Erbitterter Schlagabtausch bei den «Bons» von Roche

Der cash Insider geht der mysteriösen Kursschwäche bei Roche auf den Grund - Und: Im Zuge von Übernahmespekulationen aufgebaute Aktienpositionen werden bei Barry Callebaut vermehrt glattgestellt.
05.12.2016 12:30
cash Insider
Erbitterter Schlagabtausch bei den «Bons» von Roche
Bild: fotolia.com

Der cash Insider ist unter @cashInsider auch auf Twitter aktiv. Lesen Sie börsentäglich von weiteren brandaktuellen Beobachtungen am Schweizer Aktienmarkt.

***

Schon seit Tagen wird mir bei den Genussscheinen von Roche von einem erbitterten Schlagabtausch zwischen Haussiers und Baissiers berichtet. Im Laufe des Freitagnachmittags gelang es den Baissiers sogar, die Kursnotierungen erstmals seit mehr als drei Jahren etwas deutlicher unter 220 Franken zu drücken. Einsetzende Gelegenheitskäufe verhinderten kurz vor Börsenschluss dann allerdings Schlimmeres.

Vergangene Woche konnten beim Pharma- und Diagnostikkonzern immer wieder grössere ausserbörsliche Blocktransaktionen beobachtet werden. Alleine am Freitag waren die "Bons" von Roche an der Schweizer Börse SIX für sieben der zehn grössten Transaktionen verantwortlich. Während zwei Millionen Genussscheine im regulären Handel die Besitzer wechselten, gingen ausserbörslich weitere gut 1,3 Millionen Genussscheine um.

Kursentwicklung der Roche-Genussscheine in den letzten 12 Monaten; Quelle: www.cash.ch

Auch die regen Handelsaktivitäten in beliebten Call-Warrants wie ROGCTZ, ROGBNZ oder ROGBLZ zeugen von Grabenkämpfen zwischen den Vertretern der beiden einander nicht sehr wohlgesonnenen Lager.

Die Kursschwäche der letzten Wochen lässt sich bei Roche schon lange nicht mehr nur mit zu Lasten der europäischen Pharmawerte gehenden Sektorrotationen erklären. Alleine seit Jahresbeginn errechnet sich mittlerweile ein Minus von mehr als 20 Prozent.

Fakt ist: Sowohl Haussiers als auch Baissiers verfügen im Hinblick auf die bei wichtigen Entwicklungsprojekten anstehenden Studienergebnisse über Argumente für ihre Haltung. Allerdings haben die Baissiers einen entscheidenden Vorteil: Nichts hasst die Börse mehr als Ungewissheit - und diese lässt sich derzeit leider von keiner Geiss wegschlecken.

***

In den vergangenen Wochen rückte Barry Callebaut gleich mehrfach ins Zentrum von Übernahmespekulationen. Als potenzielle Käufer mussten - wie auch schon - die beiden finanzkräftigen Nahrungsmittelhersteller Mondelez und Hershey herhalten. Den Stein ins Rollen brachte rückblickend ein bekannter deutscher Börsenbrief.

Mit der Berufung von Patrick De Maeseneire an die Spitze des Verwaltungsrats verpasste allerdings der Schokoladehersteller aus Zürich den Spekulanten selbst eine kalte Dusche. Denn auch wenn Andreas Jacobs nicht mehr selber dem Verwaltungsrat vorsitzt, dann wenigstens ein Vertreter der Familie Jacobs. De Maeseneire ist übrigens kein unbeschriebenes Blatt, war er doch lange Jahre als Konzernchef für Barry Callebaut tätig.

Kursentwicklung der Aktien von Barry Callebaut seit Anfang Juli; Quelle: www.cash.ch

Angeblich finden die über Wochen hinweg spekulativ aufgebauten Titelpositionen wieder ihren Weg auf den Markt, so wissen mir alteingesessene Börsenhändler zu berichten. Das überrascht nicht, machen doch weder Mondelez noch Hershey Anstalten für eine Rückwärtsintegration entlang der Wertschöpfungskette.

Zusätzliches Öl ins Feuer goss am Freitag der für Goldman Sachs tätige Autor einer Studie zum europäischen Nahrungsmittelsektor. Darin stufte er die Aktien von Barry Callebaut mit einem 1100 Franken lautenden 12-Monats-Kursziel von "Neutral" auf "Sell" herunter. Der Analyst hält sowohl die Konsenserwartungen als auch die Bewertungsprämie gegenüber anderen Rivalen für zu hoch. Auf Basis des operativen Gewinns (EBIT) liegt er mit seinen Prognosen für die kommenden Jahre um bis zu 6 Prozent unter den jeweiligen Schätzungen seiner Berufskollegen.

So hätte sichs allerdings auch schon Mitte Oktober argumentieren lassen, als diese Valoren mit 1348 Franken vorübergehend auf den höchsten Stand in der traditionsreichen Firmengeschichte des Schokoladeherstellers aus Zürich kletterten. Die vorliegende Verkaufsempfehlung kommt damit ganze sechs Wochen und knapp 150 Kursfranken zu spät.
 

Der cash Insider nimmt Marktgerüchte sowie Strategie-, Branchen- oder Unternehmensstudien auf und interpretiert diese. Marktgerüchte werden bewusst nicht auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft. Gerüchte, Spekulationen und alles, was Händler und Marktteilnehmer interessiert, sollen rasch an die Leser weitergegeben werden. Für die Richtigkeit der Inhalte wird keine Verantwortung übernommen. Die persönliche Meinung des cash Insiders muss sich nicht mit derjenigen der cash-Redaktion decken. Der cash Insider ist selber an der Börse aktiv. Nur so kann er die für diese Art von Nachrichten notwendige Marktnähe erreichen. Die geäusserten Meinungen stellen keine Kauf- oder Verkaufsempfehlungen an die Leserschaft dar.