«Die UBS hätte sich etwas mehr Mühe geben können»

Ein britischer Bankenanalyst wirft der UBS vor, sich auf den Lorbeeren auszuruhen - Und: Handtuchwurf der Credit Suisse bei den Aktien der Swatch Group sorgt für böses Blut.
03.08.2016 12:30
cash Insider
«Die UBS hätte sich etwas mehr Mühe geben können»
Bild: fotolia.com

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Schon seit Jahren wandeln UBS und Credit Suisse strategisch auf unterschiedlichen Pfaden. Während sich die grössere der beiden Schweizer Grossbanken aus weiten Teilen des kapitalintensiven Investment Bankings zurückgezogen hat, frönt die kleinere diesem auch weiterhin.

Zumindest aus Sicht der Aktionäre führten die beiden Pfade in den vergangenen Monaten allerdings in dieselbe Richtung: Ob ein Kursminus wie jenes von 50 Prozent bei den Aktien der Credit Suisse oder eines von 36 Prozent bei jenen der UBS - in beiden Fällen verloren Anleger seit Jahresbeginn sehr viel Geld.

Mit dem Zahlenkranz für das zweite Quartal hob sich die UBS punkto Ergebnisqualität zwar in positiver Weise von der kleineren Platzrivalin ab. Allerdings hätte sich die Schweizer Grossbank ruhig etwas mehr Mühe geben können, schreibt der für Barclays Capital tätige Analyst sichtlich enttäuscht.

So richtig scheinen ihn die im Wealth Management eingeleiteten Sparmassnahmen nicht zu überzeugen. Er fordert deshalb, dass sich die UBS im Kerngeschäft diesbezüglich noch stärker ins Zeug legt.

Wie es von offizieller Seite her heisst, wurden die Kosten bis Ende Juni bereits um 1,4 Milliarden Franken gesenkt. Was das Verhältnis der Kosten zu den Erträgen anbetrifft, machen sich bisweilen jedoch kaum Fortschritte bemerkbar.

Gleichzeitig sieht der Experte bei der Bilanzsumme nicht unbeträchtlichen Handlungsbedarf. Seines Erachtens gehört diese zurückgefahren, um der schwächeren Ertragslage gerecht zu werden.

In der Hoffnung, dass die Bruttomarge im Wealth Management die Talsohle erreicht hat, werden die Aktien der UBS bei Barclays Capital wie bis anhin mit "Overweight" und einem Kursziel von 17 Franken zum Kauf empfohlen.

Die strategische Neuausrichtung der UBS war rückblickend ein kluger Schachzug. Dank der beneidenswert soliden Eigenkapitalbasis, der weitestgehend von Altlasten gesäuberten Bilanz und der starken Stellung in der Vermögensverwaltung müssen sich der Verwaltungsrat und die Geschäftsleitung am Paradeplatz nicht mit denselben Problemen herumschlagen wie die Kollegen bei anderen Universalbanken. Dennoch wäre es unklug, sich jetzt zu sehr auf den Lorbeeren auszuruhen.

Eine erste Quittung erhält die traditionsreiche Grossbank in Form einer Aufnahme der Aktien in die Liste der zu meidenden Bankaktien bei Kepler Cheuvreux. Die Valoren ersetzen dort ausgerechnet jene von EFG International.

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Der verstorbene Nicolas Hayek senior ging hart mit den Banken ins Gericht. Der Gründer der Swatch Group war genauso bekannt wie auch berüchtigt dafür, kein Blatt vor den Mund zu nehmen. Als sein Nachfolger beim Luxusgüterkonzerns mit Sitz in Neuenburg führt Sohn Nick diese Familientradition unverblümt fort.

Gestern schoss der Puls von Nick Hayek womöglich einmal mehr in die Höhe, als die Credit Suisse die Inhaberaktien der Swatch Group von "Outperform" gleich um zwei Stufen auf "Underperform" herunterstufte. Und als ob das nicht schon genug wäre, strich sie auch gleich noch das 12-Monats-Kursziel auf 230 (340) Franken zusammen.

Der für die Schweizer Grossbank tätige Analyst zeigt sich besorgt, dass sich der Luxusgüterkonzern der Realität versperrt und weder bei den Kosten, noch bei der Produktion auf die Bremse tritt.

Gerade was die Entwicklung der Lagerbestände anbetrifft, so muss ich dem Experten der Credit Suisse wohl oder übel Recht geben. Mittlerweile entsprechen diese fast dem für dieses Jahr erwarteten Nettoumsatz. Früher oder später drohen hier wohl schmerzhafte Bilanzbereinigungen.

Dennoch dürfte der überraschende Handtuchwurf der Credit Suisse von gestern womöglich nicht nur am Hauptsitz der Swatch Group, sondern auch bei der Kundschaft für böses Blut sorgen. Schliesslich werden ihnen die Inhaberaktien schon seit Mitte Mai letzten Jahres unentwegt zum Kauf angepriesen. Galten die Papiere damals knapp 400 Franken, so sind es heute weniger als 250 Franken.

 

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