jenem der Credit Suisse trennen, könnten die strategischen und kulturellen Unterschiede seit gut vier Jahren grösser kaum sein.

Das allerdings nur auf den ersten Blick. Denn in einem mir aus London zugespielten Kommentar wartet der für Barclays Capital tätige Bankenanalyst mit einer gewagten These auf. Er behauptet nämlich, dass sich die Ertragszusammensetzung der beiden Schweizer Grossbanken ähnlicher ist als allgemein angenommen wird. Sowohl bei der UBS als auch bei der Credit Suisse seien 45 Prozent der Aktiven dem Investment Banking zuzuschreiben, die übrigen 55 Prozent hingegen dem Wealth Management, so schreibt er. Auch in Bezug auf die zu erwartende Eigenkapitalrendite dieser beiden Geschäftszweige geht der Experte von ähnlichen Annahmen aus.

Auch wenn er es nicht wortwörtlich so schreibt, so lässt der Verfasser des Kommentars zumindest durchblicken, dass es sich bei der vor vier Jahren angekündigten strategischen Neuausrichtung der UBS um ein Lippenbekenntnis handelt.

Seinen Berechnungen zufolge kommt die UBS im Wealth Management, der Paradedisziplin der Schweizer Grossbank, mit einer geringeren Kapitalbindung als die Credit Suisse und andere Rivalen aus. Folglich wähnt er die grössere der beiden Schweizer Grossbanken vor Anpassungen bei der strategischen Planung. In diesem Zusammenhang traut der Analyst ihr durchaus eine Steigerung der bereinigten Eigenkapitalrendite auf über 15 Prozent zu.

Ich selber würde nicht ganz so hart mit der UBS und ihren Entscheidungsträgern ins Gericht gehen. Es mag zwar stimmen, dass sich die beiden Schweizer Grossbanken zumindest in Bezug auf die dem Investment Banking zurechenbaren Aktiven recht ähnlich sind. Allerdings stellt sich dann aber die Frage, in welchen Teilbereichen diese tätig sind. Diesbezüglich kommt das Geschäftsmodell der UBS sehr viel kompakter und durchdachter daher als jenes anderer Rivalinnen. Dennoch teile ich die Ansicht, dass strategische Feinjustierungen nicht schaden könnten.

Denn noch immer sind die Aktien der UBS bloss ein Schatten ihrer selbst. Nicht weniger als 80 Prozent trennen sie von den Höchstkursen vom Frühsommer 2007, und auch seit Jahresbeginn resultiert weiterhin ein sattes Minus von gut 25 Prozent.

Einst hoch in der Gunst der Analysten anderer Banken, empfiehlt heute nicht einmal mehr jeder zweite Experte die Aktien zum Kauf. Einer der wenigen ist eben jener von Barclays Capital. Er stuft die Papiere unbeirrt mit "Overweight" und einem Kursziel von 17 Franken ein.

 

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