Frohe Kunde für die SNB bei amerikanischen Aktien

Weshalb die jüngste Empfehlung von Kepler Cheuvreux die SNB freuen dürfte - Barclays widerspricht Merrill Lynch bei Qualitätsaktien - Und: Mutige Kaufempfehlung für die Aktien von Syngenta.
16.11.2016 12:30
cash Insider
Frohe Kunde für die SNB bei amerikanischen Aktien
Bild: fotolia.com

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"Hin und her macht die Tasche leer" pflegte der verstorbene Financier André Kostolany stets zu sagen. "Und jene der Banken voller" liesse sich diese nur allzu wahre Börsenweisheit ergänzen.

Zumindest bei Kepler Cheuvreux will man davon allerdings nichts wissen. Denn nur wenige Wochen, nachdem der für das Cross Asset Research tätige Stratege den amerikanischen Aktienmarkt heruntergestuft hat, macht er diesen taktischen Schritt schon wieder rückgängig: Die Gewichtung amerikanischer Aktien wird im Rahmen der internationalen Vermögensausrichtung zu Lasten der Schwellenländeraktien erhöht.

Das dürfte nicht zuletzt die Schweizerische Nationalbank (SNB) freuen, liess ihre ungezügelte Interventionswut sie doch gleich bei mehreren führenden amerikanischen Unternehmen zu einer bedeutenden Aktionärin aufsteigen. An dieser Stelle sei gesagt, dass sich unsere Währungshüter bei der Anlage der Fremdwährungsreserven an den MSCI Equity World Index halten. Das Gewicht amerikanischer Aktien liegt bei diesem viel beachteten Börsenbarometer bei nicht weniger als 60 Prozent.

Entwicklung des S&P-500-Index' vor und nach den Präsidentschaftswahlen; Quelle: www.cash.ch

Der Stratege von Kepler Cheuvreux lässt jedenfalls keine Zweifel daran, dass die Wahl von Donald Trump zum 45. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika der Leitbörse in New York helfen wird. Es ist weniger der Einzug des Republikaners ins Weisse Haus als vielmehr die ziemlich deutliche republikanische Mehrheit im Senat, die den Experten überrascht.

Seines Erachtens steht dem im Wahlkampf versprochenen Infrastrukturpaket, den geplanten Steuersenkungen und dem Kampf gegen die Regulierungsflut damit nichts mehr im Wege. Insbesondere von der Repatriierung von Auslandsvermögen von bis zu 2000 Milliarden Dollar verspricht er sich wichtige Impulse für den amerikanischen Aktienmarkt.

In einem weiteren Punkt muss ich dem Strategen Recht geben: Anders als andere führende Wirtschaftsnationen wie Europa oder Japan sind die USA nicht auf eine künstliche Schwächung der eigenen Währung angewiesen, um die heimische Wirtschaft in Schwung zu halten.

Und obschon man neben amerikanischen Aktien bei Kepler Cheuvreux auch auf solche aus Europa setzt, wird der Schweizer Aktienmarkt aufgrund seiner hohen Abhängigkeit von den drei Indexschwergewichten Nestlé, Roche und Novartis nur mit "Underweight" eingestuft.

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Gestern berichtete ich an dieser Stelle von einer Strategiestudie aus dem Hause Merrill Lynch. Darin bezeichneten die beiden Studienautoren den Ausverkauf bei Qualitätsaktien wie Nestlé, Roche oder Novartis als übertrieben (siehe gestrige Kolumne).

Nun melden sich die Berufskollegen von Barclays zu Wort und widersprechen dieser Einschätzung mit Vehemenz. Die Experten der britischen Grossbank räumen zwar ein, dass Qualitätsaktien seit Juli rund 13 Prozent schlechter als Substanzaktien abgeschnitten haben. Allerdings halten sie die zuletzt in Ungnade gefallene Titelkategorie noch immer für überteuert, weshalb sie für diese über die kommenden Monate mit einer um weitere 15 Prozent schlechteren Kursentwicklung rechnen.

Sollte der nach 2006 beobachtete Siegeszug der Qualitätsaktien ein Ende haben, erachten die Barclays-Strategen sogar einen Rückschlag um bis zu 30 Prozent als möglich. Nicht auszudenken, was das für die drei Indexschwergewichte in der Schweiz bedeuten würde...

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Nichts hasst die Börse mehr als Ungewissheit. Da erstaunt nicht, dass Anleger schon seit Wochen einen grossen Bogen um die Aktien von Syngenta machen. Denn bei kaum einem anderen Vertreter aus dem Swiss Market Index (SMI) ist in diesen Tagen so vieles noch ungewiss wie beim Agrarchemiekonzern aus Basel.

Ist die Übernahme durch Chem China erfolgreich, winken den Anteilseignern 465 Dollar je Aktie in bar sowie 5 Franken in Form einer Sonderdividende. Davon sind die Kursnotierungen allerdings geschätzte 20 Prozent entfernt - ein klares Misstrauensvotum.

Kursentwicklung der Syngenta-Aktien seit Jahresbeginn; Quelle: www.cash.ch

Mut beweist nun der für die Aktienanalyse von Standard & Poor’s tätige Analyst. Er glaubt weiterhin an ein Zustandekommen der Übernahme und stuft die Aktien von Syngenta von "Buy" auf "Strong Buy" herauf. Das 12-Monats-Kursziel lautet wie bis anhin 480 Franken.

Einmal mehr werden die nicht gerade erfolgsverwöhnten Syngenta-Aktionäre auf eine harte Probe gestellt. Bleibt zu hoffen, dass sich das Warten lohnt und der milliardenschwere Firmenkauf bis Ende des ersten Quartals endlich unter Dach und Fach gebracht werden kann.
 

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