Eine ziemlich mutige Wette auf Sika

Der weltgrösste Vermögensverwalter erhöht seine Wette auf die Aktien von Sika - Anhaltspunkte für eine Zwangsexekution bei Leonteq - Und: Julius Bär beweist strategische Weitsicht.
28.04.2016 12:30
cash Insider
Eine ziemlich mutige Wette auf Sika

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Sika ist eine Erfolgsgeschichte, die ihresgleichen sucht. In den letzten Jahren gelangen dem Baustoffhersteller aus der Innerschweiz nicht nur beim Umsatz sondern auch beim Gewinn beeindruckende Fortschritte. Rückblickend hat das Zweiergespann, bestehend aus Geschäftsleitung und Verwaltungsrat, alles richtig gemacht. So weit, so gut - wäre Sika nicht zum Opfer des eigenen Erfolgs geworden.

In einer Nacht-und-Nebel-Aktion einigten sich die Familienaktionäre Anfang Dezember 2014 über den Verkauf ihrer Kontrollbeteiligung nach Frankreich. Während Saint Gobain den Gründerfamilien eine satte Prämie zahlt, gehen die Publikumsaktionäre leer aus. Seither tobt ein erbitterter Rechtsstreit zwischen dem Verwaltungsrat und den Familienaktionären.

Wer nun dachte, dass dieser sich negativ in der Geschäftsentwicklung von Sika niederschlage, wurde allerdings eines Besseren belehrt. Das Tagesgeschäft läuft weiterhin wie geschmiert. Seit gut 18 Monaten übertrifft das Vorzeigeunternehmen regelmässig die Erwartungen.

Heute klettern die Aktien still und leise auf den höchsten Stand in der Firmengeschichte. Der Grund: Einer Offenlegungsmeldung an die Schweizer Börse SIX ist zu entnehmen, dass mit BlackRock der weltgrösste Vermögensverwalter seine Beteiligung von 3 auf 5,1 Prozent aufgestockt hat.

Über die Hintergründe dieses Zukaufs von Aktien lässt sich bloss spekulieren. Entweder ist BlackRock sehr mutig - oder aber der festen Überzeugung, dass der Verkauf der Kontrollbeteiligung an die französische Saint Gobain doch noch abgewendet werden kann. Signalwirkung hat der Beteiligungsausbau in jedem Fall.

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Einst ein gefeierter Überflieger, befinden sich die Aktien von Leonteq im Tal der Tränen. Schon seit Monaten zeigt die Kursentwicklung beim Anbieter von strukturierten Produkten nach unten. Alleine seit Anfang Jahr beläuft sich das Minus auf 50 Prozent, seit dem letzten August sogar auf über 70 Prozent.

Glück im Unglück hatte der Mitgründer Michael Hartweg. Nach seinem Ausscheiden aus dem Unternehmen trennte dieser sich Ende November von seinem Beteiligungspaket. Hartweg erhielt damals noch 150 Franken je Aktie.

Für Gesprächsstoff sorgt nun eine Offenlegungsmeldung an die Schweizer Börse SIX. Wie sich dieser entnehmen lässt, hat sich am Dienstag ein Mitglied der Geschäftsleitung von 8900 Aktien im Gegenwert von gut 640000 Franken getrennt.

Das alleine ist zwar nicht ungewöhnlich. Allerdings wirkt es befremdlich, wenn ein Geschäftsleitungsmitglied nach dem Kurseinbruch der letzten Monate nahe den Zweijahrestiefstständen Kasse macht.

Es fragt sich deshalb, ob diese Aktien nicht als Sicherheit für einen Kredit herhalten mussten und die besagte Person von der Bank zwangsexekutiert wurde. Liege ich mit dieser Vermutung richtig, wäre das  jüngste Kursdebakel absehbar gewesen (siehe Kolumne vom 17. März zu diesem Thema).

Wie die Beispiele LafargeHolcim und Aryzta zeigen, markieren Zwangsexekutionen nicht selten die kursseitige Talsohle.

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Während sich andere Banken aus der Schweiz nach Übernahmemöglichkeiten umschauen oder wie EFG International diesbezüglich sogar Nägel mit Köpfen machen, will Julius Bär aus eigener Kraft wachsen.

Erst vor wenigen Tagen verriet Boris Collardi, seines Zeichens Chef der ehrwürdigen Zürcher Bank, dass er in Asien 50 Kundenberater anstellen wolle. Weltweit sei man sogar auf der Suche nach 100 neuen Mitarbeitern.

An der Börse kommen diese Pläne gut an. Einen besseren Zeitpunkt hätte Julius Bär kaum wählen können, bauen andere Banken in Asien doch Kundenberater ab. Mit anderen Worten: Dem Unternehmen dürften die gebratenen Tauben geradezu in den Mund fliegen.

Für soviel Weitsicht und antizyklischem Denken kann man Boris Collardi nur beglückwünschen.
 

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