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Endlich rät mal eine Grossbank zu Aktien aus der Schweiz

Eine amerikanische Grossbank setzt taktisch auf unseren Schweizer Aktienmarkt - angelsächsisches Kaufinteresse in den «Bons» von Roche - Und: Aktien von Nestlé unterwegs in Richtung 100 Franken?
11.01.2017 12:30
Endlich rät mal eine Grossbank zu Aktien aus der Schweiz
Bild: fotolia.com

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Noch im Dezember machten angelsächsische Grossinvestoren einen grossen Bogen um den Schweizer Aktienmarkt. In Erwartung einer wirtschaftlichen Belebung in Europa zogen sie gar Milliarden aus unserem kleinen Land ab. Zu spüren bekamen das insbesondere die drei Indexschwergewichte Nestlé, Roche und Novartis.

Umso mehr überrascht, dass die für die amerikanische Investmentbank Merrill Lynch tätigen Strategen der Kundschaft für die verbleibenden Januar-Tage zu Aktien aus der Schweiz raten. Unser Heimmarkt ist neben den Niederlanden und Spanien einer von drei Schlüsselmärkten.

Entwicklung des SPI während den vergangenen Wochen; Quelle: www.cash.ch

Punkten kann der Schweizer Aktienmarkt sowohl bei der Unternehmensgewinnentwicklung als auch bei der relativen Bewertung. Am Buchwert gemessen ist letztere im europäischen Vergleich sogar auf den attraktivsten Stand seit Jahren gefallen.

Unter den führenden Investmentbanken findet neben Merrill Lynch nur gerade die Deutsche Bank Gefallen an Aktien aus der Schweiz (siehe Kolumne vom 9. Januar). Bleibt zu hoffen, dass weitere Strategen auf unseren Heimmarkt aufmerksam werden.

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Still und leise haben sich die Bons von Roche nach ihrem Anfang Dezember erlittenen Kursrückschlag wieder nach oben gearbeitet. Erstmals seien wieder Grossinvestoren aus dem angelsächsischen Raum als Käufer in Erscheinung getreten, so heisst es aus London. Mehrere ausserbörsliche Blocktransaktionen in zwei- bis dreistelliger Millionenhöhe scheinen diesen Berichten rechtgeben zu wollen.

Ob diese Blocktransaktionen auf die taktische Kaufempfehlung von Merrill Lynch für Aktien aus der Schweiz zurückzuführen sind, liess sich auf die Schnelle nicht erhärten.

Gut möglich, dass auch die beschleunigte Zulassungsprüfung des Immuntherapeutikums Tecentriq bei fortgeschrittenem Blasenkrebs durch die amerikanische Gesundheitsbehörde FDA den Basler Pharma- und Diagnostikkonzern wieder auf den Radarschirm dortiger Grossinvestoren brachte. Ähnliches liesse sich von wiedererwachten Spekulationen rund um ein angebliches Interesse an Illumina sagen.

Ich kann mir allerdings beim besten Willen nicht vorstellen, dass Roche noch einmal beim amerikanischen Rivalen anklopft. Auf längere Sicht scheinen mir die Genussscheine jedenfalls weiterhin attraktiv.

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Wenn jemand Vorschusslorbeeren verdient hätte, dann Ulf Mark Schneider. Den Leistungsausweis bei seinem ehemaligen Arbeitgeber braucht der neue Nestlé-Chef jedenfalls nicht zu scheuen, erfuhr der Börsenwert von Fresenius unter seiner Ägide doch eine glatte Verzehnfachung.

Und dennoch hat sich die anfängliche Euphorie rund um seine Verpflichtung durch den altehrwürdigen Nahrungsmittelkonzern aus Vevey längst wieder gelegt. Jedenfalls notieren die Aktien seines neuen Arbeitgebers noch gerademal zwei Franken über den damaligen Kursen. Zumindest eine Mitschuld tragen zu Lasten defensiver Qualitätsaktien gehende Sektorrotationen.

Viele Analysten machen sich gar nicht erst die Mühe, sich gegen den Markt zu stemmen und melden sich lieber gar nicht erst zu Wort. Ganz anders der für die MainFirst Bank tätige Experte. Er bekräftigt seine Kaufempfehlung für die Valoren von Nestlé und wähnt diese unterwegs in Richtung 100 Franken.

Noch hat der SPI (grün) gegenüber den Nestlé-Aktien (rot) im 12-Monats-Vergleich die Nase vorn; Quelle: www.cash.ch

"Reculer pour mieux sauter", würde man im französischen Sprachgebrauch jetzt wohl sagen. Ins Deutsche übersetzt heisst das soviel wie: Anlauf nehmen um noch höher springen zu können.

Es dürfte kein Zufall sein, dass sich der Verwaltungsrat von Nestlé für einen externen Nachfolger des langjährigen Konzernchefs Paul Bulcke entschieden hat. Wenn jemand den Nahrungsmittelkonzern wieder auf den Wachstumspfad zurückbringen kann, dann wohl jemand wie Ulf Mark Schneider.

Mit Veränderungen im Firmenportfolio, einer Erhöhung der Fremdverschuldung, beschleunigten Kosteneinsparungen und einer besseren Kommunikation gegen aussen hat der neue Konzernchef gleich mehrere Pfeile im Köcher. Die Kunst liegt nun darin, diese Pfeile in einem möglichst günstigen Zeitpunkt abzufeuern. Gelingt ihm dieses Vorhaben, könnte der MainFirst-Analyst mit seiner Vermutung richtig liegen.

 

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