Drei Aktien, bei denen plötzlich alles ganz anders ist

Der cash Insider sagt, weshalb Goldman Sachs die Aktien von Nestlé und die Credit Suisse jene von DKSH zum Kauf und nicht länger zum Verkauf empfehlen. Ausserdem wirft HSBC bei Sulzer das Handtuch.
14.09.2016 14:30
cash Insider
Drei Aktien, bei denen plötzlich alles ganz anders ist
Bild: fotolia.com

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"L’appétit vient en mangeant" pflegt man im französischsprachigen Raum gerne zu sagen. Ins Deutsche übersetzt heisst das so viel wie "der Appetit kommt beim Essen".

Treffender könnte man kaum beschreiben, was sich in den Aktien von Nestlé abspielt. Und das etwa, weil es sich um einen bekannten Nahrungsmittelhersteller und das erst noch mit Sitz in der französischsprachigen Schweiz handelt.

Seit bekannt ist, dass Paul Bulcke vom aus dem Gesundheitsbereich kommenden Ulf Mark Schneider an der Konzernspitze abgelöst wird, hagelt es in steigende Kurse hinein eine Kaufempfehlung nach der anderen für das als langweilig und träge verschrieene Indexschwergewicht. Unter Schneider werde sich Nestlé von margenschwachen Geschäftszweigen trennen und sich zum Gesundheitskonzern wandeln, so lautet der Tenor.

Nachdem der für Goldman Sachs tätige Analyst die Aktien nahezu zwei Jahre in Folge zum Verkauf empfohlen hat, wirft heute nun auch er entnervt das Handtuch. In einer 75-seitigen Unternehmensstudie stuft er die Papiere von "Sell" auf "Buy" herauf. Neuerdings sieht der Experte die Kursnotierungen über die nächsten zwölf Monate nicht mehr auf 65 Franken fallen, sondern gar auf 90 Franken steigen.

Auch er rechnet unter dem zukünftigen Konzernchef mit grundlegenden Veränderungen im Beteiligungsportfolio des Nahrungsmittelherstellers aus Vevey und erhofft sich dadurch sowohl eine Wachstumsbeschleunigung als auch Margenverbesserungen.

Folglich hat nur noch die Credit Suisse eine "Underperform" lautende Verkaufsempfehlung für die Valoren von Nestlé ausstehen. Allerdings handelt es sich hierbei um eine relative Einschätzung. Mit anderen Worten: Die Schweizer Grossbank stuft die Aktien anderer europäischer Rivalen als aussichtsreicher ein.

Doch auch ein für die Credit Suisse tätiger Analyst sieht sich heute bei einem bekannten Nebenwert aus der Schweiz zum "Zurückkrebsen" gezwungen. Er nimmt eine Unternehmensstudie zum Anlass, sein Anlageurteil für die Papiere von DKSH von "Underperform" auf "Outperform" zu erhöhen. Nach einer Aufwärtsrevision seiner Gewinnschätzungen um bis zu 11 Prozent beziffert er das 12-Monats-Kursziel neu auf 83 (55) Franken.

Das ist an Brisanz kaum zu überbieten: Denn noch bis vor wenigen Wochen zählten die Aktien des traditionsreichen Geschäftsdienstleistungsunternehmens bei den hiesigen Nebenwerten sogar zu den Schlüsselverkaufsempfehlungen der Schweizer Grossbank.

Dem Experten zufolge dürfte der konjunkturelle Gegenwind im Hauptmarkt Thailand spürbar nachlassen. Gleichzeitig verspricht er sich dank eines Basiseffekts eine Verbesserung der Geschäftsentwicklung.

Die Aktien von DKSH danken es der Credit Suisse am frühen Nachmittag mit einem Kurssprung um 5,9 Prozent auf 73 Franken. Wie mir Händler berichten, erwischte die Schweizer Grossbank namhafte Leerverkäufer auf dem falschen Fuss.

Nicht viel besser ergeht es jenen bei Sulzer. Ihnen macht heute die mächtige HSBC das Leben schwer. Der für die britische Grossbank tätige Analyst stuft die Aktien des Industriekonzerns aus Winterthur von "Reduce" auf "Hold" herauf. Das überrascht, lässt das auf 85 (76) Franken angehobene Kursziel doch noch immer ein Rückschlagspotenzial um knapp 15 Prozent erahnen.

Der Experte rechnet kurzfristig zwar nicht mit besseren Aussichten. Allerdings zeigt er sich zuversichtlich, dass die in der Vergangenheit eingeleiteten Restrukturierungsmassnahmen schon bald einmal Früchte tragen. Eine Verkaufsempfehlung sei deshalb nicht mehr länger angebracht, so sein abschliessendes Urteil.

Nach der Kapitulation ausländischer Leerverkäufer war klar, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis auch erste pessimistisch gestimmte Analysten das Handtuch werfen würden. Es ist kein gutes Omen für den Aktienmarkt, wenn Verkaufsempfehlungen nicht mehr länger "en vogue" sind. Schliesslich lebt die Börse geradezu von unterschiedlichen Meinungen. Käufer trifft auf Verkäufer - und umgekehrt.

 

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