«Ein starker Franken zahlt sich langfristig aus»

Julius Bär erklärt, weshalb sich ein starker Franken aus Anlegersicht in der Vergangenheit stets ausbezahlt gemacht hat. Ausserdem rät die Zürcher Traditionsbank zum Zukauf von Aktien aus der Schweiz.
17.10.2016 12:30
cash Insider
«Ein starker Franken zahlt sich langfristig aus»
Bild: fotolia.com

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Erst am vergangenen Mittwoch ging einer meiner geschätzten Redaktionskollegen der Frage nach, ob hiesige Privatanleger nicht zu sehr auf den Heimmarkt fokussieren. Wie im gleichnamigen Artikel nachzulesen ist, investieren Schweizer Privatanleger bei den Aktien schätzungsweise vier von fünf Franken in solche aus der Heimat. Im angelsächsischen Raum spricht man auch gerne vom sogenannten "Home bias" - der Neigung, im eigenen Land anzulegen.

Das macht meines Erachtens insofern Sinn, als dass ja auch die Lebenshaltungskosten hiesiger Privatanleger in Franken anfallen. Darüber hinaus erwirtschaften die meisten an der Schweizer Börse SIX kotierten Unternehmen sowieso einen Grossteil des Jahresumsatzes und -gewinns im Ausland. Firmen wie Nestlé, Roche oder Novartis erzielen bestenfalls noch wenige Umsatzprozente in der Heimat. Wer expandieren will, muss und macht das im Ausland.

Interessantes zum Thema "Schweizer Anlagen" entnehme ich einer Strategiestudie aus dem Hause Julius Bär. Zur Lösung wirtschaftlicher Probleme ziele die weltweite Geldpolitik auf eine Schwächung der eigenen Währung ab, so schreiben die Autoren in der Studie. Ihres Erachtens beweist die Schweizer Herangehensweise allerdings: Eine starke Währung, in unserem Fall ein starker Franken, zahlt sich langfristig aus.

Sie sehen nicht nur für die Verbraucher Vorteile darin, erleiden diese doch keinen währungsbedingten Kaufkraftverlust, sondern auch für Anleger. Die Experten gehen sogar noch einen Schritt weiter, und raten angesichts der Erfolgsbilanz auch ausländischen Investoren zu Anlagen in der Schweiz.

Denn obschon die Schweizer Aktienindizes in den vergangenen Wochen und Monaten weit hinter anderen Börsenbarometern zurückgeblieben sind, fällt die Bilanz für die Zeit seit Anfang 1970 in Franken betrachtet ziemlich beeindruckend aus (siehe nachstehende Grafik).

Insgesamt lasse sich mit Blick auf die Entwicklung des hiesigen Aktienmarktes feststellen, dass der Vorteil eines starken Frankens mehr Gewicht habe als die den Unternehmen dadurch entstehende Belastung der Erträge, so die Schlussfolgerung der Strategen.

Im noch immer deutlich unter seinem Rekordhoch vom Frühsommer 2007 bei 9000 Punkten notierenden Swiss Market Index (SMI) sehen die Experten übrigens eine günstige Einstiegsgelegenheit. Sie raten ihrer langfristig orientierten Kundschaft dazu, ihre Franken Anlagen auszubauen. Gerade die hiesigen Nebenwerte scheinen es der Zürcher Traditionsbank sichtlich angetan zu haben.

Die Worte der für Julius Bär tätigen Studienverfasser sind wie Balsam auf die Wunden von Thomas Jordan und seinen Direktoriumskollegen bei der Schweizerischen Nationalbank (SNB). Denn was immer unsere Währungshüter in den vergangenen Jahren auch für einen geldpolitischen Kurs eingeschlagen haben - stets hagelte es harsche Kritik aus Politik und Wirtschaft.

Einige Kritikpunkte an der mir vorliegenden Strategiestudie seien an dieser Stelle erlaubt, so sehr ich mich auch mit den darin gemachten Aussagen identifizieren kann: Dass sich die SNB - gewollt oder ungewollt - in eine direkte Abhängigkeit zur Europäischen Zentralbank (EZB) und deren Geldpolitik hineinmanövriert hat, wird darin beispielsweise mit keinem Wort erwähnt. Damit unterscheidet sich die heutige Situation beim Franken nämlich grundlegend von jener vergangener Jahrzehnte.

Auch den knapp 1000 Punkten unter seiner Bestmarke liegende SMI als Kaufargument für Aktien aus der Schweiz hinzuzuziehen, ist nicht unproblematisch - gehen die Dividenden doch zu Lasten dieses sogenannten Preisindex. Um die Dividendenabgänge bereinigt hat das Börsenbarometer das in der Studie erwähnte Rekordhoch vom Frühsommer 2007 nämlich weit hinter sich gelassen (siehe nachstehende Grafik).

Entwicklung des um Dividenden bereinigten SMI seit Ende 2006, Quelle: www.cash.ch

Ausserdem ist der aus den 20 grössten Schweizer Unternehmen zusammengesetzte SMI wohl kaum der richtige Index, um eine Lanze für die in den vergangenen Wochen und Monaten stark gestiegenen Nebenwerte (siehe auch Kolumne vom Freitag) zu brechen.

 

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