Druck aus dem Aktionariat - ABB: Folgt jetzt der radikale Konzernumbau?

Für die Aktien von ABB häufen sich Kaufempfehlungen, und das nicht ohne Grund. Die Anhaltspunkte für einen radikalen Konzernumbau häufen sich. - Und: Bekannter Stratege warnt vor der «blinden Arroganz» der Notenbanken.
14.09.2018 12:30
cash Insider
ABB: Folgt jetzt der radikale Konzernumbau?
Bild: fotolia.com

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Noch immer sind die Aktien von ABB gut 10 Prozent günstiger zu haben als zu Jahresbeginn. Bei den im Swiss Market Index (SMI) vertretenen Unternehmen schnitten nur der Zementhersteller LafargeHolcim sowie der Stellenvermittler Adecco noch schlechter ab.

Gut eine Woche ist es her, dass die Citigroup die Aktien von ABB mit einem Kursziel von 28 (zuvor 23,50) Franken von "Neutral" auf "Buy" heraufstufte. Die langjährige Wachstumsflaute sei endlich ausgestanden, so begründete Analyst Martin Wilkie damals seinen wiedergewonnenen Optimismus.

Heute nun zieht Alok Katre von Société Générale nach. Auch er empfiehlt die Valoren des Industriekonzerns aus Zürich neuerdings mit einem 12-Monats-Kursziel von 26,50 (zuvor 23,50) Franken zum Kauf. Das ist allerdings nur die halbe Wahrheit.

Denn anders als bei seinem Berufskollege der Citigroup, birgt die Begründung des für die französische Grossbank tätigen Analysten ziemlichen Zündstoff: Er wartet mit einem Drei-Punkte-Plan auf, mit dem sich zusätzliche Aktionärswerte im Umfang von mehreren Kursfranken realisieren lassen. Das 12-Monats-Kursziel stiege dann auf bis zu 34 Franken.

Kaufempfehlungen hauchen den ABB-Aktien seit wenigen Tagen wieder neues Leben ein (Quelle: www.cash.ch)

Wie die beiden Grossaktionäre Cevian Capital und Artisan Partners fordert auch Katre einen Verkauf des Stromnetzgeschäfts (Power Grids), gefolgt von Strukturveränderungen. So soll das zukunftsträchtige Geschäft mit Industrierobotern dem Analysten zufolge in einen eigenständigen Geschäftsbereich eingebracht und die übrigen Geschäftszweige miteinander verschmolzen werden.

Nach Jahren des Misserfolgs sind der Verwaltungsrat und die Konzernleitung bei ABB an einem Punkt angelangt, an dem man sich den Forderungen aus dem Grossaktionariat nicht mehr länger versperren kann (siehe Bei ABB herrscht die totale Verwirrung vom 29. August und ABB riskiert eine Aktionärsrevolte vom 6. April).

Ob sich mit dem Drei-Punkte-Plan aus Frankreich tatsächlich zusätzliche Aktionärswerte schaffen liessen, ist fraglich. Auf dem Reisbrett der Analysten und Investmentbanker sehen solche Planspiele meist sehr vielversprechend aus. Bei der Umsetzung stossen die Unternehmen dann aber an ihre Grenzen.

Angesichts des aufgestauten Investitionsbedarfs ins Stromnetz und des nicht über alle Zweifel erhabenen Leistungsausweises bei Grossübernahmen, würde ich es begrüssen, wenn ABB das Stromübertragungsgeschäft verselbständigen und als Sachdividende an die Aktionäre ausschütten würde. Jede Aktionärin und jeder Aktionär könnte dann selber entscheiden, ob er sich von seinen Power-Grid-Aktien trennen oder an diesen festhalten will.

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Am morgigen Tag jährt sich der Kollaps von Lehman Brothers - und das bereits zum zehnten Mal. Zum Feiern dürfte wohl kaum jemandem zumute sein, begleiten uns die Nachwehen doch bis zum heutigen Tag.

Klare Worte findet Albert Edwards von Société Générale: Der bekannte Stratege macht weniger den Kollaps der amerikanischen Investmentbank selbst, als vielmehr die blinde Arroganz führender Zentralbanken für die Nachwehen verantwortlich.

Wenn es jemand wissen muss, dann Edwards. Vor seinem Wechsel zur französischen Grossbank war der Stratege nämlich für die Bank of England tätig.

Ein kürzlich in der renommierten New York Times erschienener Gastbeitrag stösst Edwards ganz besonders sauer auf. Als Autoren zeichnen der ehemalige Notenbankvorsitzende Ben Bernanke, der einstige Finanzminister Henry Paulson sowie sein Nachfolger Tim Geithner.

Im Gastbeitrag sehen die drei Autoren die Geldpolitik damals wichtiger Instrumente beschnitten und fordern vom Kongress deshalb Abhilfe.

Sein Fett weg kriegt auch der frühere Vertreter des New Yorker Arms der amerikanischen Notenbank, Peter Fisher. Dieser bezeichnete das geldpolitische Experiment der letzten zehn Jahre kürzlich gar als höchst erfolgreich. Ungewollte Nebeneffekte seien rückblickend ausgeblieben und die Folgen - sprich die gedrückten Zinsen - überblickbar, so liess Fisher die Öffentlichkeit wissen.

Wenn nicht von blinder Arroganz, dann zeugen diese Aussagen zumindest von Schönfärberei. Ohne ein gesundes Mass an Selbstreflektion seitens der damaligen Entscheidungsträger aus Wirtschaft und Politik lassen sich nur schwerlich Lehren aus der Finanzkrise ziehen.

Fakt ist: Der amerikanische Staat und die amerikanischen Unternehmen sind heute um einiges höher verschuldet als vor zehn Jahren. Gleichzeitig riss die "Politik des billigen Geldes" unzählige Mittelständler in die Armut.

Für mich lässt sich deshalb gut nachvollziehen, dass sich Edwards vor der "blinden Arroganz" der Notenbanken fürchtet...

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