Früherer Grossaktionär meldet sich bei UBS zurück

Ein bekannter amerikanischer Fondsanbieter gibt sich bei der UBS nach Jahren wieder als Grossaktionär zu erkennen – Und: Droht dem zukünftigen Konzernchef von Nestlé ein frostiger Empfang?
22.11.2016 12:30
cash Insider
Früherer Grossaktionär meldet sich bei UBS zurück
Bild: fotolia.com

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Am Freitag war gerüchteweise aus London zu vernehmen, dass sich ein früherer Grossaktionär wieder bei der UBS eingekauft habe. Dabei fiel hinter vorgehaltener Hand überraschend der Name Knight Vinke.

Der amerikanische Hedgefonds ist kein unbeschriebenes Blatt, machte er der grösseren der beiden Schweizer Grossbanken in den letzten Jahren doch mit der Forderung nach einer Abspaltung des Investment Bankings das Leben schwer. Ende Dezember letzten Jahres warf Knight Vinke entnervt das Handtuch und trennte sich vom Aktienpaket.

Nun meldet sich allerdings nicht Knight Vinke, sondern die Capital Group bei der UBS zurück. Noch bis vor wenigen Jahren hielt die mächtige amerikanische Fondsgesellschaft gelegentlich mehr als 5 Prozent der ausstehenden Aktien - bis sie ihre Beteiligung zwischen Mai 2010 und April 2011 in zwei Schritten auf unter 3 Prozent reduzierte. Wie einer Offenlegungsmeldung an die Schweizer Börse SIX entnommen werden kann, hält die Capital Group mittlerweile wieder 3,01 Prozent der Stimmen, davon 2,83 Prozent in Aktien und die Differenz über Derivate.

Kursentwicklung der UBS-Aktien seit Anfang Juli; Quelle: www.cash.ch

Es wäre interessant zu erfahren, ob sich die Amerikaner grundsätzlich wieder für europäische Bankaktien erwärmen können oder gezielt bei jenen der UBS zugekauft haben. Die Beteiligungsmeldung bei der Credit Suisse liefert diesbezüglich ebenfalls keine neuen Erkenntnisse, hält die Capital Group doch schon seit diesem August etwas mehr als 5 Prozent an der CS. Mit anderen Worten: Die Fondsgesellschaft kann bei der kleineren der beiden Schweizer Grossbanken kräftig zukaufen, bevor sie wieder meldepflichtig wird.

Ob auch Knight Vinke wieder an der UBS beteiligt ist, darüber lässt sich ebenfalls bloss spekulieren. Verhält es sich wie in früheren Tagen, brächte es der amerikanische Hedgefonds auf rund 1 Prozent der ausstehenden Aktien. Weil sich die Amerikaner damit unter dem meldepflichtigen Schwellenwert von 3 Prozent und unter dem Radarschirm der Öffentlichkeit bewegen würden, könnten sie selbst bestimmen, wann sie an die Öffentlichkeit gelangen.

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Analysten sind sich einig: Sobald Mark Ulf Schneider Anfang Januar bei Nestlé den langjährigen Konzernchef Paul Bulcke ablöst, wird beim traditionsreichen Nahrungsmittelhersteller aus Vevey kein Stein mehr auf dem anderen bleiben.

Nicht zuletzt aufgrund seiner langjährigen Erfahrung in der Gesundheitsindustrie scheint schon heute klar, in welche Richtung es bei Nestlé unter dem zukünftigen Konzernchef gehen wird. Gerade in angelsächsische Expertenkreisen gilt ein Ausbau des margenstarken Gesundheitsgeschäfts als so sicher wie das Amen in der Kirche.

Mit dem für die Credit Suisse tätigen Analysten warnt nun aber erstmals jemand vor den Herausforderungen, die Schneider bei seinem neuen Arbeitgeber erwarten könnten. Unternehmensintern werde die Kritik rund um die verfehlten langfristigen Wachstumsambitionen, dem "Nestlé-Modell", gerade von den älteren Kadermitarbeitern als übertrieben beurteilt, so schreibt der Experte. Als hinderlich erachtet er auch, dass der zukünftige Konzernchef kaum Wissen über "Schnelldreher" verfügt. Unter diesen Begriff fallen nur schwer differenzierbare Güter des täglichen Bedarfs, wie eben Nahrungsmittel.

Haben die "Schneider-Prämie" wieder eingebüsst: die Aktien von Nestlé; Quelle: www.cash.ch

Und auch wenn man es bei der Credit Suisse nicht explizit auszusprechen wagt, so lässt man zumindest durchblicken, dass Schneider nach seinem Amtsantritt intern auf Widerstand stossen könnte. Der Experte empfiehlt die Aktien von Nestlé deshalb als einer von gerade mal zwei Analysten mit "Underperform" und einem 68 Franken lautenden Kursziel zum Verkauf.

Nachdem die Kursnotierungen in den letzten Wochen wieder auf den Stand unmittelbar vor der Verpflichtung von Ulf Mark Schneider zurückgefallen sind, lässt sich dieses etwas gar harsche Anlageurteil der Credit Suisse für mich nur schwer nachvollziehen.
 

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