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Droht noch weiteren SMI-Firmen eine Dividendenkürzung?

Nachdem die Aktionäre der Swatch Group bei der Dividende Abstriche machen müssen, nimmt der cash Insider auch die anderen Vertreter aus dem Swiss Market Index unter die Lupe.
02.02.2017 12:30
cash Insider
Droht noch weiteren SMI-Firmen eine Dividendenkürzung?
Bild: fotolia.com

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Schon in wenigen Wochen geht bei uns an der Schweizer Börse wieder ein Geldregen über die Aktionäre hernieder. Alleine die Unternehmen aus dem Swiss Market Index (SMI) werden für das vergangene Jahr Dividenden in Höhe von knapp 40 Milliarden Franken ausbezahlen - ein historischer Rekord.

Doch längst nicht bei allen SMI-Firmen kommen die  Aktionäre in den Genuss einer grosszügigeren Ausschüttung. Wie in den letzten Tagen bekannt wurde, wollen die beiden Pharmaschwergewichte Roche und Novartis bloss eine geringfügig über dem Vorjahr liegende Dividende entrichten. Analysten hatten bei beiden Unternehmen mit weit höheren Ausschüttungen gerechnet. Immerhin versucht Novartis die Aktionäre mit einem 5 Milliarden Dollar schweren Aktienrückkaufprogramm bei Laune zu halten.

Zu einem drastischen Schritt sah sich heute früh die Swatch Group veranlasst. Nachdem einer Gewinnhalbierung im vergangenen Jahr streicht der Luxusgüterkonzern aus Biel kurzum die Ausschüttung zusammen. Den Inhaberaktionären werden neu 6,75 (bisher: 7,50) Franken und den Namenaktionären 1,35 (bisher: 1,50) Franken je Aktie ausbezahlt.

Der Aufschrei ist gross. Diese Dividendenkürzung wäre sicher nicht nötig gewesen, urteilt beispielsweise der für die Zürcher Kantonalbank tätige Analyst. Er spielt damit auf die noch immer reichlich vorhandenen Nettobarmittel an. Aktienrückkäufe liessen letztere zwar von 1,6 auf 1,3 Milliarden Franken schmelzen. Dennoch wäre eine gegenüber dem Vorjahr tiefere Ausschüttung zu vermeiden gewesen.

Auf der Suche nach weiteren Kandidaten für eine Dividendenkürzung werden Händler bei der Credit Suisse fündig. Wenige Wochen ist es her, dass der für die Genfer Privatbank Mirabaud & Cie tätige Analyst öffentlich die Ausschüttungspolitik in Frage stellte.

Schon seit Wochen erhöhte Nervosität bei den Aktien der Credit Suisse; Quelle: www.cash.ch

Die Strafzahlung von 2,48 Milliarden Dollar schmälere die Kernkapitalquote (Tier-1) von 11,97 auf 11,23 Prozent und den Verschuldungsgrad (Leverage Ratio) von 3,41 auf 3,2 Prozent, so schrieb er damals.

Seine Botschaft: Beziehen im nächsten Frühling nur die Hälfte der Aktionäre die Jahresdividende in Form neuer Aktien - was realistischerweise angenommen werden muss - fällt die Kernkapitalquote auf unter 11 Prozent (siehe auch Kolumne vom 27. Dezember).

Aufgrund zusätzlicher Rückstellungen für den Vergleich mit dem amerikanischen Justizministerium gilt schon heute als sicher, dass die Credit Suisse das Schlussquartal mit einem Milliardenverlust abschliessen wird.

Die Analysten der australischen Investmentbank Macquarie gehen sogar noch einen Schritt weiter und sagen der Grossbank sogar unter Ausklammerung dieser Rückstellungen rote Zahlen nach (siehe Kolumne vom 27. Januar).

Grosse Unterschiede bei den SMI-Firmen:

Unternehmen

Dividendenrendite

Anteil am Gewinn*

Credit Suisse**

4,6 Prozent

368 Prozent

SGS

3,4 Prozent

94 Prozent

LafargeHolcim**

3,7 Prozent

94 Prozent

Swisscom**

5,1 Prozent

79 Prozent

Syngenta**

2,6 Prozent

80 Prozent

Zurich Insurance**

5,9 Prozent

78 Prozent

 

 

 

Adecco**

3,3 Prozent

49 Prozent

Swiss Life**

3,4 Prozent

37 Prozent

Julius Bär

2,6 Prozent

37 Prozent

Actelion**

0,6 Prozent

28 Prozent

* = bereinigter Jahresgewinn

** = basierend auf Schätzungen

Der kleineren der beiden Schweizer Grossbanken bleibt wohl nichts anderes übrig, als den Aktionären gar nicht erst die Wahlmöglichkeit zwischen einer Bar- und einer Stockdividende zu geben oder aber die Ausschüttungshöhe zu kappen. Die Aktien der Credit Suisse stehen heute denn auch unter starkem Verkaufsdruck.

Auch bei ABB gibt es Analysten, welche von einer leicht unter dem Vorjahr liegenden Dividende ausgehen. Da der Industriekonzern aus Zürich derzeit hohe 80 Prozent des geschätzten Jahresgewinns ausbezahlt, rechne ich jedoch nicht mit Enttäuschungen.

Einen vergleichsweise hohen Anteil des Jahresgewinns schütten im SMI übrigens auch Givaudan (77 Prozent), LafargeHolcim (94 Prozent), SGS (94 Prozent), Swisscom (79 Prozent), Syngenta (80 Prozent) und die Zurich Insurance Group (78 Prozent) aus. Das wiederum birgt bekanntlich Gefahren, sollte sich die Ertragslage dieser Unternehmen verschlechtern.

Für positive Dividendenüberraschungen sind hingegen Adecco (49 Prozent) und Swiss Life (37 Prozent) gut. Allerdings wird schon seit Wochen bei beiden Aktien auf eine kräftige Ausschüttungserhöhung spekuliert. Damit ist das weitere Kurspotenzial wohl überblickbar.

Die höchsten Dividenden lassen sich übrigens immer noch mit den renditestarken Papieren der Zurich Insurance Group (6 Prozent) und Swiss Re (4,9 Prozent) erzielen.

Ich bleibe deshalb bei meiner früheren Aussage: An möglichst hohen Ausschüttungen interessierte Anleger sind in den hiesigen Versicherungswerten sehr viel besser aufgehoben als in den Bankaktien.

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