Die UBS verrät, was ihre Kunden vom Aktienjahr 2017 erwarten

Die UBS liefert im Hinblick auf das Aktienjahr 2017 interessante Einblicke - das Geschäftsmodell von Nestlé kommt auch heute schon gut an - Und: Droht ABB eine längere Auftragsflaute?
16.12.2016 12:30
cash Insider
Die UBS verrät, was ihre Kunden vom Aktienjahr 2017 erwarten
Bild: fotolia.com

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Schon seit Wochen legt eine Bank nach der anderen ihren Ausblick für das Aktienjahr 2017 vor. Als eine der ersten liess sich die UBS in Bezug auf ihre Prognosen für das kommende Jahr schon Mitte November in die Karten blicken.

Das scheint der Schweizer Grossbank allerdings nicht genug. Nachdem die für sie tätigen Strategen nicht weniger als acht verschiedene Länder bereist und sich den Fragen ihrer Kundschaft gestellt haben, liefern sie interessante Einblicke in deren Erwartungshaltung:

Gewinnwachstum: Nur 14 Prozent der auf der Reise befragten UBS-Kunden sehen die Unternehmensgewinne in Europa im kommenden Jahr um 10 oder mehr Prozent steigen. Die Strategen selbst gehen von einem Gewinnwachstum von 8 Prozent aus, was weit unter den Konsensschätzungen von 13,5 Prozent liegt. Nach der Gewinnflaute der vergangenen sechs Jahre ist diese Skepsis sehr gut nachvollziehbar.

Beste Aktienregion: 37 Prozent der Befragten trauen europäischen Aktien das grösste Kurspotenzial zu. 29 Prozent wähnen dieses in den Schwellenländern und gerademal 12 Prozent erwarten, dass die Leitbörse in New York die Nase vorn haben wird.

Beste Aktiensektoren: Die Bankaktien können ihre Aussenseiterrolle ablegen, setzen im Hinblick auf das kommende Jahr doch 41 Prozent der Kunden auf dieses lange vernachlässigte Titelsegment. Immerhin 22 Prozent sehen Aktien aus dem Energiesektor die Gewinnerliste anführen, verglichen mit gerademal 2 Prozent, welche sich für Aktien aus dem Nahrungsmittelsektor aussprechen.

Entwicklung des Stoxx 600 Index (rot) im Vergleich zum Swiss Performance Index (grün); Quelle: www.cash.ch

Gefahren: Als mögliche Gefahrenherde für die Aktienmärkte werden neben den politischen Entwicklungen auch die hohe Staatsverschuldung, die möglicherweise restriktivere Geldpolitik sowie die Probleme im europäischen Bankensektor genannt. Letzteres widerspricht meines Erachtens allerdings so ziemlich den Branchenpräferenzen.

Interessant ist auch: Die Strategen der UBS trauen dem breit gefassten Stoxx Europe 600 Index bis Ende 2017 einen Vorstoss auf 360 Punkte zu. Was vor vier Wochen unter Miteinbezug der zu erwartenden Dividenden noch einer rechnerischen Rendite von knapp 10 Prozent entsprach, ist nach der vorgezogenen Jahresendrally auf wenige Prozent zusammengeschmolzen. Wie geht es von hier aus weiter, stellt sich nun die Frage...

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Wenn sich bei Nestlé schon heute etwas sagen lässt, dann dass 2017 zum Jahr der Veränderungen für den traditionsreichen Nahrungsmittelkonzern aus dem waadtländischen Vevey werden könnte. In gerademal zwei Wochen beerbt Ulf Mark Schneider den langjährigen Konzernchef Paul Bulcke, welcher seinerseits an die Spitze des Verwaltungsrats wechselt. Schneider gilt als ein profunder Kenner der Gesundheitsindustrie. In welche Richtung es bei Nestlé in Zukunft geht, lässt sich deshalb bereits erahnen.

Auf Schneider wartet bei seinem neuen Arbeitgeber kein einfaches Erbe. Das organische Umsatzwachstum hat sich über die letzten Jahre verlangsamt. Erst im Oktober sah sich der Nahrungsmittelkonzern zu einer Reduktion der diesjährigen Wachstumsprognose gezwungen. Mit den angestrebten 3,5 Prozent dürfte sich die organische Umsatzentwicklung weit unter der langfristigen Zielbandbreite nach dem sogenannten "Nestlé-Modell" von 5 bis 6 Prozent bewegen.

Umso mehr überrascht mich, in einer mir aus London zugespielten Strategiestudie von Morgan Stanley mit dem vielversprechenden Titel "die besten Geschäftsmodelle der Welt" auf den Namen Nestlé zu stossen.

Neben dem starken Markenportfolio finden die Studienautoren auch sichtlich Gefallen an der starken Marktstellung in den Schwellenländern sowie am hohen Forschungs- und Entwicklungsbudget. Punkten kann das Unternehmen aus der Westschweiz zudem mit dem Vorstoss in überdurchschnittlich stark wachsende Geschäftsfelder wie Dermatologie oder medizinische Nahrung.

Da sich die Strategen offensichtlich auf was ist und nicht auf was sein könnte abgestützt haben, könnten die Dinge bei Nestlé im Hinblick auf die Rochade an der Konzernspitze und die zu erwartenden Veränderungen im Firmenportfolio sogar noch besser werden. Soviel sei an dieser Stelle jedenfalls schon mal verraten: Ich werde diese Aktien Ende Dezember auf meine Favoritenliste für das Börsenjahr 2017 setzen.

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Die Aktien von ABB treffen den Nerv der Zeit, so sollte man eigentlich meinen können. Auch wenn der zukünftige amerikanische Präsident Donald Trump während des Wahlkampfs laut "America first" skandierte, wird er bei der Sanierung des maroden heimischen Stromnetzes nicht um die Expertise des Industriekonzerns aus Zürich herumkommen.

Seit der für Jefferies tätige Analyst am vergangenen Dienstag seinen Daumen senkte und die Papiere mit einem Kursziel von etwas mehr als 18 Franken von "Neutral" auf "Underperform" herunterstufte, ist allerdings der Wurm drin.

Kursentwicklung der ABB-Aktien im bisherigen Wochenverlauf; Quelle: www.cash.ch

Das erklärt sich damit, dass er ABB eine anhaltende Wachstumsflaute vorhersagt. Seine Befürchtung: Das organische Umsatzwachstum könnte in den nächsten zwei Jahren unter dem Zielband von jährlich 3 bis 6 Prozent zurückbleiben und die Margenentwicklung könnte in der Nähe von 11 Prozent verharren.

Während eine Belebung der Auftragslage im Stromübertragungsgeschäft noch in ferner Zukunft liegt, gilt das Interesse dem Tagesgeschäft. Womöglich wird erst die Jahresergebnispräsentation vom 3. Februar nächsten Jahres Aufschluss darüber geben, wie sich letzteres im Schlussquartal entwickelt hat.

 

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