Dieser Analyst erahnte das Kursfeuerwerk bei AMS

Eine mutige Kaufempfehlung für die Aktien von AMS macht sich für einen amerikanischen Analysten bezahlt - Und: Entscheidet sich die Credit Suisse in letzter Minute gegen einen Börsengang der Universalbank Schweiz?
07.02.2017 12:30
cash Insider
Dieser Analyst erahnte das Kursfeuerwerk bei AMS
Bild: fotolia.com

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Mit AMS fliegt den ausländischen Leerverkäufern heute ein weiteres beliebtes Ziel für Spekulationen um die Ohren. Die von Beobachtern erwartete Ergebnisenttäuschung bleibt aus und auch der Ausblick für das laufende Quartal liefert nicht die erhofften Argumente für tiefere Kursnotierungen.

Folglich sind die Leerverkäufer auf dem Rückzug. Aus London koordinierte aggressive Deckungskäufe bescheren den Aktien des Sensorenherstellers aus dem österreichischen Unterpremstätten ein regelrechtes Kursfeuerwerk. Schadenfreude ist halt immer noch die schönste Freude.

Grund zur Freude hat auch der Analyst von Stifel Nicolaus. Erst letzte Nacht stufte er die Aktien von AMS in einer Unternehmensstudie mit einem neu 45 (bisher 29) Franken lautenden Kursziel von "Hold" auf "Buy" herauf.

Der Kurssprung bei den Aktien von AMS kostet die Leerverkäufer viel Geld; Quelle: www.cash.ch

Nach mehreren millionenschweren Firmenübernahmen wähnt der Studienautor den Sensorenhersteller am Beginn eines frischen Produktzyklus'. In Erwartung eines Umsatzwachstums von 33 Prozent im laufenden und sogar von 43 Prozent im kommenden Jahr erachtet er das Ziel eines Jahresumsatzes von 1,3 Milliarden Euro bis in drei Jahren als durchaus realistisch.

Das überrascht, sind viele seiner Berufskollegen doch noch immer skeptisch, was dieses ziemlich ambitionierte Umsatzziel anbetrifft. Stummer Zeuge sind die weit darunter liegenden Konsensschätzungen.

Damit nicht genug: Im besten anzunehmenden Fall sieht der für Stifel Nicolaus tätige Experte die Valoren von AMS sogar auf 59 Franken steigen. Das ist der Stoff, aus dem schlaflose Leerverkäufer-Nächte sind.

Als Aktienanalyst nur wenige Stunden vor einer derart entscheidenden Ergebnisveröffentlichung eine Kaufempfehlung abzugeben, braucht einiges an Mut. Im vorliegenden Fall hat sich dieser Mut ausbezahlt gemacht - auch wenn unklar ist, ob die Kunden von Stifel Nicolas überhaupt noch rechtzeitig aufspringen konnten.

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Verstummt ist die Kritik an Konzernchef Tidjane Thiam, vergessen die mit der dünnen Eigenkapitaldecke einhergehenden Kapitalerhöhungsängste aus dem vergangenen Sommer. Den paar wenigen verbleibenden Leerverkäufern haben ihre Wetten gegen die Credit Suisse rückblickend bloss Verluste beschert.

Apropos Verlust: Nach dem milliardenschweren Vergleich mit dem amerikanischen Justizministerium muss die kleinere der beiden Schweizer Grossbanken am Dienstag in einer Woche auch für das Schlussquartal einen solchen bekanntgeben. Es gibt mittlerweile sogar Stimmen, die selbst unter Ausklammerung zusätzlicher Rückstellungen von einem Quartalsverlust wissen wollen (siehe Kolumne vom 27. Januar).

Dass die vergleichsweise magere Eigenkapitalausstattung nicht stärker auf die Aktienkursentwicklung drückt, lässt sich mit dem geplanten Börsengang der Universalbank Schweiz erklären. In diesem Zusammenhang könnten der Credit Suisse nämlich bis zu 6 Milliarden Franken zufliessen.

So ganz unumstritten ist dieser Befreiungsschlag allerdings nicht, muss doch von einer blossen Kapitalbeschaffungsmassnahme gesprochen werden. Wie bei einer Kapitalerhöhung, erkauft sich die Schweizer Grossbank das neue Kapital mit einer Verwässerung zukünftiger Gewinne.

In einem mir vorliegenden Kommentar fordert nun ausgerechnet der für die Erzrivalin UBS tätige Autor lauthals ein Überdenken dieser Pläne. Neben der Gewinnverwässerung argumentiert er auch mit den komplexen Auflagen seitens der Finma. Als Alternative zum Börsengang der Universalbank Schweiz bietet sich seines Erachtens eine reguläre Kapitalerhöhung an, ginge letztere für die Aktionäre womöglich sogar mit einer geringeren Verwässerung einher.

Deshalb stellt sich nun die Frage: Entscheidet sich die Credit Suisse in letzter Minute doch noch gegen einen Börsengang der Universalbank Schweiz?
 

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