Ein Déjà-vu-Moment bei Syngenta

Erneut rücken die Aktien von Syngenta ins Zentrum von Übernahmespekulationen: Der cash Insider mit den Einzelheiten - Und: Morgan Stanley nennt 10 Schlüsselkaufempfehlungen.
15.09.2015 12:30
cash Insider
Ein Déjà-vu-Moment bei Syngenta

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Drei Wochen ist es her, dass Monsanto erfolglos das Handtuch werfen musste. Zuvor hatte der amerikanische Hersteller von Spezialsaatgut monatelang um die Gunst der in Basel beheimateten Rivalin Syngenta geworben. Allerdings zeigte sich diese äusserst widerspenstig. Mittlerweile wissen wir: Die Verwaltungsräte der beiden Agrarchemiekonzerne werden in diesem Leben vermutlich keine Freunde mehr.

Dasselbe liesse sich auch von den Entscheidungsträgern bei Syngenta und ihren Aktionären sagen, weshalb Erstere überhastet an einem Massnahmenpaket schnürten. Neben einem Aktienrückkaufprogramm sieht dieses auch Effizienzverbesserungen sowie den Verkauf des Gemüsesaatgutbereichs vor. Ob dieser margenstarke Geschäftszweig genügend einspielt, um die milliardenschweren Aktienrückkäufe stemmen zu können, muss allerdings bezweifelt werden. Denn mit 1,2 bis 2,6 Milliarden Dollar gehen die Expertenschätzungen für den Verkaufserlös weit auseinander.

Selbst wenn der Basler Agrarchemiekonzern einen Verkaufserlös irgendwo in der Mitte dieser Erwartungsbandbreite erzielen würde und diesen vollumfänglich ins Aktienrückkaufprogramm fliessen liesse, betrüge die Gewinnverdichtung bestenfalls 3 bis 5 Prozent.

Selbst langjährige Aktionäre geben sich mir gegenüber deshalb noch immer verkaufsbereit, sollte Monsanto an den Verhandlungstisch zurückkehren. Alle guten Dinge sind drei, so will es zumindest der Volksmund.

Darf man aus Deutschland zu uns überschwappenden Marktspekulationen Glauben schenken, dann trifft es das Sprichwort "Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte" jedoch besser. Denn wie mir berichtet wird, spielt auch BASF noch immer mit dem Gedanken, eine Übernahmeofferte für Syngenta abzugeben.

Eine solche Kombination hätte vor den Wettbewerbshütern allerdings einen sehr viel schwereren Stand als ein Zusammenschluss zwischen Syngenta und Monsanto. Gerade bei den Pflanzenschutzmitteln bringen es die beiden Unternehmen nämlich auf einen gemeinsamen Marktanteil nördlich von 40 Prozent.

Dass bei Syngenta etwas "im Busch" ist, lässt auch die kürzliche Heraufstufung der Aktien von "Market Perform" auf "Outperform" durch Bernstein Research vermuten. In den letzten Jahren machte der für das amerikanische Bankinstitut tätige Experte vor allem mit aggressiven Verkaufsempfehlungen von sich reden. Nun sieht er die Papiere im Zuge möglicher Wechsel in der Konzernleitung, weitergehender Anpassungen des Firmenportfolios oder eines doch noch zustande kommenden Verkaufs an Monsanto auf 405 Franken klettern.

An dieser Stelle sei gesagt, dass Bernstein Research seit je her eine Nähe zu bekannten amerikanischen Hedgefonds nachgesagt wird. Statistiken zufolge haben Letztere in der zweiten Hälfte August übrigens umfangreiche Wetten gegen die in New York gehandelten Aktien von Syngenta abgeschlossen. Innerhalb von gerade mal zwei Wochen erfuhren die dortigen Baisse-Engagements mehr als eine Verdoppelung.

Nicht auszudenken der Aufschrei, sollten sich die aus Deutschland eintreffenden Übernahmespekulationen bewahrheiten. Für mehr als einen kurzfristigen Kauf bieten sich die Aktien von Syngenta meines Erachtens jedoch nicht an - zu viele Fragen bleiben nach dem jüngsten Massnahmenpaket offen.

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Auch an den europäischen Aktienmärkten wird alles, was mit Schwellenländern zu tun hat, blind verkauft. Noch bis vor wenigen Monaten "en vogue", stecken Unternehmen mit einem hohen Ergebnisbeitrag aus eben diesen in einer tiefen Vertrauenskrise.

In einer mir aus London zugespielten Strategiestudie brechen die für Morgan Stanley tätigen Autoren nun erstmals eine Lanze für Aktien solcher Firmen. Ihre Schlüsselbotschaft: Nach zehn aufeinanderfolgenden Wochen mit einem Mittelabfluss aus in Schwellenländer investierenden Aktienfonds scheint die Talsohle erreicht.

Günstige Einstiegsgelegenheiten machen die Strategen insbesondere bei den mit "Overweight" eingestuften Papieren von ARM Holdings, BMW, Burberry, International Hotels Group, LVMH, Prudential, SKF, SAB Miller, Technip und UBM aus.

Aktien von Schweizer Unternehmen sucht man in der Studie vergebens. Allerdings gibt es auch bei uns Firmen mit einem hohen Ergebnisbeitrag aus den Schwellenländern. Mir kommen spontan ABB, Dufry, DKSH, LafargeHolcim, Richemont, Schindler, Swatch Group und Syngenta in den Sinn. Diese Aufzählung ist aber bei weitem nicht abschliessend.

Alle diese Valoren haben eines gemeinsam: Sie alle haben in den letzten Wochen arg gelitten. Wie sagt man doch so schön: Den Mutigen gehört die Welt. Wer weiss - vielleicht gilt das ja auch für die Börse.
 

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