Firmenübernahme - Actelion bietet sich für allerletzte kurze Wette an

Die deutsche Commerzbank sieht die Schweizerische Nationalbank einen kapitalen Fehler machen und warnt vor dessen Folgen - Und: Bieten sich die Aktien von Actelion für eine allerletzte kurze Wette an?
02.05.2017 12:30
cash Insider
Actelion bietet sich für allerletzte kurze Wette an
Bild: fotolia.com

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Gerade im angelsächsischen Raum wird der Schweizerischen Nationalbank (SNB) nachgesagt, sie sei der wohl weltgrösste Hedgefonds. Das haben sich unsere Währungshüter selber zuzuschreiben. Im Zuge ihres Kampfes gegen den starken Franken türmen sich in ihrer Bilanz Fremdwährungsreserven im schwindelerregenden Gegenwert von 683 Milliarden Franken auf. Und diese wollen angelegt sein.

Deshalb hält die SNB mittlerweile sogar mehr Facebook-Aktien als Firmengründer Mark Zuckerberg. Mit Erfolg: Wie seit letzter Woche bekannt ist, erzielte sie alleine in den ersten drei Monaten einen Gewinn von fast 8 Milliarden Franken.

Wie der für die Commerzbank tätige Währungsstratege schreibt, ist die SNB denn auch die einzige Zentralbank weltweit, die von Gesetzes wegen Gewinne erzielen muss. Er spricht damit die jährliche Ausschüttung an die Kantone sowie die vorgeschriebene Bildung von Rückstellungen an.

Seit sich die SNB im Januar 2015 in einer Nacht-und-Nebel-Aktion zur Aufgabe des Mindestkurses gegenüber dem Euro gezwungen sah, geizt der Commerzbank-Stratege nicht mit Kritik an der Schweizerischen Geldpolitik.

Schon seit Tagen notiert der Euro gegenüber dem Franken in der Nähe der Jahreshöchststände (Quelle: www.cash.ch)

Angriffsfläche bieten ihm insbesondere die jüngst bekanntgegebenen Neuerungen zur Gewinnverwendung, namentlich die geplante Bildung von Reserven. In diesen sieht er einen kapitalen Fehler, der den geldpolitischen Handlungsspielraum der SNB auf längere Sicht schmälert und sich im Kampf gegen den starken Franken rächen könnte. Mit anderen Worten: Die Abwärtsrisiken für den Euro-Franken-Kurs werden dadurch grösser.

Das wiederum passt gut zu den Währungsprognosen des Strategen, sieht er die europäische Einheitswährung bis in den Juni hinein doch auf 1,05 Franken und im weiteren Jahresverlauf sogar auf die Parität von eins-zu-eins tauchen.

Mit diesen Prognosen steht der für die Commerzbank tätige Experte allerdings ziemlich alleine da. Viele seiner Berufskollegen rechnen spätestens nach der Stichwahl in Frankreich vom kommenden Wochenende mit einer weiteren Entspannung beim Franken.

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Seit Donnerstagmorgen wissen wir: Die Übernahme von Actelion durch Johnson&Johnson ist zustande gekommen. Insgesamt haben knapp 93 Prozent der Aktionäre vom Angebot Gebrauch gemacht und den Amerikanern ihre Titel angedient. Sie erhalten voraussichtlich noch vor Ende des zweiten Quartals jeweils 280 Dollar in bar sowie einen Anteil der als eigenständiges Unternehmen an die Börse gebrachten Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten für jede Aktie.

Was mit den nicht angedienten Aktien geschieht, darüber hüllen sich die involvierten Parteien vorerst in Schweigen. Man behalte sich das Recht vor, um die Dekotierung der Aktien ersuchen und die nicht angedienten Aktien kraftlos erklären oder im Rahmen einer Abfindungsfusion zwangsweise abfinden zu lassen, so schreibt Johnson&Johnson in einer Pressemitteilung.

Eine Kraftloserklärung können die Amerikaner gemäss Börsengesetz allerdings erst dann verlangen, wenn sie mehr als 98 Prozent aller Stimmen auf sich vereinen. Das ist bei Actelion ganz offensichtlich nicht der Fall.

Dennoch sorgte der Kursrutsch der letzten Tage bei den verbleibenden Aktionären für Unbehagen. Eine mögliche Erklärung liefert das Ausscheiden des Baselbieter Pharmaherstellers aus dem Swiss Market Index (SMI). Berechnungen der UBS zufolge müssen sich indexorientierte Investoren bis zum heutigen Börsenschluss von mehr als 6,2 Millionen Aktien trennen.

Indexbedingte Verkäufe setzen den Aktien von Actelion sichtlich zu (Quelle: www.cash.ch)

Wie mir aus London berichtet wird, haben einige dieser Investoren ihre Aktienpakete absichtlich nicht angedient, um die Indexanpassungen ohne grossen Verzögerungen umsetzen zu können. Das würde zumindest den weit über die Folgen des fluktuierenden Dollars hinausgehenden Verkaufsdruck erklären.

Unklar bleibt, ob die verbleibenden Aktionäre ihren Anspruch auf Aktien der als eigenständiges Unternehmen an die Börse gebrachten Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten verwirkt haben. Auch diesbezüglich lassen sich die involvierten Parteien nicht so recht in die Karten blicken.

Fakt ist: Selbst wenn dem so wäre, trennen die nicht angedienten Aktien mittlerweile mehr als 4 Prozent zur rechnerischen Parität des Barangebots von 280 Dollar.

Damit bieten sich die Aktien von Actelion womöglich für eine allerletzte kurze Wette an.

 

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