ESC-Fachkongress - Novartis-Aktie vor einem starken Kursausschlag

Der cash Insider sagt, weshalb das Indexschwergewicht Novartis auf unruhige Gewässer zusteuert - Und: Kepler Cheuvreux nennt die Schweizer Gewinneraktien eines nachhaltig erstarkten Euro.
09.08.2017 12:30
cash Insider
Novartis-Aktie vor einem starken Kursausschlag
Bild: fotolia.com

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Als Novartis vor sechs Wochen erste Studienergebnisse zu Ilaris vorlegte, wurden die Aktien des Gesundheitskonzerns aus Basel mit einem Kursfeuerwerk belohnt. Alleine an diesem einen Tag steuerte das Schwergewicht dem Swiss Market Index (SMI) knapp 100 Punkte bei.

Der Grund: In Versuchsreihen gelang den Forschern von Novartis, was den Vertretern dieser Berufsgruppe bei anderen Pharmaherstellern bisweilen verwehrt blieb: Wurde Patienten nach einer Herzattacke präventiv Ilaris verabreicht, verringerte sich ihr Risiko einer erneuten Attacke.

Experten schätzen den Markt, der sich den Baslern als einziger Anbieter eines solchen Präparats eröffnen würde, auf jährlich bis zu 10 Milliarden Dollar.

Vorausgesetzt, Novartis kann am diesjährigen Fachkongress der European Society of Cardiology (ESC) im spanischen Barcelona mit überzeugenden Studiendetails zu Ilaris nachlegen. Noch ist nämlich unklar, in welchem Ausmass sich das Risiko einer erneuten Herzattacke mit dem Medikament reduzieren lässt und wie hoch das Präparat dosiert wird.

Erst anhand dieser Detailinformationen - sie stehen am 27. August zur Veröffentlichung an - lässt sich das kommerzielle Potenzial von Ilaris grob abschätzen. Je nachdem welchen Analysten man fragt, wird der Jahresumsatz des Präparats eines schönen Tages auf 1 bis 6 Milliarden Dollar heranwachsen. Gerade die Prognosenspanne lässt allerdings eine gewisse Ratlosigkeit erahnen.

Bleibt zu hoffen, dass es Novartis besser ergeht als dem Erzrivalen Roche vor wenigen Wochen. Als dieser Anfang März ermutigende Studienergebnisse zum Krebsmedikament Perjeta vorlegte, gingen die Genussscheine um gut 5 Prozent höher aus dem Handel. Ziemlich genau zwei Monate später folgte die kalte Dusche. Weil die Studiendetails den hohen Erwartungen nur teilweise gerecht wurden, hiess es für die Valoren des traditionsreichen Pharma- und Diagnostikkonzerns kurzum: zurück auf Start.

Die Novartis-Aktien (rot) im Vergleich mit den Genussscheinen von Roche (grün) (Quelle: www.cash.ch).

Ähnliches könnte am 27. August gegebenenfalls auch den Aktien von Novartis drohen, auch wenn die Ausgangslage eine etwas andere ist, ging zwischenzeitlich doch gut Hälfte des Kursfeuerwerks wieder verloren.

Nichtsdestotrotz werde ich bei meinen Schweizer Aktienfavoriten für das Börsenjahr 2017 die Novartis-Position gut eine Woche vor dem diesjährigen ESC-Fachkongress über den Put-Warrant WNOB4V auf die Studiendetails zu Ilaris hin absichern. Das Gute an dieser Form sich abzusichern ist, dass man als Anleger bei überzeugenden Studienergebnissen trotzdem an steigenden Kursen mitverdient.

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Wer dachte, dass das jüngste Aufbäumen des Euro gegenüber dem Franken bloss ein Strohfeuer sei, der wurde bisweilen eines Besseren belehrt. Nach einem Vorstoss bis auf 1,1538 Franken hat sich die europäische Einheitswährung zwischen 1,13 und 1,15 Franken eingependelt.

Langjährige Skeptiker wie der für die Commerzbank tätige Währungsstratege sahen sich bei ihren Prognosen für den Franken gar zu einer Kapitulation gezwungen (siehe gestrige Kolumne).

Jetzt, da klar scheint, dass der Euro nicht einfach so mir nichts, dir nichts wieder auf 1,10 Franken zurückfällt, bläst man im hiesigen Berufshandel endlich zur Jagd auf die Gewinner der in den letzten Wochen beobachteten Verschiebungen im Währungsgefüge.

In einem mir zugespielten Strategiepapier zu diesem Thema nennen die für Kepler Cheuvreux tätigen Autoren Aktien von Unternehmen, die vom starken Euro profitieren. Die Goldmedaille geht dabei an Geberit. Bankeigenen Berechnungen zufolge schlägt ein um 10 Prozent höherer Euro-Franken-Kurs beim Sanitärtechnikkonzern im selben Umfang auf den Gewinn je Aktie durch, gefolgt von jeweils 7 Prozent bei Straumann, Feintool und Sonova.

Der EUR/CHF (rot) im Vergleich mit dem USD/CHF (grün) (Quelle: www.cash.ch).

Auffällig ist, dass der im Gegenzug schwächere Dollar zumindest bei Geberit und Feintool kaum auf die Gewinnentwicklung drückt.

Ebenfalls von einem stärkeren Euro profitieren die SFS Group, die Partners Group, Georg Fischer und Sulzer. Während bei der SFS Group und der Partners Group die Hälfte dieses Effekts aufgrund des schwachen Greenbacks zunichte gemacht wird, erweisen sich die jüngsten Verschiebungen im Währungsgefüge aus Sicht von Sulzer gar als ein Nullsummenspiel.

Mit in diese Thematik hinein spielt auch, ob sich die Unternehmen ganz oder zumindest teilweise gegen Währungsfluktuationen absichern. Jetzt auf die Aktien vermeintlicher Gewinner zu setzen, kann sich demnach rückblickend auch als trügerisch erweisen.
 

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