In einer Strategiestudie - Schweizer Aktien kommen schlecht weg

Der cash Insider weiss von einer taktischen Verkaufsempfehlung für den Schweizer Aktienmarkt zu berichten - Und: Erleichtertes Aufatmen bei Sika nach dem Kursfiasko vom Dienstag.
10.01.2019 12:30
cash Insider
Schweizer Aktien kommen schlecht weg
Bild: fotolia.com

Der cash Insider ist unter @cashInsider auch auf Twitter aktiv. Lesen Sie börsentäglich von weiteren brandaktuellen Beobachtungen am Schweizer Aktienmarkt.

+++

Zumindest an ihrer Grösse gemessen hat die Schweiz so viele Grossunternehmen hervorgebracht wie kaum ein anders Land. Angesichts des überschaubaren Heimmarktes waren die Unternehmen schon früh gezwungen, ihr Glück im Ausland zu suchen.

Allerdings gilt der Schweizer Aktienmarkt noch aus einem weiteren Grund als eine Spezialität: Am Swiss Market Index (SMI) gemessen sind die drei Schwergewichte Nestlé, Roche und Novartis für gut die Hälfte der Gesamtkapitalisierung verantwortlich.

Neben ihrer Dominanz in den hiesigen Aktienindizes haben diese Unternehmen gleich noch etwas gemeinsam: Ihre Geschäftsentwicklung gilt als weitestgehend von der Wirtschaftsentwicklung unabhängig.

Das hat allerdings zur Folge, dass Grossinvestoren dem Schweizer Aktienmarkt in ihren Wertschriftenportfolios nur einen geringen Platz einräumen - solange die Weltwirtschaft brummt. Erst wenn Rezessionsängste um sich greifen oder eine Krise ausbricht, sind Nestlé, Roche und Novartis wieder gut genug. Dieselben Grossinvestoren missbrauchen sie dann als "sichere Häfen".

Klare Worte finden die Strategen der amerikanischen Investmentbank Morgan Stanley. In einem mir aus London zugespielten Strategiepapier sprechen sie eine taktische Verkaufsempfehlung für den Schweizer Aktienmarkt aus. Letzterer sei kurzfristig überkauft und im Vergleich mit anderen europäischen Aktienmärkten teuer, so lautet die Begründung.

Interessant ist, dass diese Empfehlung in Widerspruch zu den bankeigenen Aktientipps sowie jenen anderer Banken steht.

Gestern Nachmittag trennten sich bei Roche ein oder mehrere grosse Marktakteure mittels mehrerer ausserbörslicher Blocktransaktionen von 780'000 Genussscheinen im Gegenwert von fast 200 Millionen Franken.

Wer oder was sich hinter den besagten Transaktionen verbirgt, darüber lässt sich bloss spekulieren. Ich wäre jedenfalls nicht überrascht, stünden diese Blocktransaktionen in einem direkten Zusammenhang mit der taktischen Verkaufsempfehlung aus dem Hause Morgan Stanley.

Der SPI (rot) lässt den breit gefassten Stoxx Europe 600 Index (grün) seit Jahren hinter sich zurück (Quelle: www.cash.ch)

Den Schweizer Aktienmarkt auf die drei Schwergewichte Nestlé, Roche und Novartis zu reduzieren - das können mal wieder nur die Amerikaner.

Denn bei uns am Heimmarkt sind unzählige führende Unternehmen kotiert. Und nach der einschneidenden Bewertungskorrektor der letzten Monate sind deren Aktien wieder zu vernünftigen Kursen zu haben.

Selbst mit Aktien hiesiger Turnaround-Kandidaten lässt sich Geld machen, vorausgesetzt man erwischt den richtigen Zeitpunkt. Nachdem der Schweizer Aktienmarkt die erste - wenn auch kurze - Januar-Woche mit einem Plus beendete, griff ich am vergangenen Montag bei Handelsbeginn wie vorangekündigt zu. Ich erwarb im Rahmen meiner Schweizer Aktienfavoriten für das Börsenjahr 2019 für jeweils 1500 Franken Aktien von Aryzta, GAM, Meyer Burger, AMS, Kudelski, U-blox und Autoneum. In diese Wette floss somit etwas mehr als ein Drittel der taktischen Barmittel.

Wer Mitte Dezember auf meine Kolumne zu diesem Thema hin mit etwas "Spielgeld" bei diesen Turnaround-Kandidaten einstieg, verdiente durchschnittlich bereits 8,5 Prozent (Stand Donnerstag, 10 Uhr).

Bleibt bloss zu hoffen, dass die sieben Aktien über die nächsten Wochen weiter Terrain gutmachen können.

+++

Als Sika am Dienstag die Übernahme des französischen Mörtelspezialisten Parex für umgerechnet 2,5 Milliarden Franken bekanntgab, reagierte die Börse verschnupft. Die Aktien des Bauchemieherstellers aus Baar gingen an diesem Tag um 4 Prozent tiefer aus dem Handel.

Im Zuge einer überraschenden Kurszielerhöhung durch die Credit Suisse machten die Papiere diese Scharte tags darauf mehr als wett. Auch von anderen Banken erhielten die milliardenschweren Übernahmepläne - obwohl ziemlich untypisch für Sika - mehrheitlich Zuspruch.

Jüngster Rückschlag und anschliessende Gegenbewegung bei den Aktien von Sika (Quelle: www.cash.ch)

Am Hauptsitz des Bauchemieherstellers dürfte man wohl erst einmal erleichtert aufatmen, ist ein stark rückläufiger Aktienkurs doch nicht ganz ohne. Zur Erinnerung: Im Mai letzten Jahres begab Sika eine Wandelanleihe über 1,65 Milliarden Franken. Dieser Anleihe liegen diejenigen Aktien zugrunde, die das Unternehmen dem einstigen Ankeraktionär Schenker-Winkler-Holding für viel Geld abkaufte.

Da Sika diese Aktien in den eigenen Büchern hält, trägt das Unternehmen das volle Kursrisiko, sollte der Aktienkurs längerfristig unter dem Wandelpreis der Anleihe zurückbleiben.

Das wiederum macht den Bauchemiehersteller für mächtige ausländische Leerverkäufer angreifbar, sollte die milliardenschwere Grossübernahme die hohen Erwartungen nicht erfüllen können.

Der cash Insider nimmt Marktgerüchte sowie Strategie-, Branchen- oder Unternehmensstudien auf und interpretiert diese. Marktgerüchte werden bewusst nicht auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft. Gerüchte, Spekulationen und alles, was Händler und Marktteilnehmer interessiert, sollen rasch an die Leser weitergegeben werden. Für die Richtigkeit der Inhalte wird keine Verantwortung übernommen. Die persönliche Meinung des cash Insiders muss sich nicht mit derjenigen der cash-Redaktion decken. Der cash Insider ist selber an der Börse aktiv. Nur so kann er die für diese Art von Nachrichten notwendige Marktnähe erreichen. Die geäusserten Meinungen stellen keine Kauf- oder Verkaufsempfehlungen an die Leserschaft dar.