Erwischt Logitech Baissiers auf dem falschen Fuss?

Logitech könnte die Baissiers am morgigen Investorentag auf dem falschen Fuss erwischen - Syngenta droht Margendruck - Und: Steht Novartis am Anfang eines weitreichenden Konzernumbaus?
22.05.2013 12:30
cash Insider
Erwischt Logitech Baissiers auf dem falschen Fuss?

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Schon seit Monaten befinden sich die Namenaktien von Logitech in einem Stimmungstief. Nur wenige Monate nach seinem Amtsantritt musste CEO Bracken Darrell Ende April mit einer Ergebnisenttäuschung und einem ernüchternden Ausblick aufwarten.

Wenig überraschend blickt man im Berufshandel deshalb gespannt in Richtung Zürich. Dort wird das in Ungnade gefallene Westschweizer Unternehmen morgen den diesjährigen Investorentag abhalten. Die Erwartungshaltung der Aktionäre ist gedämpft, haben sich die Firmenverantwortlichen für die geplanten Bereichsverkäufe doch bis Ende Jahr Zeit ausbedungen.

Gerade deshalb sollten die Baissiers auf der Hut sein, liegen die Aktien von Logitech doch auf dem tiefsten Stand in über zwölf Jahren. Und selten zuvor spekulierten Baissiers stärker auf eine Fortsetzung der seit über zwei Jahren beobachteten Talfahrt.

Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass noch viel Arbeit auf die Verantwortlichen von Logitech wartet. Können sie morgen allerdings mit Fortschritten auf der Kostenseite oder den geplanten Bereichsverkäufen aufwarten, erwischen sie die zahlreichen Baissiers möglicherweise auf dem falschen Fuss. Zumindest aus Sicht der leidgeplagten Aktionäre wäre dies den Westschweizern durchaus zu wünschen.

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Schon seit Tagen haben die Namenaktien von Syngenta einen eher schweren Stand. Als belastend erweist sich der Preiszerfall an den Getreidemärkten, weisen die Papiere des Basler Agrarchemieherstellers doch seit je eine hohe Abhängigkeit von diesen auf.

In einem Kommentar giesst der für die Bank Sarasin tätige Verfasser zusätzlich Öl ins Feuer. Der Experte zieht von den Mitte April veröffentlichten Quartalsumsatzzahlen negative Rückschlüsse auf die Margenentwicklung. Denn im hoch rentablen Geschäft mit Fungiziden und Insektiziden sei der Umsatz in den ersten drei Monaten des laufenden Geschäftsjahres kaum gewachsen. Dadurch habe sich die Umsatzzusammensetzung in Richtung tiefermargiger Produktkategorien verschoben, so die Befürchtung des Experten.

Aufgrund günstiger Witterungsbedingungen in Nordamerika sei an den Getreidemärkten mit einem Überangebot zu rechnen. Gleichzeitig sorge die geringere Nachfrage nach Biokraftstoffen für eine ebensolche beim Getreide. Vor dem Hintergrund der mittlerweile stolzen Bewertung sieht sich der Experte deshalb zu einer Rückstufung der Aktien von Syngenta von «Neutral» auf «Reduce» veranlasst.

Es bedarf schon einiges an Mut, eine Verkaufsempfehlung für die Papiere des Börsenlieblings auszusprechen. Umso mehr muss ich dem Experten der Bank Sarasin für seinen Mut gratulieren und hoffe, dass die Verkaufsempfehlung aufgeht.

Die Chancen stehen nicht schlecht, haben die Aktien von Syngenta doch schon Anfang April den seit Mitte August 2010 entstandenen Aufwärtstrendkanal gebrochen. Darüber hinaus ist über die letzten Monate eine sogenannte Schulter-Kopf-Schulter-Formation entstanden. Wird die bei 383 Franken verlaufende Nackenlinie dieser charttechnischen Trendumkehrformation verletzt, droht gemäss Lehrbuch ein Rückschlag in die Region von 350 Franken.

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Die Aktionäre von Novartis können aufatmen: Nachdem sich Actavis und Warner Chilcott gefunden haben, ist die Gefahr einer weiteren Grossübernahme aus Sicht der Basler zumindest fürs erste gebannt. Denn in der amerikanischen Finanzpresse wurde in den letzten Wochen auch Novartis ein Interesse an Actavis nachgesagt.

Einem mir aus dem Berufshandel zugespielten Kommentar von BNP Paribas entnehme ich, dass der Verfasser eine Verstärkung des eigenen Generikageschäfts begrüsst hätte. Unter der Annahme eines Übernahmepreises von 140 Dollar je Aktie, einer Nettoverschuldung von 6 Milliarden Dollar und Kostensynergien im Umfang von 632 Millionen Dollar hätte Novartis dem Experten zufolge sogar eine Gewinnverdichtung erreicht.

In der Vergangenheit erhielt Novartis für Grossübernahmen selten Applaus. Meist wurde den Baslern grössere Firmentransaktionen sogar negativ ausgelegt. Anders als viele Mitbewerber ist Novartis heute sehr breit aufgestellt. Ich schliesse nicht aus, dass das Unternehmen nach dem Rücktritt des Übervaters Daniel Vasella als Verwaltungsratspräsident einem weitreichenden Umbau unterzogen wird. Zumindest die an Roche gehaltene Beteiligung dürfte wohl zur Disposition stehen. Und auch vom Geschäft mit Tiermedizin oder Impfstoffen könnten sich die Basler früher oder später trennen. Aus Aktionärssicht ist diesbezüglich jedenfalls für Fantasie gesorgt.