Fällt Swatch-Aktie um weitere 40 Prozent?

Morgan Stanley sorgt bei der Swatch Group für Wasser auf die Mühlen ausländischer Leerverkäufer - Leonteq-Grossaktionär beweist Mut und kauft zu - Und: Bald eine weitere Kaufempfehlung für die Zurich-Aktien?
11.07.2016 12:30
cash Insider
Fällt Swatch-Aktie um weitere 40 Prozent?
Bild: fotolia.com

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Das Börsenjahr 2016 ist zwar erst gute sechs Monate alt. Für die Aktionäre der Swatch Group ist es aber schon heute ein Jahr zum Vergessen. Ziemlich genau 20 Prozent hat der in Neuenburg beheimatete Luxusgüterkonzern an der Börse alleine seit Anfang Jahr an Wert verloren.

Während das den in den letzten Jahren nicht gerade erfolgsverwöhnten Anteilseignern Tränen der Verzweiflung in die Augen treibt, können die vorwiegend ausländischen Leerverkäufer die Champagnerkorken knallen lassen. Des einen Freud‘ ist des anderen Leid - nirgendwo sonst passt dieses Sprichwort besser hin als an die Börse.

Wie Erhebungen des Beratungsunternehmens Markit zeigen, wurde mit Stand von Ende Juni mit 26 Prozent der ausstehenden Inhaberaktien gegen die Swatch Group spekuliert. Zwar hatten ausländische Hedgefonds in den vergangenen Monaten sogar noch höhere Wetten laufen. Mehr gibt die Wertpapierleihe derzeit jedoch nicht her. Das macht den Luxusgüterkonzern zum am meisten leerverkauften Unternehmen an der Schweizer Börse SIX.

In einer aktuellen Studie zur europäischen Luxusgüterindustrie sorgt die für Morgan Stanley tätige Verfasserin für Wasser auf die Mühlen der Leerverkäufer. Sie unterzieht ihre Gewinnschätzungen für die Swatch Group einmal mehr einer substanziellen Abwärtsrevision. Dadurch fällt das Kursziel für die mit "Underweight" zum Verkauf empfohlenen Inhaberaktien auf 250 (300) Franken.

Die Analystin macht kein Geheimnis daraus, dass sie den Aktienkurs unter Umständen sogar auf 167 Franken fallen sieht. Vom Schlussstand vom Freitag aus betrachtet wäre das noch einmal ein Minus von ziemlich genau 40 Prozent.

Ein erster Vorgeschmack, ob diese düstere Prognose auch nur im Ansatz realistisch ist, werden die Umsatzzahlen für die erste Jahreshälfte zeigen. In der Vergangenheit haben sich Geschäftsleitung und Verwaltungsrat der Swatch Group regelrecht einen Sport draus gemacht, die ungeliebten Aktienanalysten über den Zeitpunkt von Ergebnisveröffentlichungen im Unklaren zu lassen. Verhält es sich wie im Sommer letzten Jahres, stehen die Halbjahresumsatzzahlen schon in den nächsten Tagen an.

Diesbezüglich liegen mir bisweilen nur die Schätzungen der Bank Vontobel vor. Bei der Traditionsbank aus Zürich geht man von einem um 7,2 Prozent tieferen Semesterumsatz von 3,89 Milliarden Franken aus. Dabei sollte ein operativer Gewinn von 585 Millionen Franken und ein Reingewinn von 451 Millionen Franken resultieren. Die Schweizer Uhrenexportstatistiken lassen jedenfalls nichts Gutes erahnen.

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Die Rechnung scheint aufzugehen: Seit Leonteq die Schweizer Börse SIX über den Einstieg von Veraison informiert hat, sind die Aktien des Anbieters strukturierter Produkte um fast 20 Prozent gestiegen.

Das liegt zum einen daran, dass der neue Grossaktionär hierzulande kein unbeschriebenes Blatt ist. Die Beteiligungsgesellschaft, die vom ehemaligen Sonova-Chef Valentin Chapero mitgegründet wurde, hält unter anderem auch an Komax und Ascom substanzielle Aktienpakete und ist für eine aktive Rolle als Aktionär bekannt (siehe Kolumne vom 7. Juli).

Zum anderen lasse ich mir von Händlern sagen, dass Veraison bei Leonteq weiter zugekauft habe. Das ist mutig, wird seit Freitag an der Börse doch auf eine weitere Ergebnisenttäuschung spekuliert. Das zumindest weiss die Zürcher Privatbank Rahn+Bodmer zu berichten.

Die Aktionäre müssen sich noch bis zum 21. Juli in Geduld üben. Erst dann legt das Unternehmen den Zahlenkranz für die erste Jahreshälfte vor. Handelsstatistiken der Schweizer Börse SIX für strukturierte Produkte lassen keine Zweifel offen, dass die letzten Monate sehr schwierig waren. Aber vielleicht gilt ja einmal mehr: Sell the rumour, buy the news.

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Gut vier Monate ist es her, dass Mario Greco bei der Zurich Insurance Group das Ruder übernommen hat. Langweilig wird ihm bestimmt nicht, drückt der Schuh bei seinem neuen Arbeitgeber doch gleich an mehreren Stellen.

Wie man aus dem Umfeld des traditionsreichen Versicherungskonzerns vernehmen kann, nimmt Greco sich den Problemen allerdings mit aller Kraft an. Erste Erfolge konnte er bereits anlässlich der Quartalsberichterstattung von Mitte Mai präsentieren - weitere dürften folgen.

Interessantes entnehme ich einer Rückmeldung von einem Gespräch der für Morgan Stanley tätigen Versicherungsanalystin und dem neuen Konzernchef. Auch wenn sich die beiden nicht auf eine Tasse Espresso trafen, sondern sich nur mittels einer Videokonferenz austauschen konnten, weiss die Expertin Beruhigendes zu berichten.

Was das Eigenkapital und die Reservepolitik anbetrifft, so kann Entwarnung gegeben werden. Die Geschäftsfranchise sei intakt, signifikantes Potenzial für Verbesserungen vorhanden und die bisherige Dividendenpolitik durch die Barmittelgenerierung gedeckt, so lautet die Botschaft von Mario Greco.

Nachdem die Zurich Insurance Group die Analystenerwartungen Mitte Mai zum ersten Mal seit Jahren wieder übertreffen konnte, zeichnet sich mittlerweile auch ein solides zweites Quartal ab. Dem neuen Konzernchef wäre es zu gönnen, könnte er an das vorangegangene Quartal anknüpfen.

Gewicht hat diese mir aus London zugespielte Rückmeldung von Morgan Stanley nicht zuletzt auch deshalb, weil die mächtige amerikanische Investmentbank die Aktien des Versicherungskonzerns derzeit gar nicht offiziell mitverfolgt. Es riecht aber förmlich nach einer baldigen Wiederabdeckung, vermutlich mit einer Kaufempfehlung für die Valoren.

 

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