Ein guter Tag für ausländische Leerverkäufer

Der cash Insider berichtet von ausländischen Leerverkäufern im Freudentaumel und einer interessanten Beobachtung - Und: Kann bei den Aktien der Zurich Insurance Group gar nicht viel schiefgehen?
09.11.2016 12:30
cash Insider
Ein guter Tag für ausländische Leerverkäufer
Bild: fotolia.com

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Nachdem der schwarze Schwan, das Wappentier des Unheils, über Wochen hinweg über den Dächern Washingtons gekreist war, ist er heute früh überraschend auf dem Rasen vor dem Weissen Haus gelandet. Allen Unkenrufen zum Trotz hat der als unberechenbar geltende republikanische Präsidentschaftskandidat Donald Trump die Wahl für sich entschieden.

Das sorgt auch am Schweizer Aktienmarkt für Verwerfungen. Nur den beiden Indexschwergewichten Roche und Novartis ist es zu verdanken, dass der Swiss Market Index (SMI) sogar leicht zulegen kann. Anders die sowieso schon angeschlagenen Aktien: Sie werden abermals mit hohen Kursverlusten abgestraft.

Freuen dürfte das vor allem die ausländischen Leerverkäufer, die sich gestern schon bei den Aktien von Meyer Burger und Burckhardt Compression eine goldene Nase verdienten (siehe gestrige Kolumne).

Einem Kommentar aus dem Aktienhandel der MainFirst Bank entnehme ich, auf welche Aktien aus der Schweiz es die Leerverkäufer sonst noch abgesehen haben.

Die umfangreichsten Wetten laufen allem Anschein nach noch immer gegen die Swatch Group. Derzeit wird noch mit 26,8 Prozent der ausstehenden Inhaberaktien auf rückläufige Kursnotierungen spekuliert – sehr viel mehr gibt die Wertpapierleihe auch nicht mehr. Das ist zwar weniger als noch vor einem Monat, bringt dem Luxusgüterkonzern aus Biel allerdings noch immer den zweifelhaften Ruf des unbeliebtesten Unternehmens an der Schweizer Börse SIX ein.

Eingeschworen haben sich die Leerverkäufer auch gegen den Sensorenhersteller AMS. Sie setzen mittlerweile mit 13,6 Prozent der ausstehenden Aktien gegen den Zulieferer illustrer Grosskunden wie Apple oder Samsung, was dem stärksten Anstieg gegenüber dem Vormonat entspricht. Immerhin knapp jede zweite über die Wertpapierleihe angebotene Aktie kommt dabei zum Einsatz. Das lässt sich einerseits mit dem vorsichtigen Ausblick für das für gewöhnlich wichtige Weihnachtsquartal und andererseits mit der nicht unumstrittenen Übernahme von Heptagon (siehe Kolumne vom 25. Oktober) begründen.

Auch gegen den Backwarenhersteller Aryzta und den Reisedetailhandelskonzern Dufry wird noch immer rege spekuliert. Denn obschon die Leerverkäufer bei beiden Aktien gegenüber dem letzten Monat Geld vom Tisch genommen haben, belegen diese mit 12,5 und 11,2 Prozent noch immer die Ränge drei und vier.

Auf dem fünften Rang findet sich ein eher überraschender Vertreter aus der Schweiz: die Swisscom. Mit 10,4 Prozent aller ausstehenden Aktien wird gegen den einstigen Monopolisten gewettet. Interessant ist, dass das nur jeder fünften im Rahmen der Wertpapierleihe verfügbaren Aktie entspricht. Das wiederum könnte Spekulationen wecken, wonach sogar die Eidgenossenschaft Teile ihrer Mehrheitsbeteiligung zur Leihe feilbietet. Ansonsten müssten nämlich alle übrigen, sprich sämtliche sich im Publikum befindlichen Aktien angeboten werden, was höchst unwahrscheinlich wäre.

Anders als in New York führt die Schweizer Börse SIX keine offizielle Statistik für leerverkaufte Aktien. Zwar sind schon vor längerer Zeit Beratungsunternehmen wie Markit mit kostenpflichtigen Erhebungen in diese Bresche gesprungen. Dennoch wäre es äusserst wünschenswert, würde dieses Versäumnis in Sachen Transparenz möglichst bald nachgeholt.

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Über das Wochenende sickerten bei der Zurich Insurance Group erste Vorabinformationen zum diesjährigen Investorentag in die Presse durch. Wie zu lesen war, will der traditionsreiche Versicherungskonzern aus Zürich den Aktionären für das laufende Jahr noch einmal eine Dividende von 17 Franken je Aktie entrichten. Danach wolle das Unternehmen zu einer flexibleren Dividendenpolitik übergehen, so heisst es weiter.

Doch anstatt die Spekulationen zu dämpfen, heizen die Indiskretionen diese eher noch an. Denn gerade die Reservepolitik der Zurich Insurance Group bleibt in Expertenkreisen umstritten. Die Reservepolster seien zu dünn, heisst es aus dem angelsächsischen Raum.

Dem widerspricht mit dem Versicherungsanalysten von J.P. Morgan ausgerechnet ein in London stationierter Vertreter einer mächtigen amerikanischen Investmentbank. Im Ausblick auf den Investorentag vom 17. November erachtet er den Versicherungskonzern als ausreichend mit Reserven ausgestattet. Und selbst wenn diese gewinnwirksam verstärkt würden, hält er bei den mit "Overweight" zum Kauf empfohlenen Aktien eine positive Kursreaktion für wahrscheinlich.

Erste Anhaltspunkte erhoffe ich mir in diesem Zusammenhang übrigens schon von der schon für morgen angesetzten Quartalsergebnispräsentation. Ich für meinen Teil bin jedenfalls ziemlich zuversichtlich, dass der neue Konzernchef Mario Greco im dritten Quartal an die Erfolge der ersten sechs Monate anknüpfen konnte.
 

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