Geberit, Swatch und Co. - Diese Firmen erwartet ein Franken-Schub

Kepler Cheuvreux nennt Schweizer Firmen, welche vom schwachen Franken profitieren sollten. Der cash Insider verrät, was Anleger dabei beachten sollten. - Und: Wiedererwachte Ängste um den Backwarenhersteller Aryzta.
23.04.2018 12:30
cash Insider
Diese Firmen erwartet ein Franken-Schub
Bild: fotolia.com

Der cash Insider ist unter @cashInsider auch auf Twitter aktiv. Lesen Sie börsentäglich von weiteren brandaktuellen Beobachtungen am Schweizer Aktienmarkt.

+++

Als die Schweizerische Nationalbank (SNB) Mitte Januar 2015 in einer Nacht-und-Nebel-Aktion den Euro-Mindestkurs kappte, ging ein Aufschrei durch unser Land. Als Kapitulation vor ausländischen Spekulanten wurde der Entscheid damals verunglimpft und Thomas Jordan als Aushängeschild mit Kritik wenn nicht gar mit üblen Beschimpfungen aus Wirtschaft und Politik überzogen.

In diesen Tagen - etwas mehr als drei Jahre später - ist der Franken erneut in aller Munde. Der Grund: Am Donnerstag und Freitag unternahm der Euro-Franken-Kurs erstmals einen kurzen Ausflug über den einstigen Mindestkurs von 1,20.

Die hiesigen Unternehmen waren in der Zwischenzeit nicht untätig. Viele von ihnen haben ihre Hausaufgaben gemacht und ihre Kostenstrukturen an den starken Franken angepasst.

Aus Sicht der Autoren eines Strategiepapiers aus dem Hause Kepler Cheuvreux sind die Gewinner der jüngsten Verschiebungen im Währungsgefüge schnell gefunden. Wie Torsten Sauter und seine Mitarbeiter schreiben, dürfte sich der erstarkte Euro insbesondere bei Geberit positiv in der Gewinnentwicklung niederschlagen. Der Sanitärtechnikkonzern aus Jona erzielt ein Grossteil des Jahresumsatzes in den umliegenden europäischen Ländern. Das nördliche Nachbarland Deutschland gilt als ein Schlüsselmarkt des Unternehmens.

Ein um 10 Prozent höherer Euro-Franken-Kurs sollte sich bei Geberit in einem um 10 Prozent höheren Gewinn je Aktie bemerkbar machen, so schreiben die für Kepler Cheuvreux tätigen Autoren. Im Jahresvergleich hat die europäische Einheitswährung gegenüber dem Franken gar etwas mehr als 12 Prozent gutgemacht. Man braucht bloss eins und eins zusammenzuzählen...

Immerhin noch einen um 7 Prozent höheren Gewinn je Aktie verspricht ein um 10 Prozent höherer Euro-Franken-Kurs beim Dentalimplantatehersteller Straumann, gefolgt von jeweils 6 Prozent beim Weltmarktführer Sonova, beim Apple-Zulieferer SFS Group, beim Risikokapitalspezialisten Partners Group, bei den Automobilzulieferern Feintool, Georg Fischer und Ems-Chemie, beim Spezialitätenchemiehersteller Clariant sowie bei der Swatch Group.

Allerdings sind diese Zahlen mit einer gewissen Vorsicht zu geniessen. Denn nicht wenige der von Kepler Cheuvreux genannten Unternehmen sichern ihre Währungsrisiken oder zumindest Teile davon phasenweise über Termingeschäfte ab.

Der SMI (grün) profitierte zuletzt herzlich wenig vom starken Euro-Franken-Kurs (rot) (Quelle: www.cash.ch)

Eine Antwort auf die Frage, ob und in welchem Ausmass man sich absichert, erhoffe ich mir von der Unternehmensberichterstattung für das erste Quartal.

Nicht so recht in dieses Bild passen will, dass der für Kepler Cheuvreux tätige Aktienstratege den Schweizer Aktienmarkt erst vor einer Woche von "Overweight" auf "Neutral" herunterstufte (siehe "Schweizer Aktien zahlten sich nicht aus" vom 16. April).

Anders die Berufskollegen der Schweizer Grossbank UBS: In Erwartung währungsbedingter Schätzungserhöhungen setzen sie weiterhin auf Aktien aus der Schweiz. Als ein weiteres Kaufargument führen sie die attraktiv hohe Dividendenrendite an.

Letztere liegt mittlerweile um nicht weniger als 40 Prozent über dem Weltdurchschnitt und damit auf dem höchsten Stand seit mehr als drei Jahrzehnten (siehe auch "Qualitätsaktien so günstig wie seit 30 Jahren nicht" vom 18. April)...

+++

Seit Wochen schwanken die Aktionäre von Aryzta zwischen Angst und Hoffnung. Im Zuge einer aggressiven Übernahmepolitik haben sich beim Backwarenhersteller erdrückend hohe Schulden angehäuft.

Die unglückliche Kombination aus hohen Schulden und einem nur schleppend laufenden Tagesgeschäft zwingt das Unternehmen dazu, für einst teuer erkaufte Geschäftsaktivitäten wieder einen Käufer zu suchen.

Bis Ende März erzielte Aryzta mit dem Verkauf von Geschäftsbereichen einen Erlös von 140 Millionen Euro. Bis Juli hat sich der Backwarenhersteller einen Erlös von mindestens 450 Millionen Euro zum Ziel gesetzt.

Bei jeder sich bietenden Gelegenheit lassen die Firmenvertreter durchblicken, dass sie der hohen Verschuldung und den Problemen beim Tagesgeschäft ohne zusätzliches Kapital der Aktionäre Herr werden können.

Erst letzte Woche schrieb die "Finanz und Wirtschaft" allerdings, dass die Konkursgefahr über die nächsten zwei Jahre deutlich gestiegen sei.

Ziemlich ernüchternd: Die Kursentwicklung der Aktien von Aryzta über die letzten 10 Jahre (Quelle: www.cash.ch)

Die Valoren von Aryzta notieren nur unwesentlich über den historischen Tiefstständen bei etwas mehr als 20 Franken von Ende März, was tief blicken lässt. Zum Vergleich: Noch im Sommer 2014 waren Anleger bereit, fast 90 Franken für eine Aktie des Backwarenherstellers zu bezahlen.

Vermutlich wäre es ehrlicher von den Firmenvertretern, wenn sie sich der Idee einer Kapitalerhöhung nicht länger verschliessen würden. Je eher alle Anspruchsgruppen des Unternehmens Klarheit über ihre Zukunft haben, desto besser.

Der cash Insider nimmt Marktgerüchte sowie Strategie-, Branchen- oder Unternehmensstudien auf und interpretiert diese. Marktgerüchte werden bewusst nicht auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft. Gerüchte, Spekulationen und alles, was Händler und Marktteilnehmer interessiert, sollen rasch an die Leser weitergegeben werden. Für die Richtigkeit der Inhalte wird keine Verantwortung übernommen. Die persönliche Meinung des cash Insiders muss sich nicht mit derjenigen der cash-Redaktion decken. Der cash Insider ist selber an der Börse aktiv. Nur so kann er die für diese Art von Nachrichten notwendige Marktnähe erreichen. Die geäusserten Meinungen stellen keine Kauf- oder Verkaufsempfehlungen an die Leserschaft dar.