Drohen nun auch UBS und CS Milliardenzahlungen?

Der cash Insider geht der Frage nach, ob auch UBS und Credit Suisse milliardenschwere Vergleiche nach dem Vorbild der Deutschen Bank drohen - Und: Meyer Burger fristet ein Mauerblümchen-Dasein.
16.09.2016 12:30
cash Insider
Drohen nun auch UBS und CS Milliardenzahlungen?
Bild: fotolia.com

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Eigentlich müssten die Aktien der Credit Suisse heute von Anschlusskäufen erfasst werden. Denn wie einer Offenlegungsmeldung an die Schweizer Börse SIX zu entnehmen ist, hat die Olayan Group weiter zugekauft. Neu kontrolliert der arabische Grossaktionär 10,72 Prozent der Stimmen, gut die Hälfte davon noch immer über hochverzinste Pflichtwandelanleihen.

Aber die Anleger trennen sich heute im grossen Stil von den Aktien der kleineren der beiden Schweizer Grossbanken und bescheren diesen in der Spitze einen Tagesverlust von mehr als 4 Prozent. Die Valoren der UBS werden mit einem Minus von gut 2 Prozent abgestraft.

Der Grund: Zur Beilegung des Rechtsstreits rund um dubiose Hypothekargeschäfte fordert das amerikanische Justizministerium von der Deutschen Bank nicht weniger als 14 Milliarden Dollar. Experten hatten bei der Rivalin im Vorfeld mit einer Vergleichszahlung von höchstens 3 Milliarden Dollar gerechnet.

Es ist zwar nicht ungewöhnlich, dass die Amerikaner mit einer hohen Forderung in die Verhandlungen gehen. Dennoch lässt die im Raum stehende Summe auch für die beiden Schweizer Grossbanken nichts Gutes erahnen.

Hinter vorgehaltener Hand war bei UBS und Credit Suisse in Branchenkreisen bisweilen von Vergleichszahlungen zwischen 1 und 2 Milliarden Dollar die Rede. Spätestens seit heute steht fest: Es könnte womöglich teurer werden.

Wie dem aktuellen Quartalsbericht entnommen werden kann, hat die UBS knapp 1 Milliarde Dollar für einen Vergleich in dieser Angelegenheit zurückgestellt. Die Credit Suisse macht diesbezüglich hingegen keine konkreten Angaben. Wie ich einem Kommentar aus dem Aktienhandel der MainFirst Bank entnehme, sind die Rückstellungen bei der kleineren der beiden Schweizer Grossbanken schätzungsweise nur halb so hoch wie bei der Platzrivalin.

Die Befürchtung, dass diese Rückstellungen für einen Vergleich mit dem amerikanischen Justizministerium nicht ausreichen, ist nur allzu verständlich. Die harsche Reaktion der Börse hat auch mit dem grossen Options- und Futures-Verfall von heute zu tun. Für gewöhnlich verstärkt dieser solche Kursausschläge nämlich noch.

Dreist, sollten die Amerikaner diesem Umstand beim Zeitpunkt für die Verlautbarung ihrer Forderung Rechnung getragen haben.

Womöglich werden sich die Wogen schon kommende Woche wieder etwas glätten. Eines steht dennoch fest: Die hiesigen Anleger werden die Verhandlungen zwischen der Deutschen Bank und den amerikanischen Behörden genaustens im Auge behalten und die Aktien von UBS und Credit Suisse gegebenenfalls in Sippenhaft nehmen.

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Die Aktionäre von Meyer Burger sind nicht zu beneiden. Während die meisten an der Schweizer Börse SIX gehandelten Nebenwerte auf oder zumindest in der Nähe ihrer Höchstkurse notieren, fristen die Valoren des Solarzulieferunternehmens aus dem Bernischen Gwatt ein Mauerblümchen-Dasein.

Im Vorfeld der Halbjahresergebnispräsentation von Mitte August noch rege gefragt, machen Anleger mittlerweile wieder einen grossen Bogen um Meyer Burger. Das erklärt auch, weshalb die Kursnotierungen sich unaufhaltsam ihren langjährigen Tiefstständen bei 3,29 Franken nähern. In den vergangenen Tagen wechselten jeweils Aktien im Gegenwert von rund einer Million Franken die Hand. Gestern war es nicht einmal die Hälfte.

Man kann den Anlegern ihre Lustlosigkeit nicht verübeln. Der letzte grössere Bestellungseingang reicht beim Solarzulieferunternehmen weit in den Juli zurück. Seither waren keine weiteren millionenschweren Aufträge mehr zu verbuchen und auch die Refinanzierungsfrage im Hinblick auf die kommenden Mai fällig werdende Obligationsanleihe steht noch immer im Raum.

Es gibt Anhaltspunkte dafür, dass die mit der Lösung dieses Problems beauftragte Bank Rothschild im Sommer bereits einen Investor an der Angel hatte, dieser dann aber in letzter Minute abgesprungen ist. Eine weitere Kapitalerhöhung ist deshalb nicht auszuschliessen (siehe Kolumne vom 26. August).

Nervosität herrscht in dieser Sache allem Anschein nach zwar nicht. Allerdings scheinen gerade die Grossinvestoren in diesen Tagen einen Bogen um die Aktien von Meyer Burger zu machen, was durchaus verständlich ist. Ein oder zwei weitere Grossaufträge reichen da wohl nicht aus, um das Ruder herumzureissen. Eine Lösung in der Refinanzierungsfrage muss her - und das lieber heute als morgen.

 

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