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Diese Analysten lagen bei Actelion ziemlich daneben

Der cash Insider verrät, welche drei Analysten während des Übernahmekampfs um Actelion gar nicht gut aussahen - wenn auch aus unterschiedlichen Gründen.
30.01.2017 12:30
cash Insider
Diese Analysten lagen bei Actelion ziemlich daneben
Bild: fotolia.com

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Als ich mich vergangenen Oktober auf die Suche nach Gründen für eine ominöse Kursschwäche bei den Aktien von Actelion machte, rechnete kaum jemand damit, dass der Pharmahersteller aus dem Baselbiet nur wenige Monate später ins Ausland verkauft werden könnte. Dennoch sprach ich mich für die im Hinblick auf den Markteintritt von Nachahmerpräparaten für das Schlüsselmedikament Tracleer aus (siehe Kolumne vom 21. Oktober).

Übernahmefantasien spielten dabei allerdings nur eine untergeordnete Rolle, hatten sich über die Jahre doch gleich mehrere finanzkräftige Rivalen wie die amerikanische Amgen oder die britische Shire die Zähne an Firmengründer Jean-Paul Clozel und seiner Frau Martine ausgebissen. Man kann den beiden Sturheit vorwerfen, nicht aber eine Sehnsucht nach dem schnellen Geld. Für die Clozels stand der Patientennutzen bei der Erforschung und Entwicklung neuartiger Wirkstoffe stets im Vordergrund. Geld war gegebenenfalls Mittel zum Zweck.

Im Oktober letzten Jahres kränkelten die Actelion-Aktien noch; Quelle: www.cash.ch

Als die Firmenvertreter von Johnson & Johnson im Laufe des Novembers an Actelion herantraten, hätten die Vorstellungen kaum unterschiedlicher sein können. Wie das Wall Street Journal zu berichten weiss, waren Jean-Paul und Martine Clozel damals alles ndere als verkaufsbereit. Die Amerikaner wiederum strebten ihrerseits eine Übernahme des gesamten Unternehmens an.

Das 280 Dollar je Aktie schwere Barangebot und die geplante Abspaltung der Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten in eine eigenständige Publikumsgesellschaft zeugen von harten Verhandlungen zwischen den beiden Parteien. Dass die 30 Milliarden Dollar teure Transaktion bei Johnson & Johnson nur marginal zum zukünftigen Umsatz- und Gewinnwachstum beitragen wird, zeigt, wie gut die Firmenvertreter von Actelion in den vergangenen Wochen verhandelt haben. Das ansehnliche Ergebnis lässt sich aber auch damit erklären, dass die Amerikaner auf geschätzte 58 Milliarden Dollar an Barmitteln zurückgreifen können. Bei knapp zwei Drittel daran handelt es sich um Auslandsvermögen.

Rückblickend werden sich einige Auguren unangenehme Fragen gefallen lassen müssen. Das gilt insbesondere für die für Barclays Capital tätige Pharmaanalystin. Sie hatte die Aktien von Actelion als einzige Vertreterin ihrer Berufsgilde bis zuletzt mit "Underweight" und einem Kursziel von 145 Franken quasi zum Verkauf empfohlen. Noch Anfang November wähnte sie sich fest im Sattel und sagte dem Unternehmen aus dem Baselbiet von einer Wachstumsflaute geprägte Jahre voraus.

Doch auch ihr Berufskollege von Standard & Poor‘s sieht alles andere als gut aus. Als sich Johnson & Johnson Mitte Dezember vorübergehend aus den Übernahmegesprächen zurückzog, sprach er kurzum eine Verkaufsempfehlung aus. Als die Amerikaner nur eine Woche später wieder an den Verhandlungstisch zurückkehrten, krebste der Experte dann allerdings wieder zurück (siehe Kolumne vom 22. Dezember). Doch damit nicht genug: Seit vergangener Woche empfiehlt er die Aktien neuerdings sogar mit einem 12-Monats-Kursziel von 280 Franken zum Kauf.

Eine gehörige Portion Feigheit vorwerfen lassen muss sich hingegen der für die Deutsche Bank tätige Analyst. Nachdem Johnson & Johnson die Gespräche Mitte Dezember abgebrochen hatte, setzte dieser seine Kaufempfehlung sowie das 195 Franken lautende Kursziel vorderhand aus. Er wolle erst wieder konkreter werden, wenn in Bezug auf die noch laufenden Verhandlungen mit einer Drittpartei Klarheit herrsche, so liess er seine Anlagekunden damals wissen (siehe Kolumne vom 15. Dezember).

Seit dem letzten Donnerstag lässt sich der Experte nun wieder in die Karten blicken. Er nimmt das vorliegende Barangebot zum Anlass, um die Aktien neu mit "Hold" und einem Kursziel von 286 Franken einzustufen.

Diese drei Beispiele tragen nicht dazu bei, den sowieso schon angeschlagenen Ruf der Berufsgruppe der Aktienanalysten zu retten – auch wenn ich mir durchaus bewusst bin, dass die Übernahmegespräche anders hätten ausgehen können...

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