Drei Analysten gegen den Rest der Welt

Mit ihren Verkaufsempfehlungen für die Aktien von LafargeHolcim und Temenos stehen drei Analysten in der Kritik - mutige Wette auf Kühne + Nagel - Und: Der aggressive Verkäufer hat bei Leonteq endlich einen Namen.
18.10.2016 12:30
cash Insider
Drei Analysten gegen den Rest der Welt
Bild: fotolia.com

Der cash Insider ist unter @cashInsider auch auf Twitter aktiv. Lesen Sie börsentäglich von weiteren brandaktuellen Beobachtungen am Schweizer Aktienmarkt.

***

Aktienanalysten werden gerne als Lemminge beschimpft. Das kommt nicht von ungefähr, lassen sich doch viele von ihnen unbeschwert mit dem Meinungsstrom treiben.
Verübeln kann man es ihnen nicht. Denn kämpft man als Experte gegen den Strom an, droht man unter Umständen sogar unterzugehen. In den vergangenen Tagen sind gleich drei Unternehmensstudien von mutigen Aktienanalysten bei mir eingegangen. Diese drei Experten haben eines gemeinsam: Sie alle liegen mit ihren Verkaufsempfehlungen bisweilen ziemlich daneben.

Gefühlt empfiehlt der für Helvea tätige Analyst die Aktien von Temenos schon seit Jahren zum Verkauf. Seit wenigen Monaten macht er dies mit einem Kursziel von 28 Franken. Unglücklicherweise klettern die Valoren der Bankensoftwareschmiede aus Genf von einem Rekordhoch zum nächsten. Erst am vergangenen Freitag wurde bei 68,90 Franken ein neues solches erreicht.

Morgen wird Temenos den Zahlenkranz für das dritte Quartal vorlegen. Dass das Unternehmen seine Jahresprognosen anheben wird, gilt als sicher. Im Ausblick auf die Ergebnisveröffentlichung sieht der Experte selber denn auch kaum Raum für eine Enttäuschung.Nicht viel besser ergeht es seinem Berufskollegen von der Berenberg Bank bei den Aktien von LafargeHolcim. In einer heute erschienenen Branchenstudie bezeichnet er die Papiere des Weltmarktführers unter den Zementherstellern weiterhin hartnäckig als Schlüsselverkaufsempfehlung. Um dem Ganzen den nötigen Nachdruck zu verleihen, lautet das Kursziel gerademal 40 Franken. Für den Experten steht fest: Die im zweiten Quartal durchgesetzten Preiserhöhungen sind nicht von Dauer.

Prominente Unterstützung erhält er dabei von den Autoren einer Branchenstudie aus dem Hause Société Générale. Auch sie berichten von Anhaltspunkten für rückläufige Absatzpreise in Schlüsselmärkten wie Brasilien oder Indonesien. Die Aktien von LafargeHolcim werden bei der französischen Grossbank ebenfalls zum Verkauf empfohlen - und das sogar mit einem Kursziel von 37 Franken.

Noch bleibt abzuwarten, ob der Zementhersteller in wenigen Wochen mit einem weiteren überzeugenden Zahlenkranz aufwarten kann. Es bedürfte wohl aber einer einschneidenden Enttäuschung, um den Aktienkurs wieder unter 50 Franken tauchen zu lassen.

***

Den Mutigen gehört die Welt. Das behauptet zumindest der Volksmund. Dass dem allerdings nicht immer so sein muss, zeigt eine gestern für die Aktien von Kühne + Nagel ausgesprochene Kaufempfehlung.

In einer Unternehmensstudie stufte der für die MainFirst Bank tätige Autor die Papiere des Transportunternehmens aus der Innerschweiz mit einem neu 150 (125) Franken lautenden Kursziel von "Neutral" auf "Outperform" herauf.

Der Experte unterstreicht in der Studie zwar, dass es sich nicht um eine Wette auf ein solides drittes Quartal handelt. Er begründet seine Kaufempfehlung viel eher mit der starken Marktstellung des Unternehmens und der Möglichkeit einer Sonderdividende oder eines gewinnverdichtenden Aktienrückkaufprogramms. Dennoch hat nach der Ergebnisenttäuschung von heute eine zwei am Rücken, wer gestern der Kaufempfehlung Folge leistete und sich Aktien von Kühne + Nagel ins Nest legte.

Entgegen den Analystenerwartungen hatte das in Schindellegi beheimatete Transportunternehmen im zurückliegenden dritten Quartal einen Gewinnrückgang zu beklagen. In den letzten Jahren führte Kühne + Nagel mehr oder weniger ein Eigenleben. Nun scheint sich im vergangenen Quartal erstmals das schwierige Branchenumfeld bemerkbar gemacht zu haben. Ob es sich dabei um einen Ausrutscher handelt, wird wohl erst das im kommenden Frühjahr zur Veröffentlichung anstehende Jahresergebnis zeigen.

Was die Fantasie einer Sonderdividende anbetrifft, so muss ich dem Verfasser der Unternehmensstudie jedoch Recht geben: Mit einer Milliarde an Barmitteln in den Büchern scheint auch mir eine solche bei Kühne + Nagel sehr wahrscheinlich. Und Vorfreude ist bekanntlich ja die schönste Freude...

***

In den vergangenen Wochen berichteten mir Händler bei den Aktien von Leonteq immer wieder, dass ein aggressiver Verkäufer in Erscheinung trete.

Seit heute hat dieser ominöse Verkäufer endlich einen Namen: Wie einer Offenlegungsmeldung an die Schweizer Börse SIX entnommen werden kann, hat der Jupiter Fund die am Anbieter von strukturierten Produkten gehaltene Beteiligung innerhalb kürzester Zeit von 9,59 auf 2,85 Prozent reduziert.

Diese Beteiligungsveränderungen wurden der SIX vom Unternehmen zwar rechtzeitig gemeldet, aufgrund der unklaren regulatorischen Sachlage aber erst jetzt der Öffentlichkeit kommuniziert. Der Grossaktionär hatte den Schwellenwert von 5 Prozent schon Anfang September, jenen von 3 Prozent rund zwei Wochen später unterschritten.

Die kommenden Tage dürften zeigen, ob der Verkaufsdruck bei den Aktien von Leonteq endlich nachlässt. Im Rahmen meiner Schweizer Aktienfavoriten für das Börsenjahr 2016 wage ich nun eine Wette auf eine kurzfristige Gegenbewegung in die Region von 57 Franken.

 

Der cash Insider nimmt Marktgerüchte sowie Strategie-, Branchen- oder Unternehmensstudien auf und interpretiert diese. Marktgerüchte werden bewusst nicht auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft. Gerüchte, Spekulationen und alles, was Händler und Marktteilnehmer interessiert, sollen rasch an die Leser weitergegeben werden. Für die Richtigkeit der Inhalte wird keine Verantwortung übernommen. Die persönliche Meinung des cash Insiders muss sich nicht mit derjenigen der cash-Redaktion decken. Der cash Insider ist selber an der Börse aktiv. Nur so kann er die für diese Art von Nachrichten notwendige Marktnähe erreichen. Die geäusserten Meinungen stellen keine Kauf- oder Verkaufsempfehlungen an die Leserschaft dar.