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Fünf gute Gründe für die Aktien von ABB

Amerikanische Investmentbank traut ABB gleich in fünffacher Hinsicht eine Überraschung zu - Und: Hat die Credit Suisse auch ohne milliardenschweren Vergleich einen Quartalsverlust eingefahren?
27.01.2017 12:30
cash Insider
Fünf gute Gründe für die Aktien von ABB
Bild: fotolia.com

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Mit kaufen und halten liess sich bei den Aktien von ABB in den letzten Jahren kaum etwas erreichen. Geld verdiente nur, wer bei Kursen unter 17 Franken einstieg und sich bei 22 Franken dann auch gleich wieder verabschiedete.

...bis vor wenigen Wochen. Denn wer sich in den ersten Januar-Tagen von seinen Aktien trennte, hat ziemlich das Nachsehen. Gestern stiegen die Kursnotierungen im Laufe des Nachmittags bei 23,87 Franken auf den höchsten Stand seit mehr als drei Jahren. Erstmals seien wieder angelsächsische Momentum-Investoren als Käufer in Erscheinung getreten, so berichten mir Händler.

Erst vor wenigen Tagen liess der für J.P. Morgan tätige Analyst durchblicken, dass er dem Industriekonzern aus Zürich im Hinblick auf die anstehende Quartalsergebnispräsentation eine positive Überraschung beim Auftragseingang zutraut. Das überrascht, konnte er sich in den vergangenen Jahren doch nicht für die Aktien erwärmen. Und auch jetzt werden letztere nur mit "Neutral" und einem Kursziel von 21 Franken eingestuft.

Die Aktien von ABB sind schon seit Wochen im Aufwind; Quelle: www.cash.ch

Nicht so der Autor einer mit aus London zugespielten Unternehmensstudie des Rivalen Morgan Stanley. Er empfiehlt die Aktien schon eine ganze Weile mit "Overweight" zum Kauf. Anders als sein Berufskollege erwartet der Experte bei ABB im weiteren Jahresverlauf nicht nur beim Auftragseingang, sondern auch gleich in vier weiteren Belangen eine positive Überraschung.

Geschäftsentwicklung: Von den Konsensschätzungen lässt sich für 2017 ein organisches Umsatzwachstum von weniger als einem Prozent und einen um zwei Prozent höheren operativen Gewinn (EBITA) ableiten. Alleine schon aufgrund der in den letzten Jahren eingeleiteten Kosteneinsparmassnahmen beurteilt der Analyst diese Erwartungen als konservativ.

Prozessautomation: Experten rechnen in diesem Geschäftszweig bestenfalls mit einer stabilen Margenentwicklung. Allerdings dürfte die Talsohle im Laufe des zweiten Quartals durchschritten werden und sich ab dann eine Margenerholung bemerkbar machen, so lässt der Studienautor durchblicken.

Fortschritte auf der Kostenseite: ABB selber strebt im neuen Jahr Einsparungen im Umfang von 450 Millionen Dollar an, während der Analyst von mindestens 475 Millionen Dollar ausgeht. Seines Erachtens besteht diesbezüglich ein nicht zu unterschätzendes Überraschungspotenzial.

Stromübertragungsgeschäft gewinnt an Wert: In den letzten Jahren wehrte sich ABB mit Erfolg gegen die von Grossaktionären geforderte Abspaltung des margenschwachen Stromübertragungsgeschäfts. Rückblickend könnte sich das als glückliche Fügung erweisen, geht der Experte in diesem Bereich doch von operativen und wertvermehrenden Fortschritten aus. Unter der Annahme einer operativen Marge von 12 Prozent kommt er bei ABB sogar auf einen Unternehmenswert von 27 Franken je Aktie.

Dass bei ABB vermehrt wieder Grossaufträge eingehen, ist zwar sehr ermutigend. Allerdings werden sich diese erst über die kommenden Monate in der Umsatz- und Gewinnentwicklung bemerkbar machen. Im Hinblick auf die Jahresergebnispräsentation von Anfang Februar steht den zuletzt stark gestiegenen Aktien deshalb eine erste grössere Bewährungsprobe bevor...

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Die Aktien der Credit Suisse werden an der Börse für den bestenfalls durchwachsenen Zahlenkranz der UBS in Sippenhaft genommen. Nicht ohne Grund, lässt der überraschende Margenrückgang im Wealth Management doch auch bei der kleineren der beiden Schweizer Grossbanken nichts Gutes erahnen.

Kräftig Öl ins lodernde Feuer giesst heute die australische Investmentbank Macquarie. In einem Ausblick auf die Quartalsergebnispräsentation von Mitte Februar rechnet diese bei der Credit Suisse im Schlussquartal sogar mit roten Zahlen.

Nach dem milliardenschweren Vergleich mit dem amerikanischen Justizministerium im Zusammenhang mit fragwürdigen Hypotheken auch kein Wunder, so wird der versierte Leser jetzt denken. Allerdings erwarten die für Macquarie tätigen Analysten sogar unter Ausklammerung zusätzlicher Rückstellungen mit einem Quartalsverlust. In Erwartung eines für viele Berufskollegen überraschenden Ertragseinbruchs empfehlen sie die Aktie der Schweizer Grossbank wie bis anhin mit „Underperform“ und einem Kursziel von 13,50 Franken zum Verkauf.

Schon seit gut zwei Wochen ist gerüchteweise zu hören, dass Vertreter der Credit Suisse gegenüber Analysten die Erwartungen zu dämpfen versuchen (siehe auch Kolumne vom 20. Januar). Der durchwachsene Zahlenkranz der UBS scheint diesen Stimmen Recht geben zu wollen.

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