GAM, Dufry, Bâloise & Co. - Zwei Banken nennen heisse Schweizer Übernahmekandidaten

Kepler Cheuvreux und Goldman Sachs verraten, welche Schweizer Unternehmen als nächstes in ausländische Hände fallen könnten. Dabei fallen durchaus auch überraschende Firmennamen.
05.07.2017 12:30
cash Insider
Zwei Banken nennen heisse Schweizer Übernahmekandidaten
Bild: fotolia.com

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Wenn der Einstieg von White Tale bei Clariant den hiesigen Unternehmen eines eindrücklich vor Augen führt, dann dass sie sich ihrer Sache nie zu sicher sein dürfen. Hinter der bei uns noch unbekannten Aktionärsgruppe versteckt sich nämlich nicht nur Corvex - und damit ein berüchtigter Hedgefonds eines früheren Wegbegleiters des amerikanischen Milliardärs Carl Icahn - sondern mit dem Baustoffhersteller Standard Industries auch ein industrieller Investor.

White Tale könnte den transatlantischen Schulterschluss des Basler Spezialitätenchemiekonzerns mit dem amerikanischen Rivalen Huntsman in letzter Minute vereiteln, sofern der oppositionelle Grossaktionär genügend andere Anteilseigner für die eigene Sache gewinnen kann. Selbst eine grosszügigere Gegenofferte seitens eines finanzkräftigen Kontrahenten scheint mittlerweile kein Tabuthema mehr zu sein (siehe gestriger Artikel).

Die Schweizer Unternehmenswelt ist im Umbruch - und das nicht erst seit dem gestrigen Tag. Schliesslich wurde zuvor schon der Allschwiler Pharmahersteller Actelion von der ungleich grösseren amerikanischen Johnson & Johnson geschluckt und der Agrarchemiekonzern Syngenta nach China verkauft.

Erneut werden die Clariant-Aktien von Übernahmespekulationen angetrieben (Quelle: www.cash.ch)

Weltweit seien in den vergangenen 12 Monaten Firmenübernahmen und -zusammenschlüsse mit einem Transaktionsvolumen von atemberaubenden 5000 Milliarden Dollar bekanntgegeben worden, so rechnen die Aktienstrategen von Kepler Cheuvreux in einer eben erst erschienenen Studie vor. Das wiederum entspricht einem neuen Rekordwert.

Insbesondere Europa sagen die Experten eine kräftige Belebung der Übernahmeaktivitäten vorher, und sind damit nicht alleine. Auch ihre Berufskollegen bei der Citigroup äusserten kürzlich die Befürchtung, dass finanzkräftige Finanzinvestoren aus anderen Weltregionen einfallen könnten.

In der Strategiestudie von Kepler Cheuvreux werden der Vermögensverwalter GAM sowie der Detailhandelskonzern Dufry namentlich genannt. Noch ist allerdings unklar, ob der überraschende Ausstieg von Rudolf Bohli mit seinem Hedgefonds RBR schon bekannt war, als die Autoren die Studie fertigstellten. Nach dem Rückzug des für seine aktive Einflussnahme bekannten Finanzinvestors ist ein Verkauf der ehemaligen Fondstochter von Julius Bär ins Ausland nämlich weniger wahrscheinlich geworden.

Auch bei Dufry scheint eine vollständige Übernahme durch den Grossaktionär HNA nicht in Stein gemeisselt. Es könnte durchaus bei der strategischen Beteiligung des chinesischen Mischkonzerns bleiben. Letzterer hält der neusten Offenlegungsmeldung zufolge 20,92 Prozent der Stimmen, gefolgt von Katar mit 6,92 Prozent und dem Luxusgüterkonzern Richemont mit 5 Prozent.

Ebenfalls als mögliche Übernahmeziele gelten bei Kepler Cheuvreux der Apple-Zulieferer AMS, der Pharmahersteller Basilea sowie der Luftfrachtspezialist Panalpina. Eines haben diese Unternehmen übrigens gemeinsam: Sie alle rücken schon seit Jahren immer wieder ins Zentrum von Übernahmespekulationen.

Nach der kürzlich bekanntgegebenen Vertriebsvereinbarung von Basilea mit dem mächtigen amerikanischen Pharmahersteller Pfizer dürften diese Spekulationen wohl verstummen. Weiterhin denkbar scheint mir, dass Panalpina in ausländische Hände geraten könnte. Als Herrin über 43,6 Prozent der Stimmen hätte die Ernst Göhner Stiftung allerdings ein gehöriges Wort mitzureden.

In einer Studie von Goldman Sachs zu diesem Thema werden die Softwareschmiede Temenos, der Telekommunikationskonzern Sunrise Communications, der Weltmarktführer Sonova, der Marktentwicklungsdienstleister DKSH, der Schokoladehersteller Lindt & Sprüngli, der Versicherungskonzern Bâloise sowie - wenig überraschend - der Spezialitätenchemiehersteller Clariant als mögliche Übernahmekandidaten aufgeführt. Bei Lindt & Sprüngli und Clariant wird die Wahrscheinlichkeit eines Verkaufs ins Ausland von den Autoren mit 30 bis 50 Prozent, bei allen anderen dieser Unternehmen mit 15 bis 30 Prozent angegeben.

Anders als bei Clariant glaube ich aber gerade bei Lindt & Sprüngli nicht mehr länger an das schon seit Jahren immer wieder herumgereichte Szenario einer Übernahme durch Nestlé. Ganz im Gegenteil: Der Nahrungsmittelkonzern aus Vevey könnte sich gegebenenfalls sogar vollständig aus dem Süsswarengeschäft zurückziehen.

Die Partizipationsscheine von Lindt & Sprüngli lassen schon seit Wochen "Luft ab" (Quelle: www.cash.ch)

Den Namen Sonova anzutreffen überrascht mich alleine schon aufgrund der Grösse des Hörgeräteherstellers aus Stäfa und auch eine Übernahmeofferte für DKSH aus dem Ausland kann und will ich mir nicht so recht vorstellen.

Es lässt sich bekanntlich viel Geld verdienen, setzt man auf die richtigen Übernahmekandidaten. Nicht selten wird den Anlegern ein langer Atem abverlangt. Im Fall von Nobel Biocare, Swisslog oder der Gategroup dauerte es mitunter Jahre, bis die Unternehmen verkauft wurden - und das erst noch zu einem für langjährige Aktionäre nicht sehr vorteilhaften Preis.

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