Droht dem Franken dasselbe Schicksal wie dem Gold?

Die Strategen von Société Générale stellen die derzeitige Rolle des Frankens in Frage – Stimmungsumschwung bei der US-Notenbank - Und: Bekommt Julius Bär die Sommerflaute zu spüren?
08.08.2013 12:30
cash Insider
Droht dem Franken dasselbe Schicksal wie dem Gold?

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Den Devisenstrategen der Société Générale wird in Marktkreisen ein guter Leistungsausweis nachgesagt. Umso mehr birgt ein mir aus dem Handel zugetragener Kommentar Sprengstoff: Denn die für das französische Bankinstitut tätigen Verfasser stellen darin die Rolle des Frankens als sicherer Hafen in Frage.

Aufgrund der Fragezeichen rund um eine Bankenunion und den von Italien und Zypern ausgehenden Unsicherheiten stehe der Franken noch immer hoch im Kurs.

Seit dem entschiedenen Einschreiten der Europäischen Zentralbank im vergangenen Jahr seien die Systemrisiken allerdings weniger geworden. Den stark verschuldeten Staaten bleibe der Zugriff auf frisches Kapital nicht mehr länger verwehrt. Ausserdem seien vielen Ländern bei ihren Ausgaben und bei der Zahlungsbilanz Fortschritte gelungen. Sollte sich die Situation in Europa weiter normalisieren, werde sich die Rolle des Frankens grundlegend verändern.

Die Franzosen rechnen beim Euro deshalb bis Mitte des nächsten Jahres mit einem Anstieg auf 1,35 Franken. Den fairen Wert der europäischen Einheitswährung geben die Strategen sogar mit 1,43 Franken an.

Interessant ist übrigens auch, was die Verfasser des Kommentars zur Politik der Schweizerischen Nationalbank schreiben. Mit einer Reduktion der massiven Fremdwährungsreserven sei erst bei einem Kurs des Euros von über 1,30 Franken zu rechnen. Ab diesem Zeitpunkt würden die Reserven dann höchst wahrscheinlich kontinuierlich zurückgefahren.

Erst vor wenigen Tagen stolperte ich übrigens über einen sehr ähnlich abgefassten Kommentar der Bank J. Safra Sarasin. Im Kommentar schrieb die verantwortliche Strategin, dass der Franken eine falsche Sicherheit vermittle. Ähnlich wie zuvor dem japanische Yen und dem Gold drohe unserer Heimwährung deshalb ein Verlust des Status als sicherer Hafen.

Ich behaupte nicht, dass die Strategen der Société Générale ihrer Berufskollegin der Bank J. Safra Sarasin abgeschrieben hätten. Zumindest daran orientiert haben dürften sie sich jedoch.

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Schon seit Monaten bescheren die Vertreter der US-Notenbank den Finanzmärkten ein Wechselbad der Gefühle. In den letzten Tagen wurden wieder Ängste wach, dass das Rückkaufprogramm für amerikanische Staatsanleihen und verbriefte Hypotheken schon bald gedrosselt werden könnte.

Auslöser für die Ängste waren Aussagen von Charles Evans. Denn bisher galt der Vertreter der US-Notenbank von Chicago als Verfechter einer extrem lockeren Geldpolitik. Umso überraschender ist, dass Evans neuerdings für eine Reduktion der Rückkäufe ab September plädiert.

Unter den Mitgliedern des Offenmarktausschusses der US-Notenbank gilt eine Mehrheit als sogenannte «Tauben» die weitere Hilfen zur Belebung der Wirtschaft befürworten. Die vor Inflationsgefahren warnenden «Falken» sind hingegen in der Minderheit. Nachdem Charles Evans allem Anschein nach ins Lager der «Falken» gewechselt hat, dürften letztere innerhalb des Offenmarktausschusses Auftrieb erhalten.

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Nach der Übernahme des internationalen Wealth Managements von Merrill Lynch gaben viele angelsächsische Investoren den Namenaktien von Julius Bär den Schuh. Nach der jüngsten Ergebnisüberraschung und in Erwartung einer raschen Einigung im Steuerstreit scheint sich dieses Investorenlager zunehmend wieder für die Papiere der Zürcher Privatbank zu erwärmen.

Ob und wie nachhaltig die im zweiten Quartal erzielte Verbesserung der Bruttomarge ist, wissen wohl nur die Götter. Zumindest für die MainFirst Bank ist klar, dass die diesbezüglichen Erwartungen mittlerweile eher hoch sind. In einem Kommentar quittiert der verantwortliche Experte das Erreichen des 45 Franken lautenden Kursziels mit einer Rückstufung von «Outperform» auf «Underperform».

In den letzten Wochen habe sich bei den Aktivitäten eine akzentuierte Sommerflaute eingeschlichen. Gerade das zuvor sehr starke Devisengeschäft sei auf die zweite Jahreshälfte bezogen kaum mehr hilfreich für Julius Bär. Ausserdem sei die noch immer hängige Lösung im Steuerstreit mit den USA zuletzt etwas zu sehr in Vergessenheit geraten.

Der Zürcher Privatbankengruppe gelang im zweiten Quartal mit ihrer Verbesserung der Bruttomarge zweifelsfrei eine sehr willkommene Überraschung. Sollte die MainFirst Bank mit ihrer Einschätzung der Aktivitäten während den Sommermonaten allerdings richtig liegen, handelt es sich dabei jedoch um eine einmalige Sache. Vor diesem Hintergrund geht die in den letzten Wochen beobachtete Neubeurteilung und -bewertung der Aktien möglicherweise zu weit.