Endspiel an den Börsen - Grassierendes Übernahmefieber ist ein schlechtes Omen

Die rekordhohe Übernahmetätigkeit lässt unschöne Erinnerungen wach werden. Der cash Insider verrät, weshalb sich die Citigroup dennoch entspannt gibt. - Und: Schnappt sich Kühne + Nagel das Sorgenkind Panalpina?
11.05.2018 12:30
cash Insider
Grassierendes Übernahmefieber ist ein schlechtes Omen
Bild: fotolia.com

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Alleine in den ersten vier Monaten dieses Jahres wurden weltweit Firmenübernahmen und -zusammenschlüsse mit einem Transaktionsvolumen von 1400 Milliarden Dollar angekündigt. Das zumindest verraten Erhebungen des Beratungsunternehmens Dealogic.

Auch Firmen aus der Schweiz mischen kräftig mit. Erst vor wenigen Tagen gab Nestlé für gut 7 Milliarden Dollar die Übernahme des Handelsgeschäfts von Starbucks bekannt. Zuvor trennte sich der traditionsreiche Nahrungsmittelkonzern aus Vevey für 2,8 Milliarden Dollar vom amerikanischen Süsswarengeschäft. Käuferin war die italienische Nutella-Herstellerin Ferrero.

Dem stand Novartis in nichts nach. Der Gesundheitskonzern aus Basel fiel im laufenden Jahr schon mehrfach durch milliardenschwere Dispositionen auf, zuletzt mit der Übernahme der amerikanischen Avexis für 8,7 Milliarden Dollar. Für das nötige Bargeld sorgte der Rückzug aus einem Joint-Venture mit der britischen GlaxoSmithKline für 13 Milliarden Dollar.

UBS, Credit Suisse und anderen Investmentbanken dürfte angesichts solcher Zahlen der Mund wässrig werden - lassen Firmenübernahmen bei ihnen doch die Kommissionseinnahmen sprudeln.

Geht es im weiteren Jahresverlauf im selben Tempo weiter, verspricht 2018 ein Rekordjahr zu werden. Die bisherige Bestmarke geht ins Jahr 2007 zurück. Damals lag das Transaktionsvolumen bei 3600 Milliarden Dollar.

Für gewöhnlich sind Rekorde bei Firmenübernahmen und –zusammenschlüssen ein Vorbote für einen Stimmungsumschwung an den Aktienmärkten. Dem war nicht nur unmittelbar vor der Finanzkrise der Jahre 2007/08, sondern auch schon im Frühsommer des Jahres 2000 so.

Noch mahnt diese Häufung milliardenschwerer Firmenübernahmen für die Citigroup tätigen Aktienstrategen um Robert Buckland allerdings nicht zur Vorsicht. Und das, obwohl sie aufgrund der robusten Weltwirtschaft, der günstigen Finanzierungsmöglichkeiten sowie der guten Stimmung unter den Firmenlenkern von einer anhaltend regen Übernahmetätigkeit ausgehen.

Weltweite Übernahmettätigkeit der letzten Jahre im historischen Vergleich (Quelle: Citigroup, Dealogic)

Buckland und seine Mitarbeiter argumentieren, dass sich im letzten Jahr ein Nachholbedarf für Firmenübernahmen und –zusammenschlüsse in Höhe von 1500 Milliarden Dollar aufgestaut hat und dieser Damm nun bricht. Sie beziffern den Nachholbedarf selbst nach den Aktivitäten der zurückliegenden vier Monate noch mit 800 Milliarden Dollar. Zudem argumentieren sie mit dem eher moderaten Verhältnis zwischen dem Transaktionsvolumen und der weltweiten Börsenkapitalisierung.

Unternehmen lassen sich vor allem dann zu einer milliardenschweren Grossübernahme hinreissen, wenn das Kosteneinsparpotenzial ausgeschöpft ist und sich die Margen aus einer Kraft nicht mehr weiter steigern lassen. Für gewöhnlich ist das auf dem Höhepunkt einer langjährigen Aktienhausse oder zumindest in der unmittelbaren Nähe davon der Fall.

Ich bin deshalb nicht ganz so entspannt wie die Strategen der Citigroup, was die Signalwirkung der jüngsten Übernahmetätigkeit für die zukünftige Aktienmarktentwicklung anbetrifft...

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Es brodelt im Aktionariat von Panalpina. Eine Ergebnisenttäuschung reiht sich an die nächste. Immer wieder muss der Luftfrachtspezialist auf später vertrösten - und das seit einer gefühlten Ewigkeit.

Die Geduld langjähriger Grossaktionäre wie Cevian Capital, Artisan Partners oder Franklin Resources, sie neigt sich dem Ende zu. Lauthals verschaffen Vertreter der drei Finanzinvestoren ihrem Ärger in der Presse Luft.

Die Kritik gilt dabei nicht nur dem nur langsam greifenden Turnaround, sondern auch der Vormachtstellung der Ernst Göhner Stiftung im Aktionariat.

Obwohl bei Panalpina heute die Dividende für das vergangene Jahr in Höhe von knapp 4 Franken abgeht, notieren die Aktien im Plus.

Als treibende Kraft dahinter erweisen sich Spekulationen, wonach der Luftfrachtspezialist aus Basel vom deutlich erfolgreicheren Rivalen Kühne + Nagel übernommen werden könnte.

Auslöser der Spekulationen ist eine Branchenstudie aus dem Hause Berenberg Bank. Darin sieht Autor Joel Spungin Kostensynergien von bis zu 300 Millionen Franken zwischen den beiden Unternehmen.

Die Panalpina-Aktien (rot) im Fünfjahresvergleich mit jenen von Kühne + Nagel (grün) (Quelle: www.cash.ch)

Mit einer Übernahme von Panalpina würde Kühne + Nagel über Nacht zum führenden Luftfrachtanbieter aufsteigen und die Stellung als Nummer zwei in der Seefracht stärken.

Berechnungen von Spungin zufolge könnte Kühne + Nagel den Aktionären von Panalpina einen Aufschlag von 30 Prozent bezahlen und dennoch in den Genuss einer prozentual zweistelligen Gewinnverdichtung kommen. Eine solche Gelegenheit wird auch die Ernst Göhner Stiftung nicht an sich vorbeigehen lassen, würde sie dadurch doch zum Ankeraktionär von Kühne + Nagel aufsteigen.

Ganz uneigennützig sind die Ideen des Analysten allerdings nicht. Denn der für die Berenberg Bank tätige Spungin empfiehlt die Aktien von Panalpina seit Ende Oktober mehr oder weniger erfolglos zum Kauf...

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