Euro-Franken-Kurs - Grossbank verdient an einer Wette gegen den Schweizer Franken

Eine mächtige amerikanische Grossbank verdient kräftig an einer Wette gegen den Franken - Und: Der wahre Grund, weshalb die Aktien von Clariant gerne leerverkauft werden.
03.08.2017 12:30
cash Insider
Grossbank verdient an einer Wette gegen den Schweizer Franken
Bild: fotolia.com

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Lange musste sich die Schweizerische Nationalbank (SNB) beim Franken mit aller Kraft gegen die Märkte stemmen. Nun sind es ausgerechnet die Märkte selber, die ihr sogar in die Hände spielen.

In den letzten Tagen schoss der Euro regelrecht nach oben und kletterte bei 1,1520 Franken vorübergehend auf den höchsten Stand seit der überraschenden Aufgabe des Mindestkurses von Mitte Januar vor zwei Jahren. Und das ganz ohne das Zutun der Schweizer Währungshüter, wie die wöchentlich veröffentlichten Sichteinlagen der Geschäftsbanken zeigen.

Das dürfte vor allem die Währungsstrategen der amerikanischen Investmentbank Merrill Lynch freuen. Sie hatten ihren Anlagekunden erst vor wenigen Wochen zu einer Derivatwette auf die norwegische Krone und gegen den Franken geraten. Diese Wette wird nun mit einem satten Gewinn geschlossen.

Die Experten halten die jüngste Frankenschwäche denn auch für etwas gar übertrieben und glauben nicht, dass der Euro dauerhaft auf über 1,15 Franken steigt. Um dieser Meinung den nötigen Nachdruck zu verleihen, bekräftigen sie ihr bisheriges Jahresendziel, das bei gerade mal 1,12 Franken liegt.

Die Marktentwicklung nimmt der SNB beim EUR/CHF die Arbeit ab (Quelle: www.cash.ch).

Nach Jahren erbitterter Interventionen türmen sich in der Bilanz der SNB Fremdwährungsreserven in Höhe von fast 700 Milliarden Franken auf. Das entspricht mehr als der Schweizer Wirtschaftsleistung eines ganzen Jahres.

Die Währungsstrategen der Deutschen Bank sehen die SNB an ihrem Ziel angelangt und schliessen nicht länger aus, dass diese die Frankenschwäche gegebenenfalls sogar zur Reduktion ihrer Fremdwährungsreserven nutzen könnte.

Ein solches Unterfangen scheint mir zum jetzigen Zeitpunkt allerdings noch ziemlich heikel. Nicht auszudenken, was wäre, würde sich am Markt herumsprechen, dass die SNB als Käuferin von Franken in Erscheinung tritt...

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Erstmals erscheinen die Aktien von Clariant beim Beratungsunternehmen Markit auf der Liste der zehn am häufigsten geliehenen Titel an der Schweizer Börse SIX. Innerhalb gerade mal eines Monats schwoll die Zahl um 75 Prozent auf 12,2 Prozent aller ausstehenden Aktien an.

Es gibt nur einen Grund, weshalb sich jemand in einem solchen Ausmass Titel leiht: Um diese leerzuverkaufen und damit auf rückläufige Kurse zu wetten. Für die Leerverkäufer sei denn auch klar, dass sich White Tale nicht durchsetzen werde, so der nur von wenig Kreativität zeugende Erklärungsversuch.

Die Clariant-Aktien (rot) im Vergleich mit jenen von Huntsman (grün) (Quelle: www.cash.ch).

Die oppositionelle Aktionärsgruppe stellt sich gegen den geplanten Zusammenschluss des Basler Spezialitätenchemieherstellers mit seinem amerikanischen Rivalen Huntsman. Deshalb fordert sie eine Nachbesserung des Umtauschverhältnisses zugunsten von Clariant oder einen Verkauf des Unternehmens an den Meistbietenden.

Ich selber vermute weniger Wetten gegen Clariant, als vielmehr Arbitragetransaktionen zwischen den Aktien der beiden heiratswilligen Unternehmen hinter dem starken Anstieg ausgeliehener Titel (siehe auch meine Kolumne vom 19. Juni).

Wenn Hedgefonds Aktien von Huntsman kaufen und im Gegenzug jene von Clariant leerverkaufen, gibt das den jüngsten Erhebungen von Markit eine völlig andere Bedeutung.

Deshalb bleibe ich dabei: Wie auch immer der Machtkampf zwischen dem Spezialitätenchemiekonzern aus Basel und dem oppositionellen Finanzinvestor White Tale ausgehen wird - die übrigen Aktionäre können fast nur gewinnen. Denn sollte der Zusammenschluss mit der amerikanischen Huntsman zustandekommen, winken umfangreiche Synergien. Erst kürzlich liess Clariant durchblicken, dass über die als konservativ eingeschätzten Synergien von 400 Millionen Dollar jährlich ein organischer Wachstumsschub von 2 Prozentpunkten zu erwarten sei. Trennt sich das kombinierte Unternehmen von margenschwachen Geschäftsbereichen - wie das die Basler selber in den letzten Jahren vorgelebt haben - sind der Schaffung von Aktionärswerten kaum Grenzen gesetzt. Kann White Tale hingegen andere namhafte Anteilseigner für die eigene Sache gewinnen, muss eine attraktive Gegenofferte eines Drittunternehmens her.
 

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