Eine Grossbank setzt auf Aktien aus der Schweiz

Weshalb die Strategen der Deutschen Bank auf den Schweizer Aktienmarkt setzen - Dufry gerät ins Visier ausländischer Leerverkäufer - Und: Klettern die Aktien von Actelion bis auf 200 Franken?
30.06.2016 12:30
cash Insider
Eine Grossbank setzt auf Aktien aus der Schweiz
Bild: fotolia.com

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Es ist schon erstaunlich: Innerhalb nur weniger Tage hat der Swiss Performance Index (SPI) den im Zuge des sich abzeichnenden Austritts Grossbritannien aus der Europäischen Union erlittenen Kursverluste weitestgehend wettgemacht.

Zu verdanken hat er dies vor allem den Indexschwergewichten Nestlé, Roche und Novartis und ihren defensiven Qualitäten. Wie immer, wenn ein Unwetter über die Aktienmärkte hinwegzieht, flüchteten Anleger auch zuletzt wieder in genau diese drei Aktien.

Mit der Verpflichtung eines kompetenten externen Nachfolgers für den an die Spitze des Verwaltungsrats wechselnden Konzernchef Paul Bulcke zauberte Nestlé gar ein Ass aus dem Ärmel und rettete so den Tag. Die bisherige Laufbahn des ab Anfang nächsten Jahres übernehmenden Ulf Mark Schneider, lässt darauf schliessen, dass bei den Westschweizern kein Stein auf dem anderen bleibt. Aus dem traditionsreichen Nahrungsmittelhersteller könnte gar ein margenstarker Gesundheitskonzern hervorgehen, so lautet der Tenor.

Wie mir berichtet wird, traten in den vergangenen Tagen vermehrt ausländische Grossinvestoren als Käufer der drei SMI-Schwergewichte in Erscheinung. Insbesondere die Aktien von Nestlé hätten es ihnen angetan, so heisst es weiter.

Auf Aktien aus der Schweiz setzt auch die Deutsche Bank. In einer Strategiestudie warnen die für die deutsche Grossbank tätigen Autoren vor weiteren Verwerfungen an den europäischen Börsen. Politische Grabenkämpfe könnten auf das Finanzsystem übergreifen und dieses abermals schwächen, so ihre Befürchtung.

Dem breit gefassten Stoxx Europe 600 Index sagen die Experten deshalb bis Ende Jahr einen Rückschlag auf 295 Punkte nach, was ziemlich genau 10 Prozent unter dem heutigen Stand liegt.

Der eigenen Anlagekundschaft raten die Strategen - wie könnte es anders sein - am Schweizer Aktienmarkt Schutz zu suchen. Schliesslich erfüllt dieser sämtliche Anforderungen der Deutschen Bank: Er weist einen hohen Anteil der als konjunkturunabhängig geltenden Pharmawerte sowie zahlreiche Aktien von Unternehmen, welche als zuverlässige Dividendenzahler gelten, auf. Darüber hinaus finden die Experten am hohen in Dollar anfallenden Umsatzanteil hiesiger Grosskonzerne sichtlich Gefallen.

Schon die kommenden Tage werden zeigen, ob es sich bei der jüngsten Kurserholung an den europäischen Aktienmärkten bloss um ein Strohfeuer handelt. Gerade die Bankaktien – meist ein zuverlässiger vorauseilender Indikator für den Gesamtmarkt - machen mir weiterhin einen angeschlagenen Eindruck.

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In den letzten Jahren führte Actelion bei den im Swiss Market Index (SMI) vertretenen Aktien regelmässig die Bestenliste an. Während die meisten Vertreter aus dem prestigeträchtigen Börsenbarometer weit abgeschlagen unter ihren Höchstständen notieren, liegen jene des Biotechnologieunternehmens aus Allschwil in deren unmittelbarer Reichweite.

Und darf man dem für die MainFirst Bank tätigen Pharmaanalysten Glauben schenken, dann werden die gerade bei angelsächsischen Grossinvestoren beliebten Titel noch bis auf 200 Franken weiterziehen. Es überrascht deshalb nicht, dass er diese einmal mehr mit "Outperform" zum Kauf empfiehlt.

In Erwartung eines starken Debüts des PAH-Medikaments Uptravi in den USA lässt sich der Experte zu folgender wagemutigen Prognose hinreissen: Actelion werde über die nächsten zehn Jahr einen freien Cash Flow im Umfang der heutigen Börsenkapitalisierung erwirtschaften.

Wer den Mitgründer und Konzernchef Jean-Paul Clozel kennt, der weiss, dass dieser den therapeutischen Nutzen der Patienten über die Finanzen stellt. Überdurchschnittlich hohe Investitionen in die Forschung und Entwicklung würden die Prognose der MainFirst Bank jedoch in Abrede stellen.

Was ein unfreundliches Übernahmeangebot aus dem Ausland anbetrifft, muss sich Clozel keine grauen Haare wachsen lassen. Ein hoher Aktienkurs bietet schliesslich immer noch den besten natürlichen Schutz vor einem ungewünschten Übergriff.

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Noch bis vor wenigen Wochen galten die Aktien von Dufry an der Schweizer Börse als Überflieger. Die Hoffnung auf üppige Synergien aus der milliardenschweren Übernahme von Nuance Group und World Duty Free liess die Kurse innerhalb kürzester Zeit von 92,30 auf 136,90 Franken hochschiessen.

Nun ist der in Basel beheimatete Betreiber von Zollfreiverkaufsstellen an Flughäfen allerdings ins Visier ausländischer Leerverkäufer geraten. Wie ich einem Kommentar aus dem Aktienhandel der MainFirst Bank entnehme, schwollen die Wetten gegen Dufry alleine in den vergangenen drei Wochen von 9,5 auf 13,8 Prozent aller ausstehenden Aktien an.

Mit einem Umsatzanteil von rund 20 Prozent aus Grossbritannien zählt das Unternehmen hierzulande zu den prominenten "Opfern" des Brexit. Dazu kommt der gleichermassen verheerende wie tragische Anschlag auf den Flughafen von Istanbul, welcher die spendierfreudigen russischen Touristen abschreckt. Man merke: Bei allem Unglück kommt bei Dufry nun auch noch Pech dazu.

 

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