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Nächsten Monat jährt sich die wenig ruhmreiche Publikumsöffnung von Lastminute.com zum zweiten Mal. Während sich die Altaktionäre vermutlich ins Fäustchen lachen, haben Aktionäre der ersten Stunde das Nachsehen.

Wenn wir ehrlich sind, hatte es schon der unter dem Emissionspreis liegende Einstand an der Börse angekündigt: Ursprünglich zu 48 Franken ausgegeben, sind die Aktien der ehemaligen BravoFly Rumbo Group heute nur noch ein Schatten ihrer selbst.

Am Mittwochnachmittag fielen die Papiere des Online-Reiseanbieters bei 9,24 Franken auf den tiefsten Stand in der noch jungen Firmengeschichte. Zu diesem Zeitpunkt errechnete sich ein sattes Minus von 80 Prozent gegenüber dem Emissionspreis.

Von den im Vorfeld des Börsengangs in den höchsten Tönen gelobten Wachstumsaussichten (siehe Kolumne vom September 2014) ist nicht mehr viel übrig. Der von sogenannten Metasearch-Maschinen ausgehende Wettbewerb liess diese wie ein Kartenhaus in sich zusammenbrechen. Stummer Zeuge ist die Abfolge mehrerer Umsatz- und Gewinnwarnungen der letzten Jahre. Die letzte geht übrigens auf Mitte Februar zurück.

Die Publikumsaktionäre und die damals mit dem Börsengang betrauten Banken wie die Credit Suisse, Morgan Stanley oder die UBS werden in diesem Leben wohl keine Freunde mehr. Gerade die UBS empfiehlt die Aktien von Lastminute.com bis heute zum Kauf. Nach der jüngsten Umsatzwarnung jedoch nur noch mit einem 12-Monats-Kursziel von 14,60 (22) Franken. Zum Zeitpunkt der Erstabdeckung vom 27. Mai 2014 lag dieses noch bei 52 Franken.

Auf unter 4,80 Franken dürften die Aktien vorläufig nicht fallen. Denn dort liegen gemäss der UBS die anteiligen Nettobarmittel per Ende Dezember - sofern die Barmittelverbrennung gestoppt werden konnte. Für die Publikumsaktionäre der ersten Stunde ist das vermutlich nur ein schwacher Trost.

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Schon seit Jahren geniesst die Aktienanalyse von Kepler Cheuvreux für die Schweiz einen einwandfreien Ruf. Es wurde viel Geld in die Hand genommen, und der Konkurrenz wurden ihre besten Experten abgeworben. Beispielsweise Maja Pataki von der UBS, Martin Flückiger von Helvea oder Peter Casanova von Sarasin, nur um einige zu nennen.

Bislang kommunizierte die Investment-Boutique jeweils einmal im Monat ihre Schlüsselkaufempfehlungen für den Schweizer Aktienmarkt. Das macht sie auch für den März, sagt allerdings auch gleich noch, welche Aktien Anleger derzeit besser meiden sollten. Darüber hinaus zaubern die Strategen einen sogenannten "Pair Trade" aus ihrer Schublade.

Bei den hiesigen Schlüsselkaufempfehlungen setzen die Experten auf Aktien von Unternehmen mit einem widerstandsfähigen Geschäftsmodell und nachvollziehbaren Wachstumsaussichten. Dazu zählen sie Dorma+Kaba (Umsatz- und Kostensynergien aus dem Zusammenschluss, strukturell intakte Wachstumsaussichten im Sicherheitsbereich), Helvetia (Kosteneinsparpotenzial aus der Übernahme von Nationale Suisse, kaum Prämiendruck im Kerngeschäft), SFS Group (Margenverbesserungen zu erwarten, langfristig gute Wachstumsaussichten), LafargeHolcim (Kosteneinsparpotenzial und Synergien werden unterschätzt, negative Aspekte scheinen eskomptiert), Richemont (auf das Hochpreissegment ausgerichtet, Markenschmuck ein zukünftiger Wachstumstreiber) und Metall Zug (wertgenerierendes Geschäftsmodell, hohe Nettobarmittel).

Diese Empfehlungen weisen ein durchschnittliches Aufwärtspotenzial von 29 Prozent zu den jeweiligen Kurszielen auf. Die grösste Differenz besteht bei den Papieren von LafargeHolcim mit einem Kursziel von 61 Franken und jenen von Richemont mit einem Kursziel von 95 Franken.

Gegenüber dem Vormonat nicht mehr auf der Liste zu finden sind die Valoren von ABB, Aryzta, Dufry und Forbo.

Im Gegenzug wird der Anlagekundschaft von den Aktien von Lindt & Sprüngli (hohe Erwartungen und noch höhere Bewertung) sowie von jenen von Sonova (Gewinnwachstum verlangsamt sich, andere Anbieter haben bei neuen Produkten Boden gut gemacht) abgeraten.

Beim "Pair Trade" empfehlen die Strategen zum Kauf der Papiere des Börsenneulings Sunrise Communications (Gewinnentwicklung sollte die Talsohle durchschritten haben, attraktiv hohe Dividendenrendite) und im Gegenzug zum (Leer-)Verkauf der Valoren von Swisscom (Wettbewerbsdruck im Festnetz- und Mobilfunkbereich, signifikante Bewertungsprämie).

Ich habe mir diese Empfehlungen notiert und werde Anfang April gemeinsam mit meinen Schweizer Aktienfavoriten für das Börsenjahr 2016 und den Dogs of the SMI eine Zwischenbilanz ziehen.
 

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