«Die SNB kann einem schon fast leidtun»

Die Commerzbank bezeichnet die Aufhebung des Euro-Mindestkurses durch die Schweizerische Nationalbank als kostspieligen Fehler - Und: Steht Meyer Burger vor einer Bilanzsanierung?
19.08.2016 12:30
cash Insider
«Die SNB kann einem schon fast leidtun»
Bild: fotolia.com

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Ende Juli hielt unsere Schweizerische Nationalbank (SNB) Fremdwährungsreserven im Gegenwert von 615 Milliarden Franken in den Büchern. Ob sich für Thomas Jordan und seine Kollegen aus dem Direktorium da nachts noch gut schlafen lässt, bleibt fraglich.

Wer den Schaden hat, braucht für den Hohn nicht zu sorgen. Das wird sich womöglich auch der Währungsstratege der Commerzbank gedacht haben. Denn nur so lässt sich erklären, weshalb er in einem mir aus Frankfurt zugespielten Kommentar in den Wunden bohrt. Die SNB könne einem schon fast leidtun, lässt der Experte seine Kundschaft wissen.

Obschon sich der Euro schon seit beinahe einem Jahr zwischen 1,07 und 1,12 Franken bewegt, sieht er in der Aufhebung des Mindestkurses vom Januar vor einem Jahr einen kostspieligen Fehler. Seine Rechnung ist genauso einfach wie einleuchtend: Wuchsen die Fremdwährungsreserven in den 18 Monaten vor dem Handtuchwurf der SNB um 72 Milliarden Franken, schwollen sie seither sogar um 127 Milliarden Franken an.

Mit anderen Worten: Selbst unter Ausklammerung möglicher Kursfluktuationen auf den Anlagen hat die Aufgabe des Mindestkurses unsere SNB mittlerweile mehr gekostet als dessen Verteidigung.

Für den Währungsstrategen steht deshalb fest, dass die laufend fortgesetzten Interventionen irgendwann ein Ende haben und die SNB auch diese Strategie aufgeben muss. Folglich warnt er beim Euro-Franken-Kurs vor nicht unbeträchtlichen Abwärtsrisiken - selbst wenn dessen Bewegungen bisweilen "langweilig" erscheinen.

Von seinen unter einem Franken liegenden Euro-Prognosen will der Experte zwar schon eine ganze Weile nichts mehr wissen. Dennoch kann er es einfach nicht seinlassen, Thomas Jordan und seinen Direktoriumskollegen verbal gegen das Schienbein zu treten.

In einem Punkt muss ich dem Währungsstrategen der Commerzbank Recht geben: Unsere SNB hat sich in den letzten Jahren auf Gedeih' und Verderb' in eine Abhängigkeit zur Europäischen Zentralbank (EZB) hineinmanövriert. Darf man gut informierten Kreisen Glauben schenken, wird diese schon in wenigen Wochen ein weiteres Kapitel in der unrühmlichen Geschichte rund um die „Politik des billigen Geldes“ öffnen. Angeblich sollen die Wertpapierkäufe auf monatlich 90 Milliarden Euro erhöht und die Laufzeit bis in den September nächsten Jahres ausgeweitet werden. Darüber hinaus ist mit einer Reduktion des Einlagesatzes für Geschäftsbanken auf minus 0,5 Prozent zu rechnen.

Der SNB bliebe wohl nichts anderes übrig, als noch einmal beherzt Fremdwährungskäufe zu tätigen und ihre Bilanz weiter aufzublähen. Mir tun Thomas Jordan und seine Direktoriumskollegen auch leid - allerdings ist das nicht sarkastisch gemeint.

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Am Mittwoch legte Meyer Burger einen insgesamt ziemlich ansprechenden Zahlenkranz vor. Der Umsatz zog in der ersten Jahreshälfte kräftig an und so schrieb das Solarzulieferunternehmen aus dem bernischen Gwatt auf operativer Ebene (EBITDA) zum ersten Mal seit einer gefühlten Ewigkeit endlich wieder schwarze Zahlen.

"Alter Wein in neuen Schläuchen", so lasse ich mir von Händlern allerdings sagen. Schliesslich kommunizierte Meyer Burger schon vor Wochen den damals allerdings noch provisorischen Umsatz sowie den Auftragseingang. Und auch was die Refinanzierung der im kommenden Mai zur Rückzahlung fällig werdenden Obligationsanleihe anbetrifft, konnte noch kein Durchbruch vermeldet werden.

In die Aussage, dass das Unternehmen diesbezüglich "intensive Gespräche mit den relevanten Parteien" führe, lässt sich so einiges hinein interpretieren. So rätselt man im Aktienhandel der MainFirst Bank beispielsweise darüber, ob das auch die Anleihengläubiger miteinbeziehe. Falls dem so wäre, liesse das nämlich auf eine sich abzeichnende Bilanzsanierung schliessen.

Mit anderen Worten: Die (Anleihen-)Schulden oder Teile davon würden mit neugeschaffenen Aktien beglichen und damit Fremd- in Eigenkapital umgewandelt. Damit bliebe eine Bilanzsanierung für die bisherigen Aktionäre nicht ohne Verwässerung der Stimmen sowie der zukünftigen Gewinne.

In Anbetracht der bei weniger als 26 Prozent liegenden Eigenkapitalquote lässt sich eine weitere Kapitalerhöhung trotz besserem Geschäftsgang jedenfalls nicht kategorisch ausschliessen - selbst wenn das Unternehmen betont, dass eine Refinanzierung mittels Fremdkapital im Vordergrund steht.

Mit Blackrock, dem weltgrössten Vermögensverwalter, dem bekannten australischen Hedgefonds Platinum und dem amerikanischen Fondsgiganten Capital Group haben sich über die letzten 12 Monate nicht weniger als drei langjährige Aktionäre von Meyer Burger abgewandt. Mit Veraison ist ein neuer Investor hinzugekommen. Interessant ist allerdings, dass sich dieser nicht über die Obligations- sondern gleich über die Wandelanleihe beim Unternehmen eingekauft hat (siehe Kolumne vom 15. Juli). Diese Bilanz wiederum ist ernüchternd, spricht sie doch Bände...

 

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