Dies sind die «Opfer» des Börseneinbruchs

Der cash Insider über EFG, GAM, die Credit Suisse und andere Verlierer des jüngsten Kursrückschlags. Ausserdem verrät er, welche drei bekannten Substanzinvestoren ins offene Messer liefen.
17.06.2016 12:30
cash Insider
Dies sind die «Opfer» des Börseneinbruchs
Bild: fotolia.com

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Die Aktienmärkte machen keine Gefangenen, so lasse ich mir von Händlern sagen. Ein Blick auf unseren Swiss Performance Index (SPI) scheint diesen Stimmen Recht geben zu wollen. Innerhalb von gerademal zwei Wochen hat das breit gefasste Börsenbarometer um rund 7 Prozent nachgegeben.

Nicht wenige Einzelaktien haben ein Mehrfaches davon eingebüsst. Arg unter die Räder kamen insbesondere die Valoren von EFG International. Der Vermögensverwalter aus Zürich hat alleine seit Anfang Juni gut 28 Prozent an Börsenwert verloren, was auf eine unglückliche Abfolge von Ereignissen zurückzuführen ist.

So wurde die für viel Geld erworbene Banca della Svizzera Italiana, kurz BSI, nicht nur von der Finanzmarktaufsicht Finma für ihre Rolle im Manipulationsskandal rund um den malaysischen Staatsfonds gerügt, sondern auch einen Einzug unrechtmässig erzielter Gewinne im Umfang von 95 Millionen Franken gegen diese verfügt. Zudem entzogen die Kollegen in Singapur der BSI die dortige Geschäftslizenz.

Übersicht Verlierer an der Schweizer Börse im Juni:

Titel

Entwicklung im Juni

EFG International N

-27,7 Prozent

GAM N

-24,6 Prozent

Burckhardt N

-17,3 Prozent

Newron Pharma N

-17,0 Prozent

Basilea N

-14,9 Prozent

Molecular Partners N

-14,8 Prozent

Bobst Group N

-13,8 Prozent

VZ Holding N

-13,8 Prozent

Myriad Group N

-13,6 Prozent

Ariesis N

-13,6 Prozent

Leonteq N

-13,5 Prozent

Credit Suisse N

-12,6 Prozent

(Quelle: Schweizer Börse SIX)

Unangenehme Fragen müssen sich auch Braun, von Wyss & Müller gefallen lassen. Gut einen Monat nachdem sie sich mit ihrem Classic Fund bei EFG International eingekauft haben, sitzen die bekannten Substanzinvestoren bereits auf nicht-realisierten Verlusten von knapp 30 Prozent.

Dass auch eine attraktiv hohe Dividende nicht vor bösen Überraschungen schützt, stellen die renditestarken Aktien von GAM unter Beweis. Erst am Montag sah sich der Fondsanbieter aufgrund wegbrechender erfolgsabhängiger Gebühren zu einer einschneidenden Gewinnwarnung gezwungen. Die Börse reagierte unerbittlich und strafte die Valoren an diesem Tag mit einem Minus von 18 Prozent ab.

Ganz besonders unschön: Schon am Freitag trennten sich gewisse Marktakteure - offenbar in weiser Vorahnung - von ihren Aktien. Auch von auffälligen Derivatwetten auf rückläufige Kurse ist zu hören.

Mit diesen Wetten liess sich viel Geld verdienen, haben die Aktien von GAM seit Anfang Juni doch nicht weniger als 27 Prozent an Wert verloren. Umso mehr überrascht, dass heute RBC Capital Markets die geprügelten Papiere des Vermögensverwalters nachträglich von "Sector Perform" auf "Underperform" herunterstuft. Wenig aufschlussreich ist auch das neu 10 (13,50) Franken lautende Kursziel, lässt dieses doch steigende Aktiennotierungen vermuten.

Interessant ist, dass die meisten Analysten zwar ihre Gewinn- nicht aber die Dividendenschätzungen zusammengestrichen haben. Entrichtet GAM den Anteilseignern im nächsten Frühjahr erneut 0,65 Franken je Aktie, entspräche das einer überdurchschnittlich hohen Rendite von 7,1 Prozent.

Weit oben auf der Verliererliste stehen hierzulande in diesem Monat auch die um 17,6 Prozent schwächeren Valoren von Burckhardt Compression. Ein bestenfalls durchwachsenes Jahresergebnis und ein unerwartet vorsichtiger Ausblick setzten dem Hersteller von Kolbenkompressoren sichtlich zu.

Mut bewies J O Hambro Capital. Nur wenige Tage nach der Veröffentlichung des Zahlenkranzes griff der bekannte britische Substanzinvestor zu und erhöhte seine Beteiligung von 3,66 auf 5,06 Prozent. 4,38 Prozent hält der Grossaktionär in den Aktien selber, die Differenz über Derivate. So richtig ausbezahlt gemacht hat sich der Mut der Briten allerdings noch nicht. In Anbetracht der ölpreisbedingten Auftragsflaute ist Geduld gefragt.

Einen schweren Stand hatten die drei Biotechnologiewerte Newron Pharmaceuticals, Molecular Partners und Basilea. Sie alle hatten in den vergangenen zwei Wochen Kursverluste von rund 14 Prozent zu beklagen. Grund war eine von New York auf Europa überschwappende Ausverkaufswelle nach produktseitigen Rückschlägen bekannter Grosskonzerne wie Biogen Idec und Vertex Pharmaceuticals (siehe Artikel vom Donnerstag).

Zu einer Selbsthilfegruppe mit Braun, von Wyss & Müller und J O Hambro Capital kann sich Harris Associates zusammentun. Schon seit Wochen lässt der bekannte amerikanische Substanzinvestor keine Gelegenheit aus, die Aktien der Credit Suisse anzupreisen. Angeblich hält Harris Associates bei der kleineren der beiden Schweizer Grossbanken mittlerweile direkt und indirekt 8,1 Prozent der ausstehenden Aktien in den Büchern - eine ganze Menge.

Ihr Beteiligungspaket hat die Amerikaner in den letzten Wochen und Monaten viel Geld gekostet. Zweifel an der Strategie und die Angst vor milliardenschweren Rechtsfällen und einer weiteren Kapitalerhöhung haben die Aktien in den letzten Tagen auf den tiefsten Stand seit 25 Jahren tauchen lassen. Seit Anfang Juni errechnet sich ein Minus von 13 Prozent, seit Jahresbeginn sogar eines von nahezu 50 Prozent.

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) findet in ihrem gestern veröffentlichten Stabilitätsbericht denn auch klare Worte und verlangt von den beiden Schweizer Grossbanken eine weitere milliardenschwere Stärkung ihrer Eigenkapitalbasis über die Ausgabe von Hybridanleihen. Das führt zwar erst einmal zu keiner Verwässerung für die bisherigen Aktionäre, ist aber mit nicht unbeträchtlichen Zinskosten verbunden. Diese schmälern die zukünftigen Gewinne, auf welche die Credit Suisse doch so dringend angewiesen ist.

Zu allem Unglück droht nun auch noch ein Ausscheiden aus dem viel beachteten Stoxx 50 Index (siehe gestrige Kolumne). Indexbedingte Aktienverkäufe ist das letzte, was die Schweizer Grossbank derzeit gebrauchen kann.
 

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