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Favoritenwechsel bei den Finanzwerten aus der Schweiz

Der cash Insider berichtet von einem sich abzeichnenden Favoritenwechsel bei den Finanzwerten aus der Schweiz - Und: Eine erste Rochade bei den Schweizer Aktienfavoriten.
06.01.2017 12:30
Favoritenwechsel bei den Finanzwerten aus der Schweiz
Bild: fotolia.com

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Auch bei uns am Schweizer Aktienmarkt liess sich mit Finanzwerten in den letzten Wochen sehr viel Geld verdienen - sofern man sich nicht schon lange vor der überraschenden Wahl des Republikaners Donald Trump zum nächsten Präsidenten der Vereinigten Staaten von Anfang November engagiert hat. In diesem Zusammenhang liesse sich nämlich bestenfalls von "einem Tropfen auf den heissen Stein" sprechen.

In einer mir aus London zugespielten Strategiestudie von Kepler Cheuvreux geben sich die Autoren zuversichtlich, dass sich die jüngsten Sektorrotationen noch bis in den Sommer hineinziehen. Ihre Schlüsselbotschaft: Erst wenn die Rendite zehnjähriger amerikanischer Staatsanleihen auf über 3 Prozent steigt, könnte die Angst vor Kreditausfällen die Feierlaune bei den Finanzwerten trüben. Zur Stunde liegt die Rendite allerdings erst bei 2,33 Prozent.

Dennoch nehmen die Experten in der Studie vorsorglich schon mal Anpassungen bei ihren Schlüsselempfehlungen vor. Neu setzen sie die mit "Reduce" und einem Kursziel von 43 Franken eingestuften Aktien von Julius Bär auf die "Least Preferred Stocks List". Dort findet sich mit jenen der UBS bereits ein prominenter Vertreter aus unserer Heimat wieder, was mit dem Untergewicht bei Schweizer Aktien sowie mit dem für Vermögensverwalter schwierigen Umfeld begründet wird.

Weiterhin fest im Sattel sitzen hingegen die weiterhin auf der „Most Preferred List“ geführten Valoren der Credit Suisse. Regelmässige Leserinnen und Leser meiner Kolumne wissen jedoch, dass ich die wieder erwachte Zuversicht rund um die kleinere der beiden Schweizer Grossbanken nicht teile (siehe gestrige Kolumne).

Die Aktien der ehemaligen Tochter GAM (grün) hinken jenen von Julius Bär hinterher; Quelle: www.cash.ch

Hart ins Gericht geht heute der für die Citigroup tätige Berufskollege mit den Aktien des Fondsanbieters GAM. Nach dem jüngsten Höhenflug stuft er sie von "Hold" auf "Sell" herunter. Das neu 10,20 (9,80) Franken lautende Kursziel lässt einen Rückschlag um nicht weniger als 17 Prozent erahnen.

Wie der Experte schreibt, nimmt das Kurs- und Bewertungsniveau der ehemaligen Julius-Bär-Tochter eine Belebung der Geschäftsentwicklung vorweg, welche sich womöglich gar nicht realisieren lasse. Die Aktien von GAM werden bei der Citigroup folglich sogar als Schlüsselverkaufsempfehlung bezeichnet.

Für gewöhnlich dauern Trends an den Finanzmärkten länger als gedacht, was auch für die schon seit Wochen zu beobachtenden Sektorrotationen gelten dürfte. Allerdings gibt es keine Zweifel daran, dass die goldenen Tage in der Vermögensverwaltung wohl endgültig der Vergangenheit angehören.

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Seit gestern Nachmittag liefern sich die Haussiers und Baissiers in den Aktien von Ascom einen erbitterten Schlagabtausch. Stein des Anstosses ist ein Bericht in der Schwedischen Tagespresse, wonach es im Karolinska-Krankenhaus in Stockholm nach der Einführung des drahtlosen Alarm- und Kommunikationssystem Myco im November wiederholt zu falschen Alarmauslösungen gekommen sei. In Bericht werden die Probleme sogar für das Versterben einer Patientin verantwortlich gemacht.

So vage die Informationen zur Stunde noch sind, so unterschiedlich fallen die Reaktionen aus der Analystengemeinde aus. Der für die UBS tätige Experte zögert nicht lange und nimmt sowohl seine Kaufempfehlung als auch das 20 Franken lautende 12-Monats-Kursziel für die Valoren des Telekommunikationsunternehmens aus Bern in negative Revision. Er befürchtet nun ein weiteres Übergangsjahr für Ascom.

Die Aktien der ehemaligen Tochter GAM (grün) hinken jenen von Julius Bär hinterher; Quelle: www.cash.ch

Etwas differenzierter äussert sich sein Berufskollege von der MainFirst Bank. Er schreibt, dass solche Probleme bei Grossprojekten wie demjenigen in Stockholm nicht ungewöhnlich seien. Der Experte selber vermutet die Probleme übrigens nicht bei Myco selber, weshalb er sich eine klärende Stellungnahme des Unternehmens selber erhofft. Die Aktien von Ascom werden bei der MainFirst Bank weiterhin mit "Outperform" und einem Kursziel von 21 Franken empfohlen und zu den Favoriten gezählt (siehe Kolumne vom 4. Januar).

Bad publicity is better than no publicity, würde man mir in angelsächsischen Kreisen jetzt wohl entgegnen - was ins Deutsche übersetzt im übertragenen Sinne soviel heisst wie: Jede Presse ist gut, auch wenn sie schlecht ist.

Fakt ist allerdings: Für Ascom ist das Karolinska-Projekt ein Vorzeigeprojekt. Sollten sich die Probleme mit dem Schlüsselprodukt Myco bestätigen, wäre das nach der strategischen Neuausrichtung der letzten Jahre ein ziemlich herber Rückschlag für das Unternehmen.

Aus diesem Grund ersetze ich die Aktien von Ascom auf der Liste meiner Aktienfavoriten für das Börsenjahr 2017 mit jenen von u-blox.

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