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«Die Zeit an der Börse ist reif für Einzelwetten»

Die Citigroup hält den Zeitpunkt für Einzelwetten an der Börse für günstig - Und: Morgan Stanley nennt Schlüsselkaufempfehlungen und verrät, um welche Aktien Anleger besser einen grossen Bogen machen.
18.01.2017 12:30
cash Insider
«Die Zeit an der Börse ist reif für Einzelwetten»
Bild: fotolia.com

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Viele Anleger sind verunsichert: Nach der ausgelassenen Partylaune der ersten Januartage macht sich auch bei uns am Schweizer Aktienmarkt vermehrt Katerstimmung bemerkbar. Gut die Hälfte der Kursgewinne hat der breit gefasste Swiss Performance Index (SPI) bereits wieder eingebüsst. Mittlerweile sind sogar erste Aktien unter ihre Kursnotierungen von Ende Dezember gefallen, darunter auch diejenigen des hiesigen Indexschwergewichts Novartis.

Das Kursfeuerwerk der ersten Handelstage liesse eigentlich ein gutes Börsenjahr erwarten. Ein Blick in die Vergangenheit verrät nämlich: Waren die Vorzeichen in der ersten Januarwoche positiv, waren sie es auch knapp 12 Monate später - und umgekehrt (siehe Kolumne vom 3. Januar).

Die Aktien von Novartis notieren mittlerweile sogar unter dem Stand von Ende Dezember; Quelle: www.cash.ch

In den letzten 15 Jahren erwies sich diese Faustregel mit Ausnahme zweier Jahre als goldrichtig. Selbst als der SPI im Frühling 2008 von der Finanzkrise erfasst wurde und das Jahr mit einem satten Minus von 34 Prozent beendete, kündigten die ersten Handelstage diesen Rückschlag bereits an. Genauso im darauffolgenden Jahr, als der Schweizer Aktienmarkt erst im März Boden fand und sich der SPI im Jahresverlauf um 25 Prozent erholte.

Doch was, wenn 2017 alles ganz anders kommt? Was, wenn es sich als eines der berüchtigten, die Regel bestätigenden Ausnahmejahre erweist?

Das Handelsgeschehen am Schweizer Aktienmarkt gestalte sich so selektiv wie nie zuvor. Die Kluft zwischen den beliebtesten und den unbeliebtesten Aktien nehme immer extremere Züge an, schrieb ich gestern an dieser Stelle.

Erhebungen der für die Citigroup tätigen Strategen unterlegen dieses Gefühl nun mit harten Fakten. Eigenen Statistiken zufolge hat sich die paarweise Korrelation bei Aktien innerhalb weniger Monate von 32 auf 13 Prozent mehr als halbiert. Mit anderen Worten: Auch bei uns in der Schweiz führen immer mehr Aktien ein Eigenleben.

Folglich sei die Zeit an der Börse reif für Einzelwetten, das Umfeld geradezu ideal, so die Schlüsselbotschaft der Experten. Zu konkreten Titelempfehlungen bieten die Strategen zu meiner grossen Enttäuschung jedoch keine Hand.

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Fündig werde ich diesbezüglich bei Morgan Stanley. Die Berufskollegen beim amerikanischen Rivalen kommen in diesen Tagen mit zahlreichen Ideen auf. Letztere reichen von Qualitätsaktien über Substanzwerte bis hin zu solchen für Leerverkäufer.

In Europa machen die Experten bei nicht weniger als 83 verschiedenen Aktien günstige Einstiegsgelegenheiten aus. Gross ist die Ausbeute mit Roche, LafargeHolcim, Adecco, Aryzta und Bâloise aus Schweizer Sicht nicht. Neben den Aktien von LafargeHolcim werden bei Morgan Stanley nur gerade die Genussscheine von Roche auch wirklich mit "Overweight" zum Kauf empfohlen.

Adecco ist übrigens auch unter den Aktien zu finden, welche sich für Leerverkäufe anerbieten. Das mag damit zu tun haben, dass die Valoren des führenden Stellenvermittlers bei Morgan Stanley schon seit einer gefühlten Ewigkeit mit „Underweight“ und einem Kursziel von 47,60 Franken zum Verkauf empfohlen werden.

Die Aktien von Adecco befinden sich schon seit Tagen im Aufwind; Quelle: www.cash.ch

Die Strategen der amerikanischen Investmentbank argumentieren hier allerdings vielmehr mit dem überdurchschnittlichen Abschneiden über die letzten drei Monate bei gleichzeitig rückläufigen Gewinnerwartungen.

Die als defensiv geltenden Valoren von Barry Callebaut, Lonza Group, Galenica, Nestlé und Actelion müssen hingegen wegen ihrer rekordhohen Bewertung herhalten. Wie wir alle wissen, steckt Actelion allerdings in exklusiven Übernahmeverhandlungen mit dem finanzkräftigen amerikanischen Gesundheitskonzern Johnson&Johnson. Mit Wetten gegen die Aktien des Pharmaherstellers aus Allschwil lässt sich deshalb nur dann Geld verdienen, wenn diese Verhandlungen scheitern oder die Transaktion kompliziert strukturiert daherkommt.

Auch bei den Valoren des Ostschweizer Bauzulieferers Arbonia halten die Strategen aus Sicht eines Leerverkäufers schlechtestenfalls eine unterdurchschnittliche Kursentwicklung, bestenfalls einen Rückschlag für möglich. Aufgrund der Dominanz von Michael Pieper sowie der ehemaligen Familienaktionäre von Looser bedarf es jedoch schon ganz schön viel Mut, gegen diese Aktien zu spekulieren.

 

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