Eine Bank rät zu nicht alltäglichen Aktien aus der Schweiz

Auf welche eher ungewöhnlichen Favoriten die MainFirst Bank am Schweizer Aktienmarkt neben Emmi, Forbo und u-blox auch noch setzt.
04.01.2017 12:30
cash Insider
Eine Bank rät zu nicht alltäglichen Aktien aus der Schweiz
Bild: fotolia.com

Der cash Insider ist unter @cashInsider auch auf Twitter aktiv. Lesen Sie börsentäglich von weiteren brandaktuellen Beobachtungen am Schweizer Aktienmarkt.

***

Wenn es bei uns am Schweizer Aktienmarkt so weitergeht wie gestern und heute, dann besteht berechtigten Grund zur Hoffnung. In den vergangenen 15 Jahren beendete der Swiss Performance Index (SPI) nämlich nicht weniger als 13 Börsenjahre mit denselben Vorzeichen wie die erste Januar-Woche (siehe gestrige Kolumne).

Die Banken und ihre Strategen sind so optimistisch für die Aktienmärkte wie schon lange nicht mehr. Auch was die Schlüsselkaufempfehlungen für die kommenden 12 Monate anbetrifft, ist man sich überraschend einig: Die Aktien von Adecco werden im selben Atemzug mit jenen von Nestlé oder der Zurich Insurance Group genannt. Und selbst die schon seit Monaten arg vernachlässigten Genussscheine von Roche sind wieder in aller Munde (siehe Artikel vom 2. Januar).

So weit, so gut. Bloss haben die Banken für ihre Kundschaft nicht selten bereits Position bezogen, wenn sie einzelne Aktien gegen aussen zum Kauf empfehlen. Der Mist ist weitestgehend gekarrt, liesse sich denken.

Mit wohltuenden, weil nicht alltäglichen Schlüsselkaufempfehlungen für unseren Heimmarkt warten nun die Strategen der MainFirst Bank auf. Schon ein kurzer Blick auf das Dutzend Aktien verrät: Die Experten rechnen mit einer Fortsetzung des Siegeszugs der Nebenwerte.

Nur so lässt sich erklären, weshalb mit Nestlé und Swiss Life gerademal zwei Vertreter aus dem Swiss Market Index (SMI) den Einzug in die Favoritenliste schaffen.

Bei Nestlé (Kursziel 100 Franken) schlagen die Strategen in dieselbe Kerbe wie die meisten anderen Berufskollegen auch. Sie rechnen unter dem Nachfolger des langjährigen Konzernchefs Paul Bulcke mit grundlegenden Veränderungen im Firmenportfolio. Gleichzeitig habe die Wachstumsentwicklung beim traditionsreichen Nahrungsmittelkonzern aus Vevey die Talsohle durchschritten, so heisst es weiter.

Keine grösseren Veränderungen erwarten die Experten hingegen bei Swiss Life (Kursziel 310 Franken). Allerdings finden sie sichtlich Gefallen am neuen und von einer geringeren Kapitalbindung geprägten Geschäftsmodell des Lebensversicherungskonzerns.

Neben den Aktien von Nestlé werden auch jene von Ascom und Dätwyler empfohlen. Das freut mich persönlich sehr, zählen diese drei Titel doch auch zu meinen Schweizer Aktienfavoriten für das Börsenjahr 2017.

Dätwyler (Kursziel 175 Franken) traut man bei der MainFirst Bank einen erfolgreichen Turnaround im Geschäft mit technischen Komponenten, eventuell sogar einen Verkauf dieses Problembereichs, zu. Darüber hinaus dürfte das Unternehmen in der ersten Jahreshälfte von Rohmaterialkäufen auf Vorrat profitieren.

Bei Ascom (Kursziel 21 Franken) verweisen die Strategen auf die attraktiven strukturellen Wachstumsaussichten. Gleichzeitig spricht der Verkauf des Sorgenkinds Network Testing für Margenverbesserungen.

Unter den Begriff "Momentum-Aktien" fallen jene von Logitech (Kursziel 28 Franken) und Temenos (Kursziel 66 Franken). Auch Temenos warte aufgrund strengerer regulatorischer Vorschriften und der geringen Marktdurchdringung mit strukturell guten Wachstumsaussichten auf, so lautet die Begründung. Die Valoren der Softwareschmiede aus Genf sind insofern ein "Exot", als dass diese nur mit "Neutral" eingestuft werden und das Kursziel weit unter den aktuellen Notierungen liegt. Logitech sagen die Experten auf Jahre hinaus ein starkes Umsatz- und Gewinnwachstum voraus.

Zwei "Momentum-Aktien" wie aus dem Bilderbuch: Temenos (rot) und Logitech (grün); Quelle: www.cash.ch

Als "dritter im Bunde" sind die Aktien von Flughafen Zürich (Kursziel 200 Franken) zu erwähnen. Nach der für viele Beobachter überraschenden Erhöhung der firmeneigenen Prognosen für das Passagieraufkommen notieren diese ebenfalls in unmittelbarer Reichweite zu ihren bisherigen Höchstständen.

Emmi (Kursziel 850 Franken) und u-blox (240 Franken) verbindet nur gerade der Ruf des „gefallenen Engels“. Beim Milchverarbeiter Emmi argumentieren die Strategen mit der in den letzten Jahren sehr erfolgreichen Premium-Strategie, beim Halbleiterhersteller u-blox mit der ihres Erachtens unterschätzten "Internet-der-Dinge"-Fantasie. Was die Wachstumsaussichten anbetrifft, ist man bei der MainFirst Bank allerdings deutlich zuversichtlicher als bei anderen Banken.

Die Aktien von Emmi (rot) und u-blox (grün) notieren unter ihren Höchstkursen; Quelle: www.cash.ch

Während bei den ebenfalls genannten Valoren der Regionalbankengruppe Valiant (Kursziel 115 Franken) die hohe Qualität hervorgehoben wird, spekulieren die Experten bei jenen von Forbo (Kursziel 1500 Franken) auf einen Zustupf aus der Barmittelschatulle. Schon seit Jahren kauft der Bauzulieferer regelmässig eigene Aktien zurück. Die Aktien des Versicherungskonzerns Helvetia (Kursziel 600 Franken) werden hingegen aufgrund der zu konservativen Gewinnerwartungen der Börse zum Kauf empfohlen.

Regelmässige Leserinnen und Leser meiner Kolumne wissen, dass ich im Segment der Nebenwerte nach all den guten Jahren in Folge nur noch äusserst selektiv zukaufen würde. Vermutlich werden gerade die als "Momentum-Aktien" geltenden Nebenwerte irgendwann in nicht allzu ferner Zukunft noch einmal günstiger zu haben sein.

 

Der cash Insider nimmt Marktgerüchte sowie Strategie-, Branchen- oder Unternehmensstudien auf und interpretiert diese. Marktgerüchte werden bewusst nicht auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft. Gerüchte, Spekulationen und alles, was Händler und Marktteilnehmer interessiert, sollen rasch an die Leser weitergegeben werden. Für die Richtigkeit der Inhalte wird keine Verantwortung übernommen. Die persönliche Meinung des cash Insiders muss sich nicht mit derjenigen der cash-Redaktion decken. Der cash Insider ist selber an der Börse aktiv. Nur so kann er die für diese Art von Nachrichten notwendige Marktnähe erreichen. Die geäusserten Meinungen stellen keine Kauf- oder Verkaufsempfehlungen an die Leserschaft dar.